Baru: Hau die Bässe rein, Bruno!

Cover - Edition 52
Cover - Edition 52
Baru legt mit seiner unnachahmlichen Graphic Novel „Hau die Bässe rein, Bruno!" einen weiteres Meisterwerk zwischen Satire und Milieustudie vor

Was haben ein afrikanisches Fußballtalent und gealterte französische Gauner gemeinsam? Richtig! Nichts. In Barus neuer Graphic Novel Hau die Bässe rein, Bruno! (Edition 52) treffen diese Figuren trotzdem aufeinander. Die Geschichte beginnt zunächst in einem abgelegenen afrikanischen Dorf. Fußballerstar Ousmane Traoré entdeckt bei der Durchreise zufällig den talentierten Slimane, dem er eine glänzende Zukunft prophezeit.

Das Versprechen

Die Sache hat nur einen Haken: er muss so schnell wie möglich nach Frankreich kommen. Und so befindet sich Slimane nun versteckt im Laderaum eines Flugzeugs. Nach der Landung muss er vor der Polizei fliehen. Er rennt über die Autobahn und über Felder, bis er nicht mehr kann. Und dann wird er illegaler Arbeiter mit niedrigen Lohn und harten Aufgaben. Wird Slimane tatsächlich der neue Fußballstar?

Der Coup

Währenddessen wird Zinedine aus dem Gefängnis entlassen. Kaum ist er wieder auf freiem Fuß, plant er sein großes Projekt: Sein letzter Coup, um sich danach für den Lebensabend zurückzuziehen. Das Problem ist nur, dass Zizou genauso wenig Verstand wie Skrupel hat. Damit sein Plan gelingt, braucht er Hilfe, die er in Person des gealterten italienischen Verbrecherstrategen D’Alloro, der für den Coup seine alten Freunde rekrutiert, findet. Doch geht der wasserdichte Plan auch wirklich auf?

Der Autor

Der französische Comicautor Baru war 2011 Jury-Präsident des Angoulêmer Comicfestivals. Eine längst überfällige Krönung von Barus einzigartiger Karriere als Comickünstler. In Hau die Bässe rein, Bruno! bekommt der Leser wieder Baru "at his best". Nach dem Gemeinschaftsprojekt Elende Helden (Edition 52) mit Pierre Pelot hat Baru nun wieder alles in Eigenregie gemacht. Niemand anderes versteht es auf so geniale Weise Satire mit Milieustudien zu verbinden.

Die Story

Man merkt der Erzählung an, dass der Autor trotz seines Erfolges immer noch der französischen Vorstadt verhaftet ist. Kein Wunder: Dort gibt es all die schrägen Figuren wie Kleinkriminelle, Choleriker und soziale Außenseiter, die auch in Hau die Bässe rein, Bruno! erneut auftauchen. Obwohl der bissige bis schwarzhumorige Witz nie zu kurz kommt, beschäftigt sich der Franzose auch in unaufdringlicher Weise mit ernsten sozialen Problemen wie Migration.

Neben den authentischen und zum Teil bissigen Dialogen verwendet der Autor auch auffallend viele Panels ohne Text. Was auf den ersten Blick so banal erscheint, erweist sich auf den zweiten Blick aber als Glanzleistung: wie ein Regisseur nutzt Baru Einstellungen aus dem Kino sowie Gestik und Mimik seiner Figuren, um die Story voranzutreiben.

Das Artwork

Baru führt einen einmaligen Strich zwischen Realismus (Hintergrund) und leichter Karikatur (Figuren). Die nuancenreichen Aquarellfarben wirken ebenfalls realistisch und authentisch. Dadurch ist der Franzose einerseits fest in der Wirklichkeit verankert, aber durch die Figuren überzeichnet er sie auch dezent. Es ist einfach genial, wie die wütenden oder gelassenen Figuren in den Vorstadtszenarien brüllen, aufeinander schießen, rennen, klauen und sich verfolgen.

Hau die Bässe rein, Bruno! ist schlichtweg ein Meisterwerk der neunten Kunst. In dieser Graphic Novel stimmt einfach alles: Charaktere, Inhalt, Erzählweise, Zeichnung und Farben. Auch das Lettering muss hier lobend erwähnt werden. Das interessante Vorwort stammt von Volker Hamann (Comic Report) und führt den Leser in die Welt von Baru ein. Hier ist eine Leseprobe der Graphic Novel.

Wertung: 5 von 5

Baru: Hau die Bässe rein, Bruno! Edition 52, 2011. Klappenbroschur, 128 Seiten. Euro 22.