Fallschirmsprünge von Gebäuden, Brücken oder Felsen wurden bereits gemacht seit es Fall- bzw. Gleitschirme gibt, eine eigene Sportart ist jedoch erst 1978 aus dieser todesmutig scheinenden Betätigung geworden. In Kalifornien taufte einer der ersten Base-Jumper, der Sportfilmer Carl Boenisch, den neuen Extremsport BASE: die vier Buchstaben stehen für buildings, antennas, spans and earth, also Gebäude, Funktürme, Brücken und Landmasse.
Die Anfänge des Base-Jump
Der Sprung Carl Boenischs von der 910 Meter hohen Steilwand „El Capitán“ im Yosemite-Nationalpark in den USA, gebremst nur durch seinen Fallschirm, löste eine neue Bewegung aus.
Zunächst benutzten die Pioniere des Base-Jumping noch herkömmliche Fallschirme mit Reserveschirm. Im Laufe der 80er Jahre dann, im Zuge der Entwicklung als eigenständiger Sportart, wurden spezielle Base-Schirme erprobt und hergestellt. Diese ermöglichten Sprünge aus niedrigeren Höhen, womit auch der Reserve-Schirm überflüssig wurde, denn im Ernstfall bliebe keine Zeit für die Notrettung in der Luft.
Die verschiedensten Herausforderungen in Form von mehr oder weniger hohen Objekten, häufig mit symbolischen Wert, sind seit den Anfängen der Bewegung ersprungen und damit bezwungen worden. Dazu gehören die Christus-Statue in Rio de Janeiro, die 452 Meter hohen Petronas-Towers in Kuala Lumpur und der 6604 Meter hohe Berggipfel des Meru in Indien.
Technik des Base-Jumping
In den meisten Fällen öffnen Base-Jumper ihren Schirm über einen kleinen Hand-held-Schirm, einen Miniatur-Hilfsschirm, den der Springer schon beim Absprung, dem sogenannten Exit, in der Hand hält. Dieser Hand-held wird zu Beginn des freien Falls losgelassen, damit dieser den eigentlichen Fallschirm aufzieht.
Eins Stowed dagegen ist ein Fallschirm, der im Container-Sack verpackt ist und andres als beim offen in der Hand gehaltenen Schirm, für größere Höhen benutzt wird. Diesen öffnet man mittels eines Pinn, dem Verschlussstift, den einige Jumper als Glücksbringer an einer Kette tragen. Der Pinn sieht aus wie ein aufgebogener Angelhaken und öffnet kurz nach dem Exit den Container.
Wettbewerbsdisziplinen: Aerobatics und Zielspringen
Bei den Contest der Base-Jumper wird zwischen zwei offiziellen Wettkampfdisziplinen unterschieden: Aerobatics und Zielspringen.
Beim Aerobatics werden sogenannte Aerials bewertet, also Akrobatik in der Luft während des freien Falls wie zum Beispiel Salti oder Headdown-Sprünge. Der Headdown ist ein gefährlicher Kopfsprung, bei dem es besonders schnell abwärts geht. Beim sogenannten Wingsuit-Sprung dagegen, also einem freien Fall im Flügelanzug mit Stoffflächen zwischen Armen und Beinen, geht es mit abgesenkter Fallgeschwindigkeit gen Boden. Dadurch wird zudem eine horizontale Vorwärtsgeschwindigkeit erreicht.
Das Zielspringen ist eine Wettbewerbsdisziplin, bei der eine Punktlandung den idealen Abschluss des Sprungs darstellt. Idealerweise landet der Base-Jumper auf einem vorher exakt markierten Punkt. Je weiter der Landeort von diesem Punkt entfernt ist desto schlechter wird der Sprung bewertet.
Base-Jumping in Deutschland
In Deutschland gilt das Base-Jumping oder Objektspringen rechtlich als eine Außenlandung mit Luftsportgerät und ist daher genehmigungspflichtig. Die Eigentümer des Absprung- und Landeortes müssen schriftlich ihr Einverständnis mit dem Vorhaben erklären. Zudem muss ein Geländegutachten erstellt werden und die Ausrüstung muss den Zulassungsbestimmungen entsprechen, zuständig hierfür ist der deutsche Fallschirmsportverband. Organisiert haben sich die Base-Jumper in Deutschland im Verein deutscher Objektspringer VDO.
Festzuhalten ist, dass es sich bei dieser Extremsportart nicht um einen Trend- oder Funsport handelt. Der VDO warnt daher alle Amateure vor Unbesonnenheit. Das Objektspringen erfordert viel Übung, Geld und nicht zuletzt Mut. So ist es wohl zu erklären, dass es in Deutschland kaum 100 aktive Springer gibt. Die meisten sind Männer, die neben einer Vielzahl angemeldeter Aktionen auch den Kitzel in verbotenen Sprüngen suchen.
Seit 1981 sind bei oftmals riskanten Aktionen weltweit mehr als 120 Base-Jumper in den Tod gesprungen.
