Basilius von Caesarea, auch Basilius der Große oder, wie im Tusculum, Basileos der Große genannt, wurde um 329/ 330 in Kappadokien als ältestes von 10 Kindern geboren. Sein Vater, Basilius d. Ä., war ein begnadeter hellenistischer Rhetoriker und auf Grund seines Großgrundbesitzes im Pontus sehr angesehen. Seine Mutter Emmelia, die „bereits in vorkonstantinischer Zeit eine chr. Vergangenheit“ hatte, brachte 10 Kinder zur Welt, von denen drei Söhne, darunter Gregor von Nyssa und Petrus von Sebaste sowie Basilius selbst, Bischöfe wurden; ein Sohn, Bruder Naukratius, wurde Mönch und eine Tochter, Makrina d. J., wurde Nonne. Drei ihrer Kinder sollen sogar kanonisiert worden sein. Basilius Großvater mütterlicherseits starb als Märtyrer, allerdings scheinen wir nicht mehr von ihm zu wissen. Dafür ist bekannt, dass seine „Großmutter, Makrina die Ältere, eine Schülerin des Origenesschülers Gregor des Wundertäters“, für seine religiöse Erziehung verantwortlich war. So scheint es nicht verwunderlich, dass die Koexistenz von Hellenismus, der durch seinen Vater verkörpert wurde, und Christentum prägend dafür war, dass Basilius sich für eine religiöse Laufbahn entschieden hat. In seiner Schullaufbahn in Caesarea lernte Basilius seinen Freund Gregor von Nyzanz kennen und während seines Studiums hielt er sich sowohl in Konstantinopel (348/ 349) als auch in Athen (349/ 350) auf. Dort hatte er berühmte Lehrer wie z.B. den heidnischen Rhetoriker Libanius oder den christlichen Rhetoriker Prohäresius sowie den Himerius.
Religiöse Laufbahn
Obwohl er erst eine Ausbildung zum Rhetoriker machte, ließ er sich wahrscheinlich unter dem Einfluss seiner Schwester Makrina vom Bischof Dianius taufen und belegte danach das kirchliche Amt des Lektors. Danach durchlief er eine kirchliche Laufbahn, die ihm 370 sogar nach dem Tod des Bischofs Eusebius, der ihn [Basilius] zum Priester geweiht hat, das Bischofsamt beschert hatte. Ursprünglich wollte Basilius dieses Amt schon vorher, allerdings hat Bischof Dianius den Eusebius als seinen Nachfolger ernannt. Basilius „hat sich als richtungsweisender Verteidiger der orthodoxen Kirchenlehre, als Organisator der griech. Liturgie u. des Klosterlebens den Beinamen ,der Große` und den Rang des ersten der Kirchenlehrer des Ostens erworben". Außerdem hatte er durch seine Schriften einen hohen Einfluss auf den Westen und seine Askese in hellenistisch-platonischer und in christlicher Tradition prägte ein monastisches Prinzip, das später durch Benedikt von Nursia als ora et labora übernommen worden ist. Basilius nahm an den Synoden von Lampsakus (364) und Tyana (366) teil, die wichtig für seine kirchenpolitischen Tätigkeiten waren. Um 373 wurde ihm vorgeworfen, dass er ein Tritheist sei, denn er war wie die meisten Homoösianer der Auffassung, dass „Die Einheit zwischen Vater und Sohn […] nicht in Wesens-Gleichheit-Beziehung [besteht], sondern in Wesens-Ähnlichkeit beziehungsweise –Gleichheit" . Im Herbst 378, spätestens aber Anfang 379 stirbt Basilius. Heute gelten er, sein Bruder Gregor von Nyssa und sein lebenslanger Freund Gregor von Nyzanz als Kirchenväter der kappadokischen Kirche; außerdem zählt er wiederum neben seinem Freund Gregor von Nyzanz und Johannes Chrysostomos als einer der drei heiligen Hierarchen.
Seine "Mönchsregel"
Basilius hat viele verschiedene Werke geschrieben, die heute noch in der orthodoxen Kirche hohen Anklang finden und auf Grund derer auch eine „Basileios-Liturgie“ entstanden ist. Besonders interessant sind die 313 Regulae brevis tractatae, zu deutsch: die 313 kurzgefassten Vorschriften. Sie sind „eine Neubearbeitung und erhebliche Ausweitung des ,kleinen Asketikons`“, das dazu dienen sollte, Fragen des Mönchlebens und der Askese zu beantworten. Dieses „Kleine Asketikon“ existiert allerdings nicht mehr in der Originalfassung. Zusätzlich zu diesen 313 Regulae brevis tractate gibt es noch die 55 Regulae fusius, die das „große Asketikon“ umfassen sollen. Sie werden in die Zeit nach 373 datiert, allerdings könnte man auch davon ausgehen, dass Basilius sie zwischen 358 und 361 zusammen mit der Philocalia und der Moralia verfasst hat. Von diesen „Mönchsregeln“, wie man sie nennen mag, sind ca. 155 Handschriften überliefert und es bestehen mehrere alte Übersetzungen in das Arabische, Armenische, Georgianische, Griechische, Lateinische, Altbulgarische und Slavische.
Sein Werk "Ad Adulescentes" und seine Intention
In diesem Zusammenhang wäre auch noch Basilius Werk ad adulescentes interessant, das den jungen Mönchsanwärtern den Umgang mit atheistischen Autoren näherbringen soll, wenn sie noch nicht dazu bereit sind, sich mit der Heiligen Schrift zu befassen. Laut Basilius muss man dazu nämlich eine gewisse geistliche Reife erlangt haben. Seine Werke hat er hauptsächlich dazu verfasst, um die innere Zerrissenheit der Kirche seiner Zeit aufzuzeigen, allerdings sollen die Regeln, die er ja nicht als dogmatische Mönchsregeln begreift, und auch sein Werk ad adulescentes eher als belehrende Schriften wirken. Alle anderen Werke sollen dazu dienen, seinen Standpunkt zur Streitfrage der Trinität darzustellen oder sind Versuche, die orthodoxe Kirche wenigstens ein wenig zu einigen. In einer seiner Schriften zu diesem Thema schreibt er sogar, dass man schweigen soll, wenn keine biblischen Begründungen einer theologischen Aussage vorhanden seien. Dies scheint im ersten Augenblick zu schockieren, doch in einem Streit, der schon Jahre zu gehen scheint, ist es nur natürlich, dass irgendjemand irgendwann einmal ein Machtwort sprechen muss. Interessant ist, dass in allen Werken des Basilius „Die Adressaten […] nicht als ,Mönche`, sondern als ,Christen` angeredet [werden], was die Gemeinsamkeit des Ideals beider Lebensformen deutlich macht“, so auch seine 313 Regulae brevis tractatae, die nicht hochtrabend beschreiben, was Mönche alles zu tun und zu lassen haben, sondern die auch für Laien verständlich macht, wie die Christen leben sollen und auch welche Bedeutung z.B. die Lehrer in der Klosterschule und im monastischen Leben haben.
Quellen:
- Basilius von Cäsarea, De spiritu sanctu, Über den Heiligen Geist, übers. v. Hermann Josef Sieben, in: Norbert Brox/ Wilhelm Geerlings/ Gisbert Greshache/ e. a., Basilius von Cäsarea, Über den Heiligen Geist, Freiburg 1993 (Fontes Christiani 12), S. 11 - 20.
- G. Bardy, Basilius von Caesarea, in: Reallexikon für Antike und Christentum I, A und O, Bauen (1950), Sp.1262.
- J. Pauli, Basilius von Casarea, in: Lexikon der antiken christlichen Literatur (1998), S. 99 - 103.
- Kyriakos Savvidis, Basilius der Große, in: Metzler Lexikon antiker Autoren, S. 137 – 138.
- Repertorium Fontium Historiae Medii Aevi II, A – B, Rom 1967, S. 462.
