Bau des Bayreuther Festspielhauses

Richard Wagner wählte Bayreuth - König Ludwig wollte München

Der Architekt Otto Brückwald ging mit dem Bau dieses Opernhauses in die Baugeschichte ein. Obwohl der einstige Bau meisterhaft war, fügte man Umbauten und Änderungen ein.

Im Bayreuther Festspielhaus werden alljährlich die Festspiele Richard Wagners aufgeführt. Den Ort für sein Opernhaus hat der Komponist freilich selbst ausgesucht.

Warum Wagner als Opernstandort Bayreuth wählte

Wichtig war für ihn, dass der Festspielort in Bayern lag, dem Regierungsland König Ludwigs II, seines späteren Protektors. Dieser hatte Pläne für ein Festtheater in München durch Gottfried Semper anfertigen lassen. Doch Wagner wollte künstlerisch unabhängig vom König sein. Zum anderen gefiel ihm die Eigentümlichkeit und Lage des Orts Bayreuth. Außerdem gab es hier schon ein Opernhaus (Markgräfliches Opernhaus). Dieses erwies sich allerdings für seine Zwecke als ungeeignet. Ein neues Haus nach seinen Vorstellungen mit versenktem Orchester und einem Zuschauerraum im Stil eines Amphitheaters sollte nach verschiedenen Überlegungen auf dem Grünen Hügel gebaut werden. Auf keinen Fall wollte er das Haus in einer Hauptstadt oder einem Badeort sehen. Er befürchtete Zulauf von "ungeeignetem" Publikum.

Bauverlauf

Den ersten Spatenstich zum Baubeginn tätigten Arbeiter am 29. April 1872. Schon bald darauf, am 22. Mai 1872 legte Richard Wagner höchstpersönlich den Grundstein für sein brühmtes Festspielhaus. Anlass genug war dieser Tag, denn der Komponist beging seinen 59. Geburtstag. Wenig später schickte der Architekt Otto Brückwald (1841 - 1917) seinen ersten Plan (Grundriss und Längsschnitt) nach Bayreuth. Carl Runkwitz (1850 - 1941) wird mit 23 Jahren Bauführer des Theaterprojekts. Zur Jahreswende 1873/74 ist die finanzielle Lage nicht gerade rosig. Das Projekt droht zu scheitern. Die Unterstützung durch den König kommt da gerade recht. Am 25. Januar schrieb er in einem Brief: "Nein, nein und wieder nein! so soll es nicht enden! Es muss da geholfen werden!"

Am 13. August 1876 wurden die Festspiele mit der Oper "Rheingold" feierlich eingeführt.

Kosten

1878 stehen die endgültigen Kosten fest. Die gesamten Kosten betrugen, bei einer bebauten Grundfläche von 3319 qm, 428384 Mark und 9 Pfennig. Dies entsprach 129,07 Mark pro Quadratmeter. Durch Konzerteinnahmen konnte Richard Wagner selbst circa 178000 Mark beisteuern. Seine Frau Cosima trug mit ihrer Erbschaft über 132000 Mark einen Teil bei.

An- und Umbauten

Mai 1882. Den sogenannten Königsbau hatte Richard Wagner dem zurückgezogenen König Ludwig II bereits 1876 in einem Brief versprochen. Es handelt sich um einen mittigen Vorbau an der Fassade, durch den der König gesonderten Aufgang zur abgeschlossenen Königsloge hatte. Endlich im Jahr 1882 fügte man den Königsbau an. Zwischen 1883 und 1923 hat man nur wenig Reperaturen und Ergänzungen an Nebengebäuden vorgenommen.

Den ersten größeren Umbau nach Richard Wagners Tod führte Siegfried Wagner 1924/25 durch. An der Hinterbühne musste ein Anbau erfolgen, in dem dreidimensionale Bühnendekoration lagerte.

In den 30er Jahren verlagerte man die Treppenzugänge der Besucher aus dem Zuschauerraum nach außen ins Foyer. Eine Kabine für Rundfunkübertragungen verlegte man in einen Zwischenrang.

Nach dem 2. Weltkrieg

Bekanntermaßen gehörten die Bayreuther Festspiele zu den kulturellen Lieblingsveranstaltungen Adolf Hitlers, der auch ein gern gesehener Gast war. Im Laufe der Jahrzehnte konnten sich die Festspiele dank hochqualitativer Besetzungen und Regietätigkeiten im Nachkriegsdeutschland etablieren. Angeblich hat das Opernhaus die zahlreichen Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs nur überlebt, weil die US-Armee davon ausgegangen war, es sein ein Brauereigebäude. Trotzdem war es bei der Wiedereröffnung 1951 in einem schlechten baulichen Zustand.

Bis heute nimmt die Festspielleitung nach und nach Erhaltungs- und Umbaumaßnahmen vor. Zahlreiche Räume zur Probe und Verwaltungszwecken wurden erneuert, die Fassade restauriert. Auch wurde der Orchestergraben saniert oder die Gestaltung des Vorplatzes erneuert.

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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