
- Spindelhalterung im selber gemacht - S. Arif
Wollverarbeitung und Garn selbst spinnen – ob nun auf Spinnrad oder per Handspindel – ist eine uralte Technik, die in den letzten Jahren als Hobby von vielen neu entdeckt wurde. Wer selbst dem Spinn-Virus verfallen ist, wird über kurz oder lang eine Lazy Kate zum Abrollen von selbstgewickelten Garnknäulen oder vollgesponnenen Handspindeln benötigen. Spätestens beim Verzwirnen der einzelnen Single-Garne ist man dankbar für eine Vorrichtung, wo man die Spindeln oder Garnknäule einfach einhängen und relativ problemlos nutzen kann. Auch Spulen fürs Spinnrad können bei diesem Selbstbau – wenn die verwendeten Nadeln als Achsen denn dünn genug sind – eingehängt werden.
Selbst gemacht: Spindeln & Lazy Kate
Viele wollen oder können nicht so viel Geld für die Ausstattung zur Wollverarbeitung ausgeben. Vielen ist es auch ein wichtiger Teil ihres Spinnvergnügens, die Materialien und Instrumente für diese Arbeit selbst anzufertigen. Problemlos und günstig kann man sich zum Beispiel aus Holz eine Spindel selbst bauen oder Modelliermasse wie Fimo zum Spindelbau zweckentfremden. Die Materialkosten für die Lazy Kate – oder auf deutsch auch „Faulenzer“ genannt – belaufen sich auf ca. 4 Euro und eine knappe Stunde Arbeitseinsatz.
Verwendet wurde hier ein Karton zur Aufbewahrung von Fotos (Maße 15,5 * 21 cm) , natürlich kann man auch einen stabilen und hübschen Geschenkkarton wählen. Als Achsen wurden günstige Metallstricknadeln genutzt. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Nadeln breiter sein müssen als der gewählte Pappkarton. Holzstäbe wie dünne Rundhölzer oder Schaschlik-Spieße gehen natürlich auch als Achsen – achten Sie hierbei darauf, dass sich keine Splitter in das Garn hineinfressen können. Diese Lazy Kate wurde so konzipiert, dass bequem eine Spindel und zwei – von der Spindel vorsichtig auf die Achse hinübergeschobene – Kone Wolle gleichzeitig eingehängt werden können.
Praktisch auch für Unterwegs: die Lazy Kate im Pappkarton
Das Gute an der selbstgebauten Spulenhalterung ist, dass man nach der Benutzung ganz einfach Spindeln und Stricknadeln entnimmt, die Nadeln hineinlegt und die Kiste zuklappt. So kann diese leichte Lazy Kate in der Zwischenzeit auch noch als praktischer Stauraum dienen. Zum Mitnehmen auf Spinntreffen oder in den Urlaub ist eine selber gefertigte Lazy Kate sehr praktisch. Wem diese Halterung für die Spindel zu groß zum Mitnehmen ist, der kann sich für Unterwegs aus einer kleinen Schachtel eine Mini-Lazy-Kate bauen. Hierfür die Bohrungen oder den Schnitt in der Pappe nicht an den Längsseiten der Pappschachtel machen, sondern an den Kopfseiten.
Selbstgebaute Lazy Kate im Schuhkarton?
Natürlich kann man die Halterung auch aus einem Schuhkarton bauen. Dafür sollte man aber einen aus stabiler Pappe auswählen. Stricknadeln als Achsen dürften zu kurz sein, man kann hier aber zum Beispiel Fahrradspeichen zurechtkürzen oder schmale Rundhölzer – ähnlich wie beim Spindelbau – verwenden.
Benötigtes Material zum Bau einer Lazy Kate
- 1 stabiler Karton
- 2 circa 20 cm lange Metallstricknadeln
- Cutter
- Vorbohrer oder elektrisches Multifunktionswerkzeug
- Panzertape
- Bleistift
- Holzbrettchen
- Maßband
Bauanleitung für die Spulenhalterung
- Machen Sie sich Gedanken darüber, welche Spindeln oder Achsen hier ihren Platz finden sollten. Messen Sie ihren Karton aus und rechnen Sie aus, wieviel Platz Spindeln und Achsen benötigen und in welchem Abstand sie platziert werden sollen.
- Mit dem Maßband und dem Bleistift an den beiden gegenüberliegenden Länggsseiten exakt den Platz für die Bohrungen bzw. für die Schnitte markieren.
- Mit dem Cutter vorsichtig die Halterung für die Handspindel ausschneiden. Ist dies geschehen, die Schnitte mit dem Messer säubern und ordentlich mit Panzertape auskleben. So wird die Pappe des Kartons durch die Reibung des hölzernen Schafts später nicht in Mitleidenschaft gezogen.
- Mit einem elektrischen Multitool oder einem simplen Vorbohrer die Löcher für die Stricknadel-Achsen bohren. Achten Sie darauf, die Löcher wirklich exakt gegenüberliegend, auf gleicher Höhe und groß genug für den Durchmesser der Nadeln zu bohren.
- Schon ist die Lazy Kate gebrauchsfertig – Sie können den Karton jetzt noch individuell gestalten, indem Sie ihn zum Beispiel mit schönem Geschenkpapier von Außen bekleben, von Hand bemalen oder bekleben. Wird der Faulenzer nicht benötigt, wandert er einfach als dekoratives Element ins Regal
Die Benutzung der selbst gemachten Lazy Kate
Die vollgesponnenen Spindeln werden zum Verzwirnen einfach eingehängt oder die Achsen mit gesponnener Wolle in die vorgebohrten Löcher gesteckt. Bei den Spindeln darauf achten, dass die Wirtel außerhalb der Box sitzen, so rutschen sie nicht so leicht aus der Führung. Sollten die Spindeln dazu neigen, aus Ihrer Halterung zu hüpfen, kann man - wie auf einem der Bilder zu sehen - einfach einen Faden quer darüber spannen. Ist die Lazy Kate insgesamt vom Gewicht her zu leicht, einfach einige gesäuberte Kieselsteine oder ein schweres Buch unten in den Karton legen. Wer eine stabilere Ausführung möchte und handwerklich geschickt genug ist, kann seine Lazy Kate auch einfach aus einer günstigen Holzkiste bauen.
Wolle selber von Hand färben
Wer spinnt, gelangt ganz natürlich irgendwann an den Punkt, seine Wolle auch selbst färben zu wollen. Neben den aufwändigen und wunderschönen Techniken zur Färbung von Wolle mit Naturfarben, recht kostspieligen chemischen Farben, zum Beispiel von Ashford oder Luvotex, kann man auch ganz simpel seine Wolle mit Ostereierfarben färben oder auch das amerikanische Getränkepulver Kool-Aid zum Wollefärben zweckentfremden. Mit Kool-Aid lässt sich Wolle in unterschiedlichsten Farben färben.
