Bauarbeiten auf der Siegtal-Brücke

Handwerkskönnen hundert Meter über dem Tal

100 Meter über dem Tal bessern Bauarbeiter die Fahrbahn aus. Schatten gibt es nirgendwo. Dafür Flammen, Staub und Lärm.

Staubkörner setzen sich zwischen den Zähnen ab, klitzekleine Betonkügelchen fliegen durch die Luft, ein Nebel aus Sand liegt über der Autobahn. Verantwortlich ist Burkhard Nagel. Der hat den ungemütlichsten Job auf der Brücke: Er macht sauber. Nicht mit Besen und Kehrblech, sondern auf ziemlich rustikale Art und Weise: mit Pressluft und Sand. Ist der Kompressor angeschaltet, spuckt die Düse so viel harte Luft aus, dass alle anderen Abstand halten. Auch für Nagel ist es nicht ungefährlich. Deswegen hat er eine Schutzhaube auf. Die sieht beinahe so aus wie eine Taucherglocke; ganz so schwer ist sie allerdings nicht. Aber dafür staut sich die Hitze im Inneren.

Saubermann mit Sandstrahler

„Nach spätestens einer halben Stunde Sandstrahlen ist erst einmal Schluß“, sagt Nagel. Haube absetzen, hinsetzen, Wasser trinken, heißt es dann. Ein paar Meter hat Nagel nun vorbereitet für die nächsten Arbeitsgänge. Auf der Siegtalbrücke arbeiten alle hintereinander, manche alleine, manche in Zweier- oder Dreier-Teams. Die Randbefestigung der Fahrbahn muß erneuert werden, Schritt für Schritt. Wenn Burkhard Nagel mit dem Sandstrahler den Untergrund gesäubert und vorbereitet hat, sind seine Kollegen dran. Knapp tausend Meter lang ist der Abschnitt auf der Autobahnbrücke, der erneuert wird, einige hundert Meter haben die Bauarbeitern bereits geschafft. Eine der Aufgaben: Bitumenbahnen verlegen.

Das Feuer vor sich herschieben

Das Problem sind die Kanten. Die müssen verklebt werden - mit flüssigem Teer. Hadi Afshar ist dafür zuständig, benutzt eine Art kleinen Flammenwerfer. Der 27jährige dreht den Hahn einer Gasflasche auf, schnippst mit seinem Feuerzeug an den Austrittsöffnungen des Flammenwerfers - und schon züngelt es aus den Mündungen. Die Hitze kommt nun von oben und von unten - Hadi schützt sich mit einer dunklem Brille, schiebt die Flammen vor sich her, unter derem flackerndem Gelb der Teer fleckig schmilzt und sich an den Kanten der Bitumenbahnen verteilt. Meter für Meter geht Hadi voran, an einigen Stellen am Rand der Autobahn dicht gefolgt vom Kollegen Wolfgang Fischer, der mit einem Schaber noch letzte Korrekturen am Bitumen anbringt.

Hitze macht langsam

Nur langsam geht es voran - bei allen 20 Bauarbeitern auf der Siegtalbrücke. Noch nicht einmal ein winziges Lüftchen weht zur Abkühlung - und der angekündigte Regen ist wieder mal ausgefallen. Die Männer tragen es gelassen: Die Autos, die zwei Meter an ihrnen vorbeirauschen, nehmen sie schon gar nicht mehr wahr. LKW drücken sich über die Brücke, ein Wagen nach dem anderen. Die wenigsten dürften sich an die vorgeschriebenen Tempo 60 halten. Wenn da einer die Absperrung durchbricht... Für „Flammenwerfer“ Hadi ist dies kein Thema - und auch seine Kollegen sind viel zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt: Speis anrühren und an Mauerkanten auftragen, Flechtmetallplatten aufbringen und verschrauben. Im Oktober muß alles fertig sein. Bis dahin wird es wohl mal geregnet haben auf der Siegtal-Brücke. Und wenn nicht, machen Burkhard, Hadi und ihre Kollegen trotzdem weiter - auch wenn es keinen Schatten gibt.

Klaus Martin Höfer, Robert Frie

Klaus Martin Höfer - Freier Rundfunk-, Print- und Online-Journalist. Ich beschäftige mich mit Hochschul-, Bildungs-, Wissenschafts- und ...

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