Bauchreden lernen: richtig atmen, sprechen ohne Lippenbewegung

Bauchatmung kontrollieren - Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
Bauchatmung kontrollieren - Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
Zum Lernen des Bauchredens gehört Geduld ebenso wie das Wissen über Stimmbildung, Atmung und wie die Illusion erzeugt wird, die Puppe spräche selbst.

Wer einem Bauchredner mit seiner Puppe zuschaut, ist schnell fasziniert. Und ebenso schnell wird der Wunsch wach, das nachzuahmen. Doch leichter gesagt als getan. Es erfordert vor allem die Geduld, die Stimme so lange und gut zu schulen, dass für den Zuschauer die Illusion entsteht, die Puppe spräche selbst. Sie muss zum Partner werden, der durch Mimik und Gestik überzeugt. Ebenso ist es wichtig, witzige Dialoge zu schreiben und einzustudieren. Also, ohne ein bisschen Training, das aber auch Spaß bereitet, geht es nicht. Um nicht den Mut zu verlieren, sollte man sich ganz dem Motto von Sascha Grammel anschließen und sagen: Hetz mich nicht. Nehmen Sie sich jeden Tag ein bisschen Zeit für Atem- und Stimmtraining. So kommen Sie langsam Ihrem Ziel näher.

Atem- und Stimmübungen für das Bauchreden

Sänger und Schauspieler sind klar im Vorteil. Sie wissen bereits, wie sie atmen müssen, wie sie mit der Luft haushalten und wo auf welche Weise die Laute gebildet werden, die als Worte über die Lippen kommen. Und Lippen ist ein heikles Wort, denn diese dürfen nicht bewegt werden, jedenfalls nicht, wenn die Puppe spricht. Das wird der erste schwierige Punkt beim Einstudieren. Doch Grundvoraussetzung ist das richtige Atmen, tief in den Bauch hinein. Zur Kontrolle wird die Hand auf den Bauch gelegt, um zu spüren, wie sich dieser dehnt. Die Luft muss für die Worte der Puppe und für die des Bauchredners ausreichen. Und nur wenn dieser spricht, darf das Publikum das Atmen bemerken. Es ist deshalb ratsam, jede Übung vor dem Spiegel zu kontrollieren.

Die Stimme verstellen

Die zweite Hürde liegt in der Veränderung der Stimmlage. Soll die Puppe eine höhere oder tiefere Stimme bekommen, eher wie Ernie oder wie Bert aus der Sesamstraße. Doch wählen Sie bitte keine Figur, die eine bekannte Synchronstimme hat. Diese nachzuahmen, wird nicht gelingen, und damit wäre das Unternehmen von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Finden Sie Ihre ganz persönliche Puppe. Überlegen Sie sich, welche Stimmlage Ihnen am meisten behagt und wählen Sie danach Ihren Partner und dessen Charakter aus. Im Dialog mit ihm ist es dann wichtig, immer im Kopf zu haben, ob man selbst spricht oder die Puppe.

Die heiklen Laute, die mit den Lippen gebildet werden

Sie sind schnell aufgezählt. B, F, M, P, V, W. Viel länger dagegen dauert es, sie so zu modifizieren, dass keine Mundbewegung mehr sichtbar ist. Ein B wird wie ein stimmloses D gesprochen. Das klappt sicher nicht auf Anhieb. Für die anderen Buchstaben gibt es ebenfalls Tricks. Um nicht vorschnell aufzugeben, sollte man als Entlastung einen Text ohne Lippenlaute mit verteilten Rollen sprechend: A: Es jagte der Hund ein Känguru. B: Die Zuschauer schauten staunend zu. A: Das Känguru konnte sich schnell retten. B: Egal – der Hund lag eh’ an Ketten. [1]

Die Wahl der Figur

Die Figur sollte eine Puppe sein, die einen großen Mund hat, der bewegt werden kann. Für den Anfang reicht eine Handpuppe aus dem Spielwarengeschäft. Sie muss eine ausdrucksvolle Mimik haben, den Mund verziehen, weit aufreißen können. Perfekt ist es, wenn sie auch große, im Idealfall bewegliche Augen hat, um mit dem Redner Blickkontakt herzustellen und auch die Zuschauer mit großen Kulleraugen anzuschauen. Denn die Aufmerksamkeit des Publikums soll ja auf die Puppe gelenkt werden. Das Führen dieser Figur will auch geübt sein. Wieder ist die Überprüfung vor dem Spiegel notwendig, um zu sehen, ob das Zusammenspiel mit dem Partner echt wirkt.

Die Dialoge schreiben

Natürlich ist es nicht möglich, einfach drauflos zu reden. Ein kleines Drehbuch muss her, und das muss der Bauchredner selbst schreiben. Dabei ist darauf zu achten, dass für den Part der Puppe die kritischen Laute so selten wie möglich vorkommen. Ein zügiger verbaler Schlagabtausch ist wichtig, denn Sie wollen ja Ihr Publikum zum Lachen bringen. Es gehört also auch eine Portion Selbstironie dazu, und das Thema sollte von allgemeinem Interesse sein.

Ein Beispiel für einen gespielten Dialog

Der Redner hat der Puppe einen Pudding geschenkt. Die Puppe beäugt kritisch den Becheraufdruck. „Warum isst du deinen Pudding nicht? Magst du ihn nicht?“ Ungeschickt wäre die Antwort: „Nein, schmeckt mir nicht.“ oder „Mag ich nicht.“ Witziger ist: „Ist Sahne drin - hat Kalorien.“ „Oh, du bist auf Diät, seit wann das denn?“ „Seit du so zugelegt hast.“ Der Bauchredner mit gespielter Empörung: „Was, du findest, ich habe zugenommen?“ Die Puppe taxiert ihr Gegenüber kritisch von oben bis unten. Die Zuschauer sind von der Mimik und Gestik der Puppe gefesselt, bis der Redner sie antworten lässt: „Und wiiiiie! - Ich sage nur XXL.“, wobei XXL stakkatohaft und akzentuiert hervorgebracht wird. Jetzt besteht die Chance für den Redner, vor Entrüstung tief Luft zu holen: „Also, bitte, ich trage doch keine Übergröße.“ Nun muss die Puppe blitzschnell beim Redner hinten in den Pullover schauen, dann mit Blick in dessen Gesicht rufen: „Lügner!“

Der Weg bis zum ersten Auftritt ist lang und man sollte sich absolut sicher fühlen. Machen Sie ein Ritual daraus, abends auf dem Sofa mit Ihrer Puppe zu reden, das übt. Sie erzählen ihr von den Geschehnissen Ihres Tages. Lassen Sie die Puppe ruhig die Rolle des Advocatus diaboli übernehmen. Vielleicht gelingt es Ihnen sogar, damit Distanz zu den Dingen zu bekommen, die im Alltag nicht so glanzvoll gelaufen sind. Das ist manchmal mehr wert als der große Auftritt vor Publikum.

Falls sich jetzt jemand fragt, ob denn nur Männer Bauchredner seien. Nein, es gibt durchaus auch Frauen. Historisch betrachtet gilt als Begründerin der Kunst des Bauchredens die Priesterin Pythia, das Orakel von Delphi.

[1] Elke Bockamp, Rudolf P. Urbanski: Bauchreden – spielend lernen, Aragon-Verlag, Moers 2008

Bildnachweis: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

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Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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