Baufirmen: Kampf ums Kapital

Baubranche leidet unter zu wenig Eigenkapital

Steuern, Management- und Strukturfehler verhindern vor allem bei kleinen Unternehmen eine stabile Eigenkapitaldecke.

Sie ist schon beinahe traditionell – die Insolvenzanfälligkeit der Baubranche. Insgesamt wurden 2006, Zahlen von 2007 liegen noch nicht vor, innerhalb der Sparte 1.060 Verfahren und Passiva von 432,5 Millionen Euro gezählt. Meist hat es kleine Unternehmen erwischt – mit kaum oder gar keinem Eigenkapital. Immerhin ein Viertel der Betriebe verfügt über gar kein Eigenkapital oder ist bereits verschuldet.

Dünne Eigenkapitaldecke

Walter Bornett von der KMU Forschung Austria beziffert die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Branche mit 15 Prozent. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wären allerdings mindestens 20 Prozent notwendig. Bei den erfolgreichen Betrieben liegt das Eigenkapital bei durchschnittlich 24 Prozent – das gilt aber nur für sieben Prozent der Branche. Weniger erfolgreiche Unternehmen weisen hingegen nur sieben Prozent Eigenkapitalquote auf. Im Baugewerbe beträgt das durchschnittliche Eigenkapital 12,7 Prozent, in der Bauindustrie 16 Prozent.

Finanzpolitik und Managementfehler als Hauptgründe

Die Wurzeln für die fatale Situation in Österreich liegen laut Bornett in der Finanzpolitik: Seit dem Zweiten Weltkrieg hätten Steuern die Gewinnbildung der Baubranche erschwert. Mit der Regelung, nicht entnommene Gewinne nicht mehr versteuern zu müssen, sei nun ein erster Schritt in die richtige Richtung gesetzt worden.

Aber auch Managementfehler sind ein Grund für leere Kassen: Das gilt vor allem für Jungunternehmer, die häufig mehr Geld aus dem Unternehmen entnehmen als für dieses gut ist.

Wege aus dem Schlamassel zu finden, ist schwer: Anders als die Hightech-Branche kann die Baubranche Venture Capital oder Risikokapital kaum in Anspruch nehmen; nur wenig besser ist die Situation beim Mezzanin-Kapital. Dabei steigt ein Financier für zehn bis 15 Jahre als Eigenkapitalgeber ein – allerdings auch erst ab einem Jahresumsatz von fünf Millionen Euro. Damit ist diese Variante für 98 Prozent der Betriebe irrelevant.

Preisdrücker und Scheinfirmen

Vielfach gilt aber nicht direkt die dünne Eigenkapitaldecke der Baubranche als Hauptursache für Insolvenzen. Insolvenzexperten nennen immer wieder die Tatsache, dass die Unternehmen zu wenig verdienen als einen der wichtigsten Gründe dafür. Neben Steuern machen sie auch die Vergabepolitik der Öffentlichen Hand dafür verantwortlich, durch die die Preise zu stark gedrückt würden. Meist kämen nicht die Best-, sondern die Billigstbieter zum Zug – womit Preisdumping Tür und Tor geöffnet werde.

Ein weiteres Problem dabei ist, dass sich die Bauindustrie mit Industriekalkulationen durchgesetzt habe. Müssen Subunternehmer zu gleichen Preisen arbeiten, ist das in der Regel bei weitem nicht kostendeckend. „Die Kleinunternehmen müssen selbstbewusster werden und die Preise anheben. Es wird zu Preisen wie im Jahr 2000 gebaut“, sagt Bornett.

Weiters belasten auch Scheinfirmen die Insolvenzstatistik. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Insolvenzen des Jahres 2006 absichtlich herbeigeführt wurde.

Ursula Rischanek, Ursula Rischanek

Ursula Rischanek - Schreiben ist eine Sucht - zumindest für mich. Zwei Mal habe ich dem Journalismus abgeschworen - und bin vom Schreib-Fieber immer wieder ...

rss