Charlottenburg - die Baugeschichte des Schlosses

Drei preußische Könige bauten an der barocken Pracht bei Berlin

Das Alte Schloss in Charlottenburg - Harald Rossa
Das Alte Schloss in Charlottenburg - Harald Rossa
Schloss Charlottenburg hat eine lange Baugeschichte. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg musste es ein zweites Mal erbaut werden. Nun ist es ein Besuchermagnet.

Das Schloss Charlottenburg entstand in seiner heutigen Form in drei Bauabschnitten bis 1826. Seitdem gab es nur noch im Innenbereich wesentliche Veränderungen. Heute betreut die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Schloss und Park.

Das Museumsschloss zieht viele Besucher an, die sich vielfach für die Museen im und um das Schloss herum interessieren.

Die Anfänge durch Nering und Eosander für Kurfürst Friedrich III.

Das bei dem heutigen Schloss gelegene Dorf trug den Namen Lietzow. Dieser Name lebt heute noch im nahen Lietzensee weiter. So wurde das zwischen 1695 und 1699 unter dem Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg für seine Gattin Sophie Charlotte gebaute Sommerhaus nach diesem Dorf als Lietzenburg bezeichnet.

Johann Arnold Nering war der Baumeister des ersten Bauabschnitts, des barocken Mittelteils des Schlosses. Die Hofmaler Augustin und Matthäus Terwesten sorgten für mythologische Deckengemälde.

Nach seiner 1701 erfolgten Krönung zum König Friedrich I. in Preußen 1701 wurde das Sommerhaus vom Baumeister Eosander von Göthe mit den beiden Kavaliersflügeln zu einer Schlossanlage erweitert. Dabei wurde auch die prächtige Fassade zum Garten geschaffen.

1705 starb Königin Sophie Charlotte. Danach gab der König dem Schloss und der angrenzende Siedlung ihr zu Ehren den Namen Charlottenburg, verlieh ihr gleichzeitig die Stadtrechte und machte den Kronprinzen Friedrich Wilhelm zum Bürgermeister.

Von 1709 bis 1712 wurde das Schloss nochmals ausgebaut. Es entstanden der Ehrenhof mit der markanten Schlosskuppel und die westlich an das Schloss anschließende Orangerie.

Die Erweiterung durch Knobelsdorff für König Friedrich II.

Noch 1740 wurde Wenzeslaus von Knobelsdorff vom König Friedrich II. direkt nach dessen Regierungsantritt mit der Erweiterung von Schloss Charlottenburg beauftragt. Sein Vater Friedrich Wilhelm I. hatten den Bau des geplanten zweiten Orangerieflügels östlich des Schlosses nicht ausführen lassen. Hier wurde nun der „Neue Flügel“ für Friedrich II. errichtet, der seit dem Wiederaufbau des Schlosses nach dem Zweiten Weltkrieg meist Knobelsdorff-Flügel genannt wird. Doch Friedrichs Interesse an Charlottenburg erlosch schon bald. Noch während der Bauarbeiten in Charlottenburg begann auch der Bau von Schloss Sanssouci bei Potsdam.

Die Bauten von Langhans für König Friedrich Wilhelm III.

Die heutige Form erhielt Schloss Charlottenburg unter dem König Friedrich Wilhelm II. Der ließ das westlich an den Orangerieflügel anschließende Schlosstheater und die „Kleine Orangerie“ an 1787 vom Baumeister Carl Gotthard Langhans errichten. Das Schlosstheater spielte für das deutsche Theaterwesens eine wichtige Rolle. Denn hier ließ Friedrich Wilhelm II. die lange vernachlässigten deutschen Autoren zu Wort kommen. Und das Theater war seit 1795 der Öffentlichkeit zugänglich. Im Neuen Flügel ließ sich Friedrich Wilhelm II. zwei Wohnungen mit einer frühen klassizistischen Ausstattung einrichten. 1788 entstand im Nordwesten des Gartens das Teehaus Belvedere.

1810 ließ König Friedrich Wilhelm III. für seine verstorbene Gattin Luise im Schlossgarten ein Mausoleum erbauen, das nach Umbauten und Erweiterungen als Hohenzollerngruft bezeichnet wird. Von Christian Daniel Rauch stammt die Statue der Luise im Gedenkraum des Mausoleums.

1824/1825 wurde nach dem Vorbild der neapolitanischen Villa Chiatamone der Neue Pavillon, inzwischen nach seinem Erbauer Karl Friedrich Schinkel auch Schinkelpavillon genannt, errichtet. Auftraggeber war ebenfalls Friedrich Wilhelm III. der diesen Pavillon an der Spree für seine zweite Gattin, die Fürstin Liegnitz, erbauen ließ.

Schloss Charlottenburg nach 1840

In der Folgezeit bis zur Abdankung von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1918 gab es nur Veränderungen der Inneneinrichtungen von Räumen oder Wohnungen.

1927 begann die damalige Verwaltung der preußischen Schlösser mit der Umgestaltung zum Museumsschloss. Auf der Grundlage überlieferter Inventare wurden weitgehend die originalen Einrichtungen wieder hergestellt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss Charlottenburg zu großen Teilen zerstört. Das Inventar konnte aber rechtzeitig ausgelagert werden. Ab 1949 wurde es unter Leitung der damaligen Direktorin der West-Berliner Schlösserverwaltung Margarete Kühn wieder, soweit es die vorhandenen Unterlagen gestatteten, nach dem historischen Vorbild wieder aufgebaut.

Seit 2007 stehen wieder 20 Skulpturen auf den Balustraden des Schlossdaches.

1952 wurde in Ehrenhof des Schlosses das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, das von Andreas Schlüter stammt, aufgestellt.

Die Entwicklung des Schlossgartens

Der Schlossgarten Charlottenburg, der meist als Schlosspark bezeichnet wird, entstand ab 1697. Siméon Godeau legte ihn als französischen Barockgarten an. 1788 begann die Verwandlung in einen englischen Landschaftsgarten nach Vorstellungen von Johann August Eyserbeck, Johann Georg Steiner und Peter Joseph Lenné. Auch der Schlossgarten Charlottenburg hatte unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu leiden. Das bot die Chance für eine teilweise Wiederherstellung in Anlehnung an den barocken Zustand. Das so angelegte Parterre zwischen Schloss und Karpfenteich bietet eine der selten gewordenen Gelegenheiten, einen barocken Garten zu sehen.