Ferdinand von Quast war Architekt und Kunsthistoriker. 1843 ernannte König Friedrich Wilhelm IV. ihn zum ersten „Konservator der Denkmäler“ in Preußen.

Das Leben des Ferdinand von Quast

Alexander Ferdinand Wilhelm Robert von Quast war der Sohn des Gutsbesitzers Wilhelm von Quast und dessen Frau Charlotte Friederike Philippin Louise von Rohr. Er kam am 23. Juni 1807 auf dem Gut Radensleben bei Neuruppin zur Welt. Er erhielt Unterricht durch Hauslehrer, besuchte die Plamannsche Erziehungsanstalt und das Gymnasium in Neuruppin.

Ab 1825 besuchte er die Allgemeine Bauschule, aus der die Berliner Bauakademie hervorging, und studierte Architektur und Feldmeßtechnik. Auch der Baumeisters Karl Friedrich Schinkel, der sich seit 1815 um die Denkmalpflege in Preußen bemühte, gehörte zu seinen Lehrern. 1836 legte Ferdinand von Quast sein Examen als Baumeister ab.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1830 das Gut Radensleben. 1833 baute er das Herrenhaus samt Nebengebäuden aus. Während seines Studiums bereiste er Deutschland, Italien, Frankreich und in die Niederlande. 1838/1839 war er fast ein ganzes Jahr in Italien und studierte die antiken Stätten. Danach veröffentlichte er mehrere Bücher und hielt in Berlin Vorlesungen zur Geschichte der Baukunst.

Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ließ 1840 durch Kultusminister Eichhorn Vorschläge für die Organisation der Denkmalpflege in Preußen erarbeiten. Am 22. Juli 1843 ernannte Friedrich Wilhelm IV. dann Ferdinand von Quast zum „Konservator der Denkmäler“ in Preußen. Doch die nötigen Mittel gab der König nicht. Doch der überzeugte Denkmalschützer konnte von seinem Gut in Radensleben leben und nahm seine Aufgabe als Konservator bis zu seinem Tode wahr. Er starb am 11. März 1877 in Radensleben.

Arbeiten des Ferdinand von Quast als Denkmalschützer

Ferdinand von Quast propagierte die weitgehende Bewahrung der originalen Bausubstanz, Zurückhaltung bei der Rekonstruktion historischer Bauten und eine deutlich sichtbare Unterscheidung von alten und neuen Bauteilen.

  • Um 1850 leitete er die Restaurierung der Doppelkapelle der Neuenburg bei Freyburg
  • Von 1842 bis 1845 leitete er die Restaurierung der Franziskaner Klosterkirche in Berlin
  • 1845 regte er die Rekonstruktion der Basilika St. Gangolf im Ortsteil Münchenlohra der Gemeinde Großlohra an
  • Ab 1846 verfasste er Entwürfe zur Restaurierung der Wartburg bei Eisenach
  • Von 1853 bis 1856 restaurierte er die Klosterkirche in Jerichow an der Elbe
  • 1854 ließ er den Campo Santo in Radensleben anlegen
  • 1857 fertigte er Pläne zum Wiederaufbau der Klosterkirche in Bad Klosterlausnitz
  • ab 1857 leitete er die Restaurierung der Burganlage in Heilsberg (Lidzbark Warminski) in Ostpreußen
  • 1859 entstand ein Entwurf zur Restaurierung der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode
  • 1870 entstand ein Entwurf zur Restaurierung des Doms in Havelberg
  • Denkmalpflege an der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Dorfkirche von Radensleben
  • Denkmalpflege am mittelalterlichen Wohnturm am Stammsitz derer von Quast in Garz, heute ein Ortsteil der Gemeinde Temnitztal im Kreis Ostprignitz-Ruppin
  • Beteiligung an der Restaurierung der Basilika und der Liebfrauenkirche in Trier
  • Beteiligung an der Restaurierung der Pfalzkapelle in Aachen
  • Beteiligung an der Restaurierung des Domes in Frankfurt am Main
Der Nachlass des Ferdinand von Quast, der sich im Archiv der TU Berlin und im Herrenhaus in Radensleben befand, wurde 1945 überwiegend vernichtet.

Werke des Ferdinand von Quast

  • In Bezug auf die Erhaltung der Altertümer in den Königlichen Landen. 1836
  • Die altchristlichen Bauwerke von Ravenna vom fünften bis zum neunten Jahrhundert. 1842

Der Berliner Denkmalpflegepreis

Seit 1987 verleiht der Senat von Berlin auf Vorschlag des Landesdenkmalamtes Berlin jährlich die Ferdinand-von-Quast-Medaille an Menschen oder Institutionen, die sich in besonderer Weise um Berliner Denkmale oder die Denkmalpflege verdient gemacht haben.

Literatur zu Ferdinand von Quast

  • Detlef Karg (Hrsg.): Ferdinand von Quast (1807–1877): Erster preußischer Konservator der Kunstdenkmäler. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte Berlin 2007, ISBN 978-3-86732-023-8
  • Felicitas Buch: Studien zur preußischen Denkmalpflege am Beispiel konservatorischer Arbeiten Ferdinand von Quasts. Wernersche Verlagsanstalt Worms 1990, ISBN 3-88462-929-8