Bautzen: Stadtrat für Lauencenter - Bürger fordern LauenPark

Historische Kneipe - Opfer für Lauencenter     - peter bachstein
Historische Kneipe - Opfer für Lauencenter - peter bachstein
Bautzens Stadtrat stimmt dem Bau eines zweites Einkaufszentrums zu. Die Bürgerinitiative LauenPark legt ein Alternativkonzpet auf den Tisch

Seit etwa einem Jahr rumort es in Bautzen. Zunächst überraschten die Stadtväter und -mütter ihre Bürger mit den Plänen für ein zweites Einkaufscenter in der Altstadt genau gegenüber dem bereits vorhandenen Kornmarktcenter. Mit einer gewissen Zeitverzögerung organsisierten Bürger der kleinen alten Stadt an der Spree dann den Widerstand. Schließlich gründeten sie die Bürgerinitiative LauenPark, die dann ein Alternativkonzept für das zu bebauende Areal vorlegte und Protestaktionen organisierte.

Große Kreisstadt Bautzen

Bautzen ist eine tausendjährige Kleinstadt in der sächsischen Oberlausitz mit einem interessanten, teilweise noch mittelalterlichen Kern. Die sogenannte Große Kreisstadt hatte zur Wende etwa 50.000 Einwohner, von denen allerdings nur noch gut 40.000 übrig geblieben sind. Prognostiziert wird ein weiterer Rückgang der Stadtbevölkerung. Die gesamte Oberlausitz, als deren Zentrum sich Bautzen gerne präsentieren möchte, ist mit 640.000 Einwohnern auch nicht gerade dicht besiedelt und muss ebenfalls mit weiteren Bevölkerungsverlusten rechnen.

Diese zur Zeit noch 640.000 Oberlausitzer haben die Bautzener Stadtoberen im Focus, wenn sie den Bau eines zweiten Einkaufstempels im Randbereich der Altstadt propagieren. Sie hoffen damit die Käuferströme aus der Oberlausitz allein nach Bautzen locken zu können. Für dieses 10.000 bis 12.000 Quadratmeter große Lauencenter, wie der neue Tempel heißen soll, sind sie sogar bereit, denkmalgeschützte Altbausubstanz der Abrissbirne auszuliefern - und das in einer Stadt, die unter anderem vom Geschichtstourismus lebt. Auch den möglichen Krach mit größeren Teilen der Bautzener Bevölkerung scheinen sie notfalls riskieren zu wollen.

Kampf um die Kunden hat begonnen

Bautzen ist jedoch nicht allein auf weiter Flur, denn auch die Städte Görlitz und Zittau möchten diese Käuferströme gern anzapfen und planen daher ebenfalls den Bau neuer Einkaufszentren. Außerdem ist die sächsische Landeshauptstadt Dresden mit ihrer geballten Attraktivität nicht unerreichbar weit entfernt. Zumindest die Oblerlausitzer aus Dresdens Speckgürtel werden wohl weiterhin eher dem Ruf der Elbmetropole Folge leisten und die dortigen Einkaufstempel bevölkern, von denen allerdings einige ums Überleben kämpfen. Letzteres dürfte ein durchaus interessanter Aspekt für den Bau weiterer Shoppingcenter sein.

Wenn also neben dem Einkaufsgiganten Dresden und dem in Bautzen bereits vorhandenen Kornmarktcenter in dieser Region und in Bautzen noch weitere Einkaufstempel entstehen, dürfte ein heftiges Hauen und Stechen um die nicht gerade üppige Oberlausitzer Kundschaft ausbrechen. Entsprechende Anzeichen gibt es bereits. Beispielsweise scheint die ECE Projektmanagement GmbH als Betreiberin des Kornmarktcenters schon mal vorsorglich in den Ring steigen zu wollen. ECE-Geschäftsführer Henrie Kötter befürchtet laut Radio Lausitz einem "Verdrängungswettbewerb" durch ein zweites "überdimensioniertes" Center. Er glaubt nicht daran, dass nach Dresden abgewanderte Kaufkraft allein durch 12.000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche nach Bautzen zurück geholt werden könne. Seine Firma werde die Entwicklung sehr genau beobachten und dieser keineswegs "tatenlos zusehen". Ob zu den möglichen Taten auch der Klageweg gehören könnte, ließ Kötter allerdings offen.

Die Befürworter des Lauencenters scheinen ökonomisches Hauen und Stechen allerdings ganz gut zu finden, weil Konkurrenz ja angeblich das Geschäft belebt. Dabei wird das Verdrängen bisheriger Geschäfte durchaus gesehen und auch akzeptiert mit dem merkwürdigen Argument, "dass dadurch in der Summe das Stadtbild nicht kaputt" geht. .Allerdings werben sie nicht nur mit diesem alten Hut um die Zustimmung der Bevölkerung. Auf ihrer Homepage argumentieren sie auch mit echt städtebaulichen Aspekten. So soll mit dem neuen Einkaufstempel endlich der herunter gekommene "Schamdfleck" schräg gegenüber dem Kornmarktcenter beseitigt werden. Darüber hinaus soll der Bevölkerung das Vorhaben noch schmackhaft gemacht werden mit dem Hinweis auf dessen rein private Finanzierung durch den Investor Sassenscheid und Säurich, der übrigens genau wie die Betreibergesellschaft des Kornmarktcenters aus Hamburg kommt. Fördermittel sollen angeblich nicht kassiert werden.

Übrigens wird die erwähnte Homepage der Pro Lauencenter Aktivisten von der Jungen Union betrieben. Jedoch sind die Christdemokraten nicht die einzigen Befürworter des Lauencenters. Selbst Grüne und Linke sind für dessen Bau und finden sich damit sogar in einer Front mit der NPD - wie angenehm.

LauenPark statt Lauencenter

Die Tatsache, dass das Areal am Lauengraben seit Jahrzehnten vor sich hin gammelt, wird von der Bürgerinitiative LauenPark eben so wenig bestritten wie die Notwendigkeit einer sinnvollen Nutzung des Gebietes. Doch unter sinnvoll versteht sie etwas ganz anderes als die fast geschlossene Befürworterfront der Bautzener Rathausparteien. Statt des Lauencenters im öden Stil der allseits bekannten Einkaufstempel will die Initiative ein generationsübergreifendes Wohnprojekt in einer parkähnlichen Anlage mit viel Grün. Selbstverständlich soll auch eine attraktive Ladenpassage dazu gehören. Allerdings nicht in den gigantomanischen Ausmaßen des Lauencenters, sondern orientiert am tatsächlichen Bedarf der ansässigen Bevölkerung. Nach diesem Konzept werden die historischen Gebäude nicht abgerissen, sondern fester und auch genutzter Bestandteil des LauenParks. Insgesamt fordert die Bürgerinitiative die Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs für das Areal am Lauengraben.

Natürlich wissen die Mitglieder der Bürgerinitiative sehr gut, dass sich Alternativen nicht allein mit den besseren Argumenten durchsetzen lassen. Das Bollwerk aus Rathhausparteien und millionenschwerem Investor lässt sich nicht nur mit Hilfe netter Diskussionsrunden überwinden. Daher will die Initiative die Bautzener Öffentlichkeit für den LauenPark mobilisieren. Das ist jedoch nicht ganz einfach, denn in einer Stadt wie Bautzen, deren Bevölkerung ständig schrumpft, herrscht nicht gerade kämpferische Aufbruchstimmung. So war auch die erste Umzingelung des Areals am Tag des offenen Denkmals (11.9.) noch nicht ganz perfekt, weil einige "Menschen in der Kette" fehlten. Doch die Initiative will unter anderem auf diese Weise weiter gegen das Lauencenter protestieren und für den LauenPark mobilisieren. Sie setzt dabei auf den schon oft erfolgreichen langen Atem und ruft die Bürger Bautzens an jedem ersten Sonntag des Monats um fünf vor zwölf zur Teilnahme an der Menschenkette auf, mit deren Hilfe das Areal am Lauengraben sowohl umzingelt wie auch für bürgernahe Nutzung reklamiert werden soll.

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peter bachstein - Wandern, musizieren und schreiben prägten das Leben des Autors seit den Tagen seiner Kindheit. Diese sind allerdings schon eine ganze ...

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