
- Flammkuchen aus dem Backofen - adlugokinski
Obwohl Bayreuth als Universitätsstadt und Regierungssitz von Oberfranken mehr darstellt als ein regionaler Mittelpunkt, startet die international angehauchte Zeit erst mit dem Probenbeginn Mitte Juni und endet genau am 29. August, einen Tag nach Ende der Festspiele.
Sobald das Geld im Sack klimpert, rollt es davon
Schon zu Beginn der Probenzeit freuen sich die Geschäftsleute, denn die neuen Mitbewohner kurbeln deutlich den Umsatz an. Erst geht es auf Einkaufstour, denn die Bayreuther Geschäfte überschlagen sich in dieser Zeit mit Angeboten allerlei Art. Nun ja, diese Freude bekam vor Kurzem einen Dämpfer. Neuerdings sitzt das Geld in den ersten Tagen nicht mehr so locker. Das hängt jedoch nicht, wie vielleicht Branchenkenner vermuten werden, mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, der Konsumsättigung oder dem sich ausbreitendem Pessimismus zusammen. Nein, diese elende Modernisierungswut hat auch vor den wertkonservativen Künstlern nicht Halt gemacht. Seit Festspielgedenken bekam jeder Mitwirkende sein Honorar bar auf die Hand (neudeutsch: cash auf die Kralle) – die erste Rate gleich am ersten Arbeitstag. Bis vor zwei Jahren wurde das Geld jedem Mitwirkenden persönlich ausgezahlt, während es jetzt automatisch und anonym aufs Konto überwiesen wird - die reinste Ausgabebremse.
Gartenwirtschaft auf der Theta – hier trifft man sich nach der Probe
Nach den Pausen in der Kantine folgt am Abend ein Gang ins Wirtshaus, Restaurant, Kneipe – jede „Gruppe“ (Chor, Regie, Bratschen, Maske, Technik…) besucht ihre Stammlokale, die von Jahr zu Jahr wechseln können. Eine Adresse ist bei vielen Festspiel-Mitwirkenden seit Jahren beliebt, nämlich das Gartenlokal auf der Hohen Theta, fünf Kilometer entfernt. Es ist bis spät abends geöffnet; die langen Tische fassen bis zu zwanzig Personen, die sich auf den Bierbänken ausbreiten oder zusammenrücken können. An der Theke im Scheunentor holen die Gäste das frisch gezapfte Bier – meist geht einer aus der Gruppe und bringt für alle, danach ein anderer und so weiter.
Speisekarte ändert sich mit der Saison
Bis in die Nacht wird gekocht – Klöße mit Braten oder Pilzen, frische Salate – je nach Erntezeit wechseln die Gerichte. Das Backhaus ist meist noch bis 23 Uhr in Betrieb. Frische Flammkuchen mit Zutaten, die sich jeder Gast selbst zusammenstellen kann, kommen aus dem Backofen frisch auf den Tisch. Wenn es am Abend schon etwas kühler ist, schmeckt das besonders gut.
Essgewohnheiten der Künstler
Selten essen Sänger oder Musiker etwas vor den Vorstellungen, weil sie sonst leicht müde werden. Nach getaner Arbeit sind sie umso hungriger. Zum Ausklang einer gelungenen Probe oder Vorstellung regenerieren sie sich an der frischen Luft; heiße Flammkuchen kitzeln ihre Mägen; kein Lärm drum herum; Gespräche mit alten und neuen Kollegen, die man zu dieser Zeit trifft; was kann es Schöneres geben zum Abspannen und Ausklingen lassen?
Bayreuther Opernaufführungen:
Walküre – Bayreuther Festspiele 2010 Traditionelle, stimmige Inszenierung von Tankret Dorst mit hervorragenden Sängern und dem einmaligen Festspielorchester unter Christian Thielemann.
Parsifal in Bayreuth 2010 – (auf)reizende Blumenmädchen In dieser Opernszene mobilisiert der böse Zauberer Klingsor seine Helferinnen, die Parsifal betören und vom Weg abbringen sollen - laut Libretto vergebens.
Tannhäuser für Kinder - Bayreuther Festspiele 2010 Oper von Richard Wagner in einer Fassung für Kinder, verkürzt auf eine Stunde Spielzeit. Aufführungen mit kleinem Orchester und Sängern.
