
- Bayreuther Festspielhaus in der Probenphase - adlugokinski
Seit 1876 kommen Musiker aus verschiedenen Spitzenorchestern jedes Jahr in Bayreuth zusammen, um vier Wochen lang Opern von Richard Wagner aufzuführen.
Die Proben starten zu unterschiedlichen Zeiten, meist zwischen Mitte und Ende Juni. Erst kommen die Sänger – Repetitoren, Solisten und Chor. Mit Beginn der ersten Orchesterprobe füllt sich die Kantine ab neun Uhr, denn am ersten Tag hat noch kaum einer ein Frühstück in der Wohnung, die für die nächsten zehn Wochen das zweite Zuhause wird. Pünktlich um 10 Uhr beginnt die erste Probe. Nach der Begrüßung durch die Festspielleiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner erklingt das Vorspiel zum dritten Akt der Oper „Lohengrin“.
Dirigenten, Chor, Sänger und Orchestermusiker in der Kantine
Prall gefüllt ist die Kantine zur Mittagszeit. Ab 12.30 Uhr treffen sie ein; die Musiker von der Orchesterprobe; die Solisten mit ihren Dirigenten und Korrepetitoren.
Ring-Dirigent Christian Thielemann mit seiner versammelten Mannschaft besetzt einen Tisch. Seine Assistentenschar besteht aus lauter Dirigenten, die für sich genommen jeder einen Posten an einem Opernhaus bekleiden. Manch einer wird hier einmal eine Produktion übernehmen und eine Zahl Assistenten um sich herum scharen. Andere bleiben, wie auch in der Krimi-Serie „Derrik“, die ewigen Assistenten, die „schon mal den Wagen holen“ dürfen.
Erfrischend unkompliziert gibt sich Andris Nelson, mit 31 Jahren der zweitjüngste Dirigent auf dem Grünen Hügel seit Beginn der Festspiele 1876 – Lorin Maazel war 1960 bei seinem Bayreuth-Debüt 30 Jahre alt.
Regisseure frischen ihr Regie-Konzept auf
Die Regieteams kommen zu unterschiedlichen Zeiten. Tankred Dorst und seine Partnerin Ursula Ehler treffen mit den ersten ein, wie schon die Jahre davor. Sie leiten die Proben zum „Ring des Nibelungen“, ein Zyklus, der aus vier verschiedenen Opern besteht. Jedes Jahr veränderten sie etwas, und es wird besser und besser und besser. Die Darstellungskraft der Sänger wird von Jahr zu Jahr ausdrucksvoller. Schade, dass es in diesem Jahr der letzte „Ring“ in dieser Inszenierung sein wird – die fünf Jahre sind um. Punkt.
Stephan Herheim, Regisseur des „Parsifal“, und seiner Mannschaft suchen ebenfalls Sättigung und Entspannung in der Kantine. Was wird er in seiner Produktion ändern? Die Wagnerianer umjubelten diese Inszenierung, obwohl sie abweicht von den Inhalten Richard Wagners. Dafür erzählt sie die Geschichte des Hauses Wahnfried – von Beginn bis zum Neuanfang nach dem zweiten Weltkrieg. Ein Thema, das viele Wagner-Begeisterte beschäftigt.
Hans Neuenfels, der in diesem Jahr den „Lohengrin“ neu inszeniert, arbeitet mit seiner Crew auch schon fleißig bis spät in die Nacht. Probezeiten bestehen selten aus geregelten Abläufen nach Stechuhr.
Die Kantine ist geöffnet, ebenso die Stammlokale der Festspiel-Mitarbeiter.
Bayreuther Opernaufführungen:
Walküre – Bayreuther Festspiele 2010 Traditionelle, stimmige Inszenierung von Tankret Dorst mit hervorragenden Sängern und dem einmaligen Festspielorchester unter Christian Thielemann.
Parsifal in Bayreuth 2010 – (auf)reizende Blumenmädchen In dieser Opernszene mobilisiert der böse Zauberer Klingsor seine Helferinnen, die Parsifal betören und vom Weg abbringen sollen - laut Libretto vergebens.
Tannhäuser für Kinder - Bayreuther Festspiele 2010 Oper von Richard Wagner in einer Fassung für Kinder, verkürzt auf eine Stunde Spielzeit. Aufführungen mit kleinem Orchester und Sängern.
