Bayreuther Festspiele

Festspielleitung durch Wolfgang Wagner

Die neue Bayreuther Festspielleitung hat erste Änderungen auf dem Grünen Hügel umgesetzt. Im Vordergrund steht die Vermarktung durch Katharina Wagner.

Wolfgang Wagner, Festspielhügel, 95445 Bayreuth. So einfach ist die Adresse des früheren Leiters der Bayreuther Festspiele. Keinen Straßennamen, keine Hausnummer brauchte der hiesige Postbote um Briefe an den berühmten Bürger von Bayreuth zu liefern, welcher jahrzehntelang die Bayreuther Festspiele leitete.

Genauso unkompliziert sah man ihn gelegentlich den Grünen Hügel hinauf oder hinunter laufen, schnell mal um die Ecke flitzen, vorbei am Kartenbüro zwischen den erlauchten Festspielgästen von Blicken gefolgt wieder verschwinden.

Der Hausherr ließ viele Regisseure und Künstler auf den Grünen Hügel kommen und sorgte somit für den großen Erfolg der heutigen Bayreuther Festspiele. Selbstverständlich inszenierte er die eine oder andere Oper auch selbst.

Neue Festspielleitung durch Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier

Da Wolfgang Wagner nicht jünger wird, stand seit Jahren ein Wechsel der Festspielleitung zur Debatte. Seit 2008 stand die neue Leitung fest und postierte sich erstmals 2009 traditionell zur alljährlichen Eröffnung am Balkon des Bayreuther Festspielhauses um die prominenten Gäste zu begrüßen, das Double Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, beides Töchter Wolfgang Wagners aus erster und zweiter Ehe.

Katharina Wagner versteht es glänzend mit der Presse umzugehen, sich zu positionieren, Rede und Antwort zu stehen, die Öffentlichkeitsarbeit unter Ihre Fittiche zu nehmen, während die seriöse, ruhigere Halbschwester Eva im Hintergrund agiert und dort die Fäden zieht.

Änderungen der Bayreuther Festspiele unter neuer Leitung

Alle Welt blickt erwartungsvoll nach Bayreuth und möchte wissen, was sich das Gespann für die Zukunft einfallen lässt.

Ziemlich schnell wurde klar, die neue Führungsriege bringt frischen Wind auf den Grünen Hügel.

Zwar gab es 2009 nicht wie üblich eine Neuinszenierung, und der neue Lohengrin für 2010 hatte seinerzeit noch Wolfgang Wagner organisiert, doch insbesondere in Sachen Vermarktung gibt es eine 180 Grad Wende.

Bereits im Jahr zuvor hatte Katharina Wagner durchgesetzt, Ihre Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ per Public Viewing live auf den Volksfestplatz zu übertragen.

Seit letztem Jahr findet die „Oper für Kinder“ statt, mit dem Fliegenden Holländer wurde diese Reihe ins Leben gerufen.

Auch das neue Medienzeitalter nutzt die junge Wagner-Tochter geschickt. So gibt es zum einen den Festspiel Podcast , zum anderen Livestreaming via Internet der Eröffnungsvorstellung ins eigene Wohnzimmer.

Vor Ort am Festspielhaus stellte sich 2009 eine neue Corporate Identity vor. Die blauen Mädchen trugen erstmals graue Kostüme mit lila Tuch. Wie der Name schon sagt, waren sie früher blau gekleidet. Der Name bleibt heute aber gleich. Sie verkaufen Programmhefte, helfen Besuchern, kontrollieren Karten und dürfen in den Vorstellungen sitzen.

Apropos Programmhefte! Die pfundschweren, teuren, unhandlichen Dinger sind dieses Jahr kleinen, handlichen, preiswerten Heften gewichen, die man sich wie schon vor Jahrzehnten pro Vorstellung leisten kann.

Die Zukunft der Bayreuther Festspiele

Wie die Bürger der Stadt Bayreuth zur neuen Festspielleitung stehen bleibt offen.

Sind sie wehmütig oder gespannt? Konservativ oder neugierig aufs Neue?

Quasi als persönliche Hommage an den langjährigen Festspielleiter zierten jedenfalls letztes Jahr viele Bayreuther Litfaßsäulen sein Bild zum neunzigsten Geburtstag.

Und eines steht fest: Die Qualität der Sänger und künstlerischen Darbietungen steht derzeit unter großer Kritik, ebenso wie die neue Leitung. Die Erstklassigkeit der berühmten Bühne stellen viele Experten in Frage.

Allein die Vermarktung als Neuerung in Bayreuth wird wohl für die Zukunft nicht reichen.

Unverhoffter Tipp zuletzt: Da die zwei Gewerkschaftsvorstellungen, die stets günstiger angeboten wurden, dieses Jahr genauso teuer bleiben, wurde nur eine Vorstellung von den Gewerkschaften gebucht, so dass eine komplette Aufführung laut Katharina Wagner für die Verteilung an bisher leer ausgegangene zur Verfügung steht.

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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