Bayreuther Markgräfinnen

Sieben Regentinnen an Markgrafens Seite: Frauenpower am Hofe

Von Ehebruch bis Standesdünkel hielten es die Markgräfinnen in Franken. Hauptaufgabe war wie in Herrscherhäusern üblich der Erhalt der Dynastie mit einem Thronfolger.

Den Adelstitel Markgraf haben die meisten in unterschiedlichen historischen Zusammenhängen mitbekommen. Was sich hinter dem Namenszusatz verbirgt, bedarf einer kurzen Erläuterung. Markgrafen waren Inhaber von Grafschaften in östlichen, nördlichen und südöstlichen Grenzgebieten seit karolingischer Zeit. Den Titel Markgraf konnten Familien seit dem 12. Jahrhundert behalten, auch wenn sie das Grafenamt wieder abgeben mußten.

Standessache: Markgräfin in Bayreuth

Bayreuth hat nicht nur die weltweit bekannten "Bayreuther Festspiele" des Komponisten Richard Wagner hervorgebracht. In der oberfränkischen Stadt gab es sieben Markgräfinnen unterschiedlicher Herkunft. Markgräfin wurde man durch Heirat eines Fürsten. Die Tatsache, daß verschiedene Bedingungen an die Ehelichung geknüpft waren, schrumpfte die Auswahl an passenden Kandidatinnen ziemlich ein. Erstens mußte die Dame aus standesgemäßem Hause kommen. Und zum Zweiten sollte sie der evangelisch-lutherischen Konfession angehören. Eine der Hauptaufgaben der Ehefrauen war, die Dynastie zu sichern, wozu sie mindestens einen Sohn gebären sollten. Drei der sieben Markgräfinnen gelang es, diese Anforderung zu erfüllen.

Maria

Als Tochter des letzten Herzogs von Preußen, Albrecht Friedrich, wuchs die spätere Markgräfin im Königsberger Schloss auf. 1604 heiratete sie den Markgrafen Christian, der ein Jahr zuvor das Markgraftum Brandenburg-Culmbach angetreten hatte. Marias Leben war geprägt vom Dreißigjährigen Krieg, der in Franken besonders wütete. Sie mußte mehrmals mit ihren Kindern flüchten. Für die sinnlichen Dinge im Leben blieb nicht viel Zeit. Vier Monate nach Kriegsende starb sie mit 70 Jahren.

Erdmuthe Sophie

1661 trat der Enkel des Regenten Christian Ernst die Nachfolge an. An seine Seite trat die gleichaltrige Cousine Erdmuthe Sophie. Eine prächtige Partie, charmant, kultiviert und gebildet. Die Hochzeit dauerte mehrere Wochen. Eine Gelegenheit, um Regentschaft und Hofespracht zu präsentieren. An Intelligenz und Auftreten war die Markgräfin dem Ehemann weitaus überlegen. Aus Langeweile hatte sie mehrere Liebschaften. Mit 26 Jahren starb sie und hinterließ keine Kinder.

Sophie Luise

Ein halbes Jahr nach dem Tod Erdmuthes heiratete Christian Ernst erneut. Mit Sophie Luise als Markgräfin hatte er eine weitaus treuere Ehefrau. Sie begleitete ihn auf Reisen, hielt engen Kontakt, wenn er im Feldlager mit der kaiserlichen Armee war, und gebar ihm mustergültig einen männlichen Thronfolger. Im Land hat Sophie Luise wenige Spuren hinterlassen. Sie galt als weniger anspruchsvoll und glanzlos.

Elisabeth Sophie

Die junge Witwe Elisabeth heiratete den 29 Jahre älteren Bayreuther Markgraf Christian Ernst, der ebenfalls verwitwet war. Sie stammte aus dem Hause des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Dieser war seinerzeit Vormund des Christian Ernst. Mit dieser Ehe wollte König Friedrich I. die Markgrafschaft an die Familie der Berliner Hohenzollern binden und versuchen Einfluß auszuüben. Doch dieser Versuch wurde durch Erbprinz Georg Wilhelm durchschaut. Es kam zum Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn.

Sophie

Eine spontane Aktion des Erbprinzen Georg Wilhelms war seine Heirat mit der 15 jährigen Sophie. Die hübsche Sophie war an politischem Einfluß und in finanzieller Hinsicht keine gute Partie. Turbulent verhielt sich auch die Ehe, Eifersucht und Seitensprünge waren keine Seltenheit. Dennoch gingen beide ihren kulturellen Interessen nach: Seefeste, Eremitenspiel, Karnevalsumzüge. Die Belange des Landes waren ihnen egal.

Friederike Sophie Wilhelmine

Die Schwester Friedrichs des Großen sollte mit dem englischen Thronfolger verheiratet werden. Doch unter Zwang des Vaters wurde die später berühmte Markgräfin mit Friedrich von Bayreuth verheiratet. Sie litt anfangs unter dem gesellschaftlichen Abstieg in eine kleine Residenz. Geringe Repräsentationspflichten ließen ihr umsomehr Zeit für Kunst und Kultur. Noch heute verdankt die Stadt der Markgräfin die Eremitage, das markgräfliche Opernhaus und das Neue Schloß.

Sophie Caroline Marie

Die Hoffnung auf den Erhalt der Markgrafschaft ruhten auf Sophie Caroline. Nach dem Tod Wilhelmines heiratete Friedrich erneut. Seine zweite Frau überlebte ihn. Die beiden blieben kinderlos und trugen die Dynastie zu Grabe.

Passende Ausstellung bis 19. Oktober 2008 im Historischen Museum Bayreuth: Die Bayreuther Markgräfinnen (1603 - 1763)

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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