Beaujolais Primeur - Bereitung und Vermarktung des jungen Weines

Beaujolais Primeur  - Windrose / PIXELIO
Beaujolais Primeur - Windrose / PIXELIO
Le Primeur est arrivé! Der aus der Gamay noir hergestellte Beaujolais Nouveau kommt am dritten Donnerstag im November in den Handel, und dieses weltweit.

Seit 1951 gibt es ihn, als Ausnahme zum französischen Weingesetz darf dieser junge Beaujolais noch im Jahr der Lese verkauft werden. In den sechziger, siebziger Jahren und auch noch später erfreute er sich großer Beliebtheit, und das nicht nur in Frankreich. Auch in Deutschland hatte der Beaujolais Nouveau eine große Anhängerschaft, die dem Tag entgegenfieberte, da er die Grenze passieren durfte. Bis 1966 war dies der 15. Dezember, und somit dürfte der junge Franzose in so manchem Haushalt dem vorweihnachtlichen Traditionsgetränk Glühwein den Rang abgelaufen haben. Ab 1967 kam er bereits am 15. November in die Läden, und 1985 einigte man sich schließlich auf den dritten Donnerstag im November. Da zu den größten Abnehmerländern Japan und die USA gehören, gefolgt von Deutschland, braucht es großes logistisches Geschick, den Wein rechtzeitig zum Verbraucher zu bringen.

Die Herstellung des Beaujolais Primeur

Eines sei vorweggenommen, auch in anderen Gebieten Frankreichs wird ein Primeur hergestellt, doch der echte, der authentische, kommt aus dem Beaujolais. Er wird aus der fruchtigen Rebsorte Gamay noir gekeltert. Per Gesetz dürfte auch die Pinot noir Traube verwandt werden, aber sie kommt im Beaujolais praktisch nicht mehr vor. Es wird vorwiegend Gamay (ca. 90 %) angebaut, eine fruchtige Traube, die hier den Boden findet, den sie braucht. Für den Primeur sind das die lehmigen Böden im Süden.

Die Lese beginnt bereits Mitte September und erfolgt schonend von Hand. Dieses arbeitsaufwendige Verfahren ist notwendig, damit die Traube ganz bleibt. Geplatzte Trauben dürfen nicht verwandt werden. Das unentrappte Lesegut kommt in den Gärbottich und wird bei 25 bis 32 Grad unter CO2-Gas gestellt. In den Beeren entwickeln sich dann ungefähr 2% Ethanol sowie Glycerin und Bernsteinsäure, während Apfelsäure abgebaut wird. Somit erfolgt in den intakten Beeren die Vergärung des Saftes (intrazelluläre Gärung oder macération carbonique), Zucker wird in Alkohol umgewandelt. Dabei werden die Polyhenole aus den Kernen und die Farbstoffe aus den Beerenhäuten gelöst. Da dieser Vorgang je nach Temperatur nur drei bis sieben Tage dauert, entsteht später ein heller Rotwein mit wenig Tannin. Also genau der richtige Wein für jemanden, der einen fruchtigen Roten zu schätzen weiß. Nach der ersten Gärung erfolgt die Pressung und die zweite Gärung (fermentation malolactique). Der Wein braucht nun noch ungefähr dreißig Tage und kann dann auf Flaschen abgezogen werden. Der Gärvorgang ist zu diesem Zeitpunkt endgültig abgeschlossen und somit ist ein Beaujolais Primeur ein weitaus bekömmlicherer Wein als der bei uns erhältliche Federweiße oder Rote Sauser. Doch ein Genuss in Maßen ist auch beim Primeur anzuraten.

Georges Dubœuf - der clevere Vermarkter des Beaujolais Nouveau

Dem Winzer Georges Dubœuf ist es zu verdanken, dass der Primeur aus dem Beaujolais seine Erfolgsreise rund um den Erdball antreten konnte. Bereits in den 50er Jahren begann er, die Winzer und Winzergenossenschaften zu mobilisieren und für das schnelle und lukrative Geschäft mit dem jungen Wein zu interessieren. Gleichzeitig warb er in Europa und Übersee für das Produkt, und damit war der junge Beaujolais in aller Munde. Das Familienunternehmen hat maßgeblich zum rechtzeitigen Versand dieses Weines beigetragen. Um eine ungefähre Vorstellung von der Größenordnung zu bekommen, welche Mengen an Primeur produziert werden, hier die Zahlen aus 2007: 356.000 Hektoliter Wein, entsprechend 49 Millionen Flaschen (Angaben der Sopexa).

Nach der Jahrtausendwende jedoch ist der junge Wein in eine Krise geraten, das Angebot trifft nicht mehr auf die einstige Nachfrage. So sind einige Winzer, die normalerweise eher den Nouveau produzieren, dazu übergegangen, bei vielversprechenden Jahrgängen Lesegut für andere Weine zurückzuhalten. Sie setzen nicht auf den schnell verdienten Euro, sondern versuchen, einen ausgereifteren Wein mit besonderem Charakter zu produzieren. Umdenken ist wohl notwendig, da einer alten Tradition und einem schönen Brauch nicht mehr die Begeisterung entgegen gebracht wird.

Ein Beaujolais ist nicht nur Beaujolais Nouveau

Dabei sollte ohnehin nicht vergessen werden, dass nicht nur die Familie Dubœuf, sondern auch die anderen Winzer der Region Weine produzieren, die höheren Qualitätsstandards entsprechen. Sie werden ebenfalls aus der Gamay noir oder Beaujolais-Traube bereitet. Diese Lagen befinden sich allerdings weiter im Norden, wo schiefer- und kalkhaltige Granitböden anzutreffen sind. Auf der ProWein im März 2010 in Düsseldorf waren zehn Erzeuger mit Grands Crus vertreten, die der Master-Sommelier Hendrik Thoma vorstellte.

Beaujolais ist also nicht gleich Beaujolais. Der Verbraucher muss sich entscheiden, will er einen lagerfähigen fruchtigen Wein aus der Region oder lediglich einen Vorgeschmack auf den Wein dieses Jahres bekommen. Am besten trinkt man den Primeur mit guten Freunden am Abend eines trüben, nasskalten Novembertages.

Bildnachweis:

  1. Windrose / pixelio.de
  2. RainerSturm / pixelio.de
  3. Markus Berroth / pixelio.de
Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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