Beaujolais Primeur: vor Jahren ein Hit – heute aus der Mode?

Primeur im Glase - Peter Bast / PIXELIO
Primeur im Glase - Peter Bast / PIXELIO
Le nouveau est arrivé! Begeisterung am dritten Donnerstag im November. Doch die Fangemeinde des Beaujolais Primeur schrumpft. Geht eine Tradition verloren?

Wie es scheint, hat er seine besten Jahre gesehen, der Beaujolais Primeur, und das nicht nur in Deutschland. Einige werden sich erinnern, wie in den siebziger und achtziger Jahren ungeduldig der Tag erwartet wurde, da der junge Wein aus Frankreich die Grenze passieren durfte. Man kaufte sogleich einige Flaschen im Supermarkt oder bei seinem Weinhändler, traf sich mit Freunden und genoss einen schönen Abend, stritt auch schon mal, ob der vorherige Jahrgang nicht doch viel besser gewesen sei.

Was hat dem Ruf des Beaujolais Nouveau geschadet?

In der Tat gilt er bei vielen als Wein minderwertiger Qualität. Doch das ist so nicht korrekt. Der Wein ist sicherlich kein Grand Cru, sondern ein Heuriger, aber ein durchaus fertiger, fruchtiger Wein, bereitet aus der Gamay noir. Dass man ihn schon im selben Jahr trinken kann, in dem die Trauben reiften, liegt an der 1951 erwirkten Ausnahmeregelung der Winzer aus dem Beaujolais und an der schnellen Art der Weinbereitung. Die Arbeit des Winzers im Weinberg ist genau so hart und aufwendig wie für alle anderen Weine.

Nachdem also dieses Vorurteil des minderwertigen Weins ausgeräumt ist, könnte man ihn ja eigentlich wieder trinken. Zumindest ist er ein Wein für alle, die gern einen fruchtigen Tropfen im Glase haben. Doch mit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts sind die Überseeweine auf unseren Markt gelangt. Sie haben Frucht in Hülle und Fülle. So ist es für viele reizvoller geworden, einen Südafrikaner, Australier oder Chilenen zu genießen, bei dem zu spüren ist, dass er viel Sonne gesehen hat. So wie die Badischen Weine schon warben, von der Sonne verwöhnt, gilt dies auch für die Erzeugnisse aus Übersee.

Tradition wahren – den dritten Donnerstag im November feiern

Dennoch ist es schade, dass eine alte Tradition mir nichts dir nichts über Bord geworfen wird. Dem Zeitgeist und den Empfehlungen der Sommeliers zu folgen, vor deren Auge und Nase der Primeur keine Gnade findet, ist das Eine, aber auch einmal das Einfache zu genießen und dem Winzer Achtung zu zollen, das Andere. Weihnachten ist nicht mehr fern und da hält man in Deutschland die kulinarische Tradition recht hoch, wie Umfrageergebnisse zeigen. Warum denn nur zur Weihnachtszeit?

Mit Freunden den Beaujolais Primeur verkosten und ihm zu neuen Ehren verhelfen

Seien Sie mutig und laden sie Ihre besten Freunde ein. Kaufen Sie einige Flaschen Beaujolais Primeur. Greifen Sie dabei nicht zu dem preiswertesten Angebot im Glauben, ein schlichter Wein dürfe nicht viel kosten.

Zu diesem Wein lassen sich viele Fleischgerichte zubereiten, die auch gern etwas deftiger sein dürfen. Wollen Sie das Ganze etwas kleiner halten, dann kaufen Sie lediglich Baguette, Flûte, eben französisches Brot. Dazu reichen Sie – natürlich – französischen Käse. Sie müssen nicht zum Markt von Annecy reisen, obwohl sich eine Reise dorthin durchaus lohnt. Doch Ihr Käsefachhändler wird Sie entsprechend beraten und vielleicht hat er Produkte aus der Region. Wollen Sie mit Ihrem Käsewissen punkten, dann machen Sie zuvor diesen Test, der Aufschluss gibt, welcher Käse in der Region Rhône-Alpes hergestellt wird.

Stellen Sie ferner zwei oder drei Terrinen vom Kaninchen, Fasan oder Wildschwein auf den Tisch. Es sollten schon französische Produkte sein, nur meiden Sie Gänsestopfleber. Sie gilt bei unseren Nachbarn zwar als Delikatesse, aber denken Sie auch daran, was zuvor den Gänsen angetan wurde. Eine schlichte Terrine tut es durchaus. Wenn genügend Zeit vorhanden ist, können Sie auch eine Quiche oder ein Blech mit Mini-Quiches backen.

Mit diesen Vorbereitungen sind Sie für den Abend gut gewappnet. Ihre Gäste werden vielleicht im ersten Moment etwas skeptisch schauen, wenn sie das Etikett auf der Flasche entdecken. Doch meistens sind es genau die, welche zwei Wochen später am Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt anzutreffen sind. Wer da der größere Weinkenner ist, liegt auf der Hand. Santé ! Und auf einen fröhlichen Abend in Erinnerung an alte Zeiten!

Bildnachweis:

  1. Peter Bast / pixelio.de
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  4. Paul-Georg Meister / pixelio.de
Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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