
- Faustkeile: Die wichtigsten Werkzeuge der Altsteinzeit. - Dieter Schütz / pixelio.de
Geschichte und Archäologie faszinieren die Menschheit. Große Entdeckungen und Ausgrabungen stellen eine Art Fenster in die Vergangenheit dar, durch die das Leben unserer Vorfahren betrachtet werden kann. Abenteuerfilme und Legenden tragen ihr Übriges zum Nimbus der Archäologie bei. Aber die reale Welt ist abenteuerlich genug. Eine kurze Einführung in die Begriffe der Archäologie und der bedeutenden Fundorte in Europa, begonnen von den ersten Funden bis zur Eisenzeit.
Europa: Hotspot der Archäologie
Ausgrabungen in Europa sind häufig. Sie mögen für den Laien nicht so spektakulär sein, aber sie sind für die Wissenschaft sehr bedeutend. Unser Kontinent ist seit langem besiedelt und die Prähistorik hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Etliche Funde aus der Zeit vor über 10.000 Jahren bezeugen die Anwesenheit der Menschen seit langem. Ausgrabungen aus der Zeit bis etwa 3.000 Jahre vor Christus sind ebenso häufig. Die Ausgrabungen aus den griechischen (Hoch-) Kulturen und der Römerzeit sind mehr als bedeutend.
Die vergänglichen Spuren der Altsteinzeit
Einer der wichtigsten Artefakte, die von den „ersten“ Menschen hinterlassen wurden, sind steinerne Werkzeuge. So wurden beispielsweise in Stanton Harcourt, Großbritannien, in einer Kiesförderanlage die unterschiedlichsten Funde gemacht: Neben Mammutknochen und -zähnen, Braunbärzähnen, Süßwassermuscheln, Elefantenzähnen, Baumwurzeln auch Faustkeile. Diese waren die gebräuchlichsten Werkzeuge der Altsteinzeit. Aus einer bestimmter Steinarten (meist Feuerstein oder Quarzit) wurde unter Zuhilfenahme eines härteren Steines Teile abgesplittert bis nur mehr eine Art zugespitzter in die Faust passender Steinbrocken übrig blieb. Die Länge eines solchen Faustkeiles, der in Stanton Harcourt gefunden wurde, betrug etwa 12 cm. Da aber keine Menschenfunde gemacht wurden, liegt die Vermutung nahe, dass das Tal nur genutzt, aber nicht besiedelt wurde.
Die Jungsteinzeit und eine Fülle an Artefakten
Vor etwa 10.000 Jahren gingen die Menschen dazu über, Tiere zu züchten und Pflanzen anzubauen. Aus einer jagenden und sammelnden Gesellschaft wurden so vermehrt Bauern und Tierzüchter. Das Sesshaftwerden schaffte auch die Möglichkeiten, dauerhafte Siedlungen zu errichten. Die in solcher Gesellschaft genutzten neuartigen Gebrauchsgegenstände, Keramik und ein Handel zwischen den Kulturen trugen dazu bei, dass aus der Jungsteinzeit bedeutend mehr Funde erhalten sind. Weiter sorgten die unterschiedlichen Bestattungsformen und Rituale dafür, dass die heutige Archäologie viel über unsere Vorfahren erfahren konnte. Eine der dauerhaften Siedlungen ist Vila Nova de Sao Pedro in Portugal, bewohnt vor etwa 5.000 Jahren. Eine Befestigungsanlage, Dolche, Kupferäxte und Becherkeramiken bezeugen die Anwesenheit der Menschen. Aus dieser Zeit wurden aber auch Steinbrüche, wie in Grimes (Großbritannien) wieder entdeckt. Das Feuersteinbergwerk verfügte über 350 Schächte, in denen Steine für Alltagswerkzeuge gefördert wurden. In Varna, Bulgarien wurde der bis dato größte frühsteinzeitliche Goldschatz gefunden (ebenfalls in Bulgarien: Kultort von Vratsa). Er datiert aus der Zeit vor ca. 6.000 Jahren. Monumentalbauten bzw. große Gräberanlagen aus der Jungsteinzeit geben noch heute Rätsel auf und werden auf gewisse Weise mystifiziert. Als Beispiel mögen die Steinkreise von Stonehenge, von Avebury und das Kammergrab von Newgrange (alle Großbritannien) sowie die Steinreihen von Carnac (Frankreich) dienen.
Die Bronzezeit und die ersten Metropolen
In der Bronzezeit entstanden vor allem an den Flussläufen bzw. der fruchtbaren Flussebenen große städtische Zentren. Vor allem an den Strömen Euphrat, Tigris, Nil und Indus. In Europa waren diese neuartigen Städte kleiner. Der Ausbau der Straßennetze, der öffentlichen Einrichtungen, der Tempelanlagen, die Zentralisation der administrativen Macht hielt aber auch hier Einzug. Es entstanden Stadtstaaten, die in der jeweiligen Region um die Vorherrschaft kämpften. In Nord- und Mitteleuropa waren die ersten dauerhaften Städte nicht so fortschrittlich, wie im Süden. Beispielhaft für eine typische Bronzezeit-Siedlung soll jene auf einer Insel im Federsee, in Oberschwaben (Deutschland) dienen. Bedeutende andere Funde stammen bspw. von der Insel Kreta (Palaikastron). Von hier führten Straßen zum Hafen hinab, zum Palast von Knossos und zu anderen Orten der Insel. Theorien zu Folge soll Palaikastron die Hauptstadt von Ostkreta während der minoischen Bronzezeit gewesen sein. Nach Untergang der Minoischen Kultur starb auch Palaikastron aus: Die Siedlung wurde etwa 1.200 v. Chr. aufgegeben. An allen Ausgrabungsorten wurden hervorragend erhaltene Funde ans Tageslicht gefördert: Neben Bronzgegenständen (Waffen, Werkzeuge, Schmuck, Schnallen etc.) auch Terrakotta- Statuen, Vorratsgefäße, geschnitztes Elfenbein, Hausmauern usw. Der Bronzezeit folgte die Eisenzeit, die ebenso eine Vielzahl von Funden als Erbe hinterließ. Gigantische Festungen und Kultorte (bspw. Tara und Navan in Nordirland, Mont Lassois in Frankreich), Grabstätten (Vix, Frankreich) und Menschenopfer (Moorleiche von Grauballe) hauchen der vergangenen Geschichte neues Leben ein.
Quelle:
- Taylor, Tim et Aston, Mick: Atlas Archäologie- Die faszinierende Welt unserer Vorfahren. Deutschsprachige Ausgabe von Ullstein- Heyne-List München [1998].
- Förster, Otte et al: Auf der Suche nach dem Gold der Kelten- Ein historisches Abenteuer. Heyne Sachbuch. Heyne Verlag München [2002].
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