Bekannt wurde John R. Searle durch seine Arbeiten im sprachlichen Bereich, die nicht nur bedeutend für die Philosophie waren und immer noch sind, sondern auch Einfluss auf andere Disziplinen ausübten. Berühmt ist vor allem seine Sprechakttheorie, die einen guten Ansatzpunkt für die Betrachtung gegenwärtiger Bedeutungskonzeptionen liefert. Sein Standpunkt ist aber der traditionellen Sicht darauf zuzuordnen.
Die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke ist durch die Verwendung bestimmt
Obwohl Searles Arbeiten traditionell sind, haben sie doch mit anerkannten Positionen in der Sprachphilosophie gebrochen und den Weg für Neues bereitet. Searle kritisiert mit seinen Arbeiten vor allem den frühen Wittgenstein, Frege und die logischen Positivisten. Für ihn gehen ihre Positionen von zwei irrigen Annahmen aus. Diese sind:
- Das primäre Ziel der Sprache ist das Darstellen und Übermitteln von Tatsacheninformationen.
- Die Bestandteile der Sprache stellen etwas dar, das wahr oder falsch ist, unabhängig von Handlungen oder der Intention des Sprechers.
Dass Sprache lediglich der Informationsübermittlung dient, hat Searle zurückgewiesen, weil Sprache auch der Unterhaltung, dem Erzählen, dem Ausdrücken von Gefühlen und Empfindungen oder Ähnlichem dient.
Die zweite irrige Annahme, dass Sprache nur ein System von Wörtern und Sätzen ist, hat er zurückgewiesen, weil für ihn die Sprache von Absichten und auch Handlungen abhängig ist. Ansonsten wären Wörter nur Wörter und Sätze nur Sätze ohne Bedeutung.
Erst der Gebrauch von Wörtern und ihr Verbund zu Sätzen begründet, nach Searle, Bedeutung. Die Bedeutung ist also der Gebrauch. Das heißt, die Bedeutung der sprachlichen Ausdrücke ist durch die Verwendung bestimmt und die wiederum durch die Absicht oder auch die Handlung des Sprechers.
Searles mentalistisches Verständnis vom Handeln
Searle nennt das den Sprechakt. Das bedeutet aber nicht, dass Sprache mit dem Sprechakt identisch ist. Man muss das Sprechen, das William Alston als "Gesamtheit des in einer Gemeinschaft vorkommenden Sprachverhaltens" bezeichnet, von der Sprache als "abstraktes System gewisser identifizierbarer Elemente und ihrer Kombinationsregeln, das im Sprachverhalten zum Ausdruck kommt" unterscheiden. Die Sprache ist also etwas vom Sprechen Abgeleitetes, die deshalb vom Sprechen abhängt. Das Sprechen wiederum ist eigentlich eine Handlung, weshalb Sprachphilosophie ein Teil der Handlungsphilosophie ist. Da Handeln aber unterschiedlich aufgefasst wird und die Auffassung von Sprache die Auffassung von Handeln mitbestimmt, ist Searles Verständnis vom Handeln mentalistisch. Das heißt, Verhalten ist genau dann intentional, wenn es durch geistige Zustände mit intentionalem Gehalt verursacht ist. Wenn nun die Bedeutung des Verhaltens durch den Gehalt der geistigen Ursache bestimmt ist, ist auch die Sprache beziehungsweise der sprachliche Ausdruck durch den Gehalt der geistigen Ursache bestimmt. Und das ist Mentalismus. Der Geist bestimmt die Bedeutung, aber die Bedeutung äußert sich im Gebrauch.
Quellen:
John R. Searle: Sprechakte, Suhrkamp Verlag, Berlin 1983, 312 Seiten, 13,00 Euro
John R. Searle: Geist, Sprache und Gesellschaft, Suhrkamp Verlag, Berlin 2004, 192 Seiten, 9,50 Euro
William P. Alston: Philosophy of Language, Prentice Hall India 1964, 128 Seiten, eventuell gebraucht erhältlich
