Beethovens Sonate cis-Moll op. 27 Nr. 2 aus dem Jahr 1801 ist aus mehreren Gründen ein interessantes Werk der Klaviermusik. Der romantische Titel „Mondscheinsonate“ lässt die relativ kurze Komposition geheimnisvoll erscheinen. Nicht wenige Menschen vermuten eine Liebesgeschichte dahinter. Andere Deutungen gehen eher in Richtung Dramatik und Todessehnsucht. Musikwissenschaftler wiederum verweisen seit jeher auf den für damalige Zeiten völlig neuartigen Aufbau der Sonatenform. Jenseits solcher und anderer Überlegungen steht allerdings fest: Die Mondscheinsonate gehört zu den schönsten und ausdrucksstärksten Erscheinungen der Klaviermusik.

Wie Beethovens Mondscheinsonate entstand

Der Überlieferung nach entstand die Mondscheinsonate im Jahr 1801. Beethoven soll sie während eines Aufenthalts auf Schloss Korompa in Ungarn niedergeschrieben haben. Das Schloss gehörte der mit Beethoven eng befreundeten Familie Brunsvick, aus welcher übrigens zwei Kandidatinnen für die bis heute mysteriöse „unsterbliche Geliebte“ stammen: Die Schwestern Therese und Josephine Brunsvick. Beethoven selbst widmete die Sonate allerdings einer von ihm umworbenen Klavierschülerin, der Gräfin Giulietta Guicciardi. Die damals 17Jährige war eine Cousine der Geschwister Brunswick. Die Widmung ist jedoch keineswegs ein Beweis, dass Beethoven seine Sonate tatsächlich auch für die Gräfin schrieb.

Revolutionäre Neugestaltung der Sonatenform

Das unvergleichliche Klangerlebnis der dreiteiligen Mondscheinsonate geht einher mit einer radikalen Neuordnung des klassischen Sonatenaufbaus. Das Tempo steigert sich von Satz zu Satz. Der sogenannte Sonatenhauptsatz als thematischer Schwerpunkt wird so auf das leidenschaftliche Finale verlagert. Diese neuartige Gestaltungsform trug dazu bei, dass später der Dirigent Hans von Bülow (1830-1894) den Großteil der Klaviersonaten Beethovens als „Neues Testament der Klaviermusik“ deklarierte.

Wie die Mondscheinsonate zu ihrem Namen kam

Beethoven selbst überschrieb seine Sonate cis-Moll mit den Worten „Sonata quasi una fantasia“, zu deutsch: Sonate, beinahe wie eine Phantasie. Die spätere Bezeichnung „Mondscheinsonate“ hingegen geht auf den Dichter und Musikkritiker Ludwig Rellstab (1799-1860) zurück. Angeblich habe ihn die ruhig und endlos wirkende Melodie des ersten Satzes (Adagio Sostenuto) an den Schweizer Vierwaldstättersee im Mondlicht erinnert. Allerdings dürfte spätestens beim fulminant schnellen und lauten Charakter des dritten Satzes (Presto agitato) jegliche Mondschein-Romantik verflogen sein!

Die Entstehungsgeschichte der Sonate cis-Moll: Dramatisch statt romantisch?

Eine vom heutigen Titel abweichende Deutungsmöglichkeit erscheint hingegen wesentlich dramatischer, denn sie schließt aus den gedämpften Tönen des ersten Satzes sowie der gewaltigen Klangwelt des Schlussteils auf Todesgedanken, Verzweiflung und Kampf. Tatsächlich gibt dafür einige Indizien. Beethoven selbst soll im Zusammenhang mit der Mondscheinsonate auf das Gedicht „Die Beterin“ von Johann Gottfried Seume verwiesen haben. Dies behauptete jedenfalls der Musikwissenschaftler Hugo Riemann (1849-1919).

Auch eine musikalische Verwandtschaft wird in der einschlägigen Literatur gern als Beleg angeführt: Die Todesszene aus Mozarts „Don Giovanni“, welche Beethoven durchaus bekannt war.

Hinzu kommt, dass die Entstehung der Mondscheinsonate in eine Zeit fällt, als Beethoven seine beginnende Ertaubung realisierte, was ihn ein Jahr später zum erschütternden Heiligenstädter Testament veranlasste. Gedankliche Todesszenarien während der Komposition erscheinen also zumindest möglich.

Dennoch hat sich der Titel „Mondscheinsonate“ fest etabliert, was sicherlich auch in der hohen Popularität des ruhigen ersten Satzes begründet ist. Außerdem passt die romantische Bezeichnung des Werkes natürlich viel besser zur Theorie einer geheimnisumwitterten Liebschaft...

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