Beethovens Todesursache

Die Analyse seiner Haare enthüllte: Bleivergiftung durch den Arzt

Wissenschaftler untersuchten mehrfach Beethovens Haar und stellten Vergiftung fest. Organversagen lautet der Grund für seinen Tod. Die Taubheit hatte damit nichts zu tun.

Bleivergiftung gilt heute als Grund für Ludwig van Beethovens frühen Tod. Die letzten Jahre brachten immer neue Forschungsergebnisse, insbesondere durch die Untersuchung einzelner Haare des Komponisten. Die jüngste Erkenntnis von Forscher Dr. Christian Reiter läßt den Augenmerk auf Beethovens Arzt lenken, dessen Behandlungsmethoden letztendlich am Tod des Künstlers Schuld sein sollen.

Symptome Beethovens

Schwere Krankheiten plagten den Komponisten zeitlebens. Er hatte so starke Magenkrämpfe, dass er über Selbstmord nachdachte. Mundgeruch und starke Stimmungsschwankungen waren weitere Krankheitsbilder. Ganz zu schweigen von seiner Hörschwäche, die ihn als Musiker in besonderem Maße beeinträchtigte. In seinem Testament legte Beethoven daher fest, die Ursache für seine Krankheit solle festgestellt werden. Eine Obuktion nach seinem Tod erwies das Vollbild einer Leberzirrhose und sogenannte Bauchwassersucht. Doch dazu später mehr.

Bleirückstände in Haaren und Schädel

Jahrzehntelang ging man davon aus, dass Beethoven an Syphilis erkrankt sein musste. Diese behandelte man damals mit Quecksilber. Amerikanische Wissenschafter untersuchten Beethovens Haare im Teilchenbeschleuniger daher nach Rückständen dieser Substanz. Doch keine Anzeichen von Quecksilber wurden gefunden. Überraschenderweise machte man jedoch eine überhöhte Menge von Blei ausfindig, etwa achzig mal mehr als bei gesunden Menschen. Die im Jahr 2000 bekannt gegebene Untersuchung konnte 2005 durch eine Begutachtung von Schädelteilen Beethovens bestätigt werden. Zu diesem Zeitpunkt war sich die Forschung einig: Die hohe Metallkonzentration im Körper des Komponisten musste auf bleihaltige Wasserrohre, mit Blei verunreinigte Trinkbecher oder kontaminierten Flaschenverschlüssen zurückzuführen sein. Soweit so gut!

Kunstfehler des Arztes

2000 vermuteten die Forscher, auch die Taubheit Beethovens sei auf eine Bleivergiftung zurückzuführen. Doch Hörverluste haben im Regelfall nichts mit Vergiftungen dieser Art zu tun. Schon eher motorische Störungen in Händen und Armen, was von Beethoven nicht überliefert ist. Christian Reiter am Institut für Analytische Chemie der Universität Wien ging der Sache nochmal auf den Grund und gelangte zu einem abweichenden Ergebnis. Er untersuchte zwei verschieden lange Haare des Musikers auf Schwermetalle. Mithilfe eines Laserstrahls verdampften diese, so dass der entstandene Rauch analysiert werden konnte. Da ein Haar täglich etwa 0,3 bis 0,4 mm wächst, kann man daran eine zeitliche Abfolge bemessen. So konnte er jeweils die letzten 120 und 267 Lebenstage Beethovens dokumentieren. Kurz vor seinem Tod war der Komponist an einer Lungenentzündung erkrankt, die Dr. Andreas Wawruch in Wien behandelte. Mit einem entzündungslösenden bleihaltigen Medikament ging er gegen die Krankheit vor. Als Nebenwirkung sammelten sich im Bauch des Patienten große Wassermengen an, die der Arzt durch Öffnung der Bauchhöhle mehrmals entleerte. Danach beschmierte er die Wunde mit Bleiseife. Zusätzlich wurde das giftige Metall durch Pflaster resorbiert. Eine fatale Behandlungsmethode, wie Reiter feststellte, denn genau zu den Zeitpunkten, als die Lungenentzündung behandelt wurde und der Bauch geöffnet wurde, konnte er erhöhte Bleikonzentrationen im Haar feststellen. Zumal war Beethovens geschädigte Leber den Bleibelastungen nicht resistent genug. Todesursache aus Christian Reiters Sicht war also Organversagen, verschuldet durch die Behandlungsmethode des Arztes.

Übrigens trank Beethoven gerne und oft Wein. Damals hatten manche Winzer die Angewohnheit, Wein mit Bleizucker zu versüßen, was den Bleigehalt im Körper des Komponisten nicht gerade verringerte, wie Reiter feststellte. Denn auch vor seiner Krankheitsbehandlung ließen sich an Hand der Haaranalyse immer wieder höhere Bleibestandteile ausmachen.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen über Beethovens Vergiftung beschrieben auch:

Spiegel Online

Der Stern

Deutschlandradio

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