
- Behavioral Finance: Psychologische Börsenanalyse - Dieter Schütz/pixelio.de
Die Behavioral Finance hat sich aus der Verhaltensökonomie heraus entwickelt. Die Verhaltensökonomie ist eine Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften und versucht wirtschaftliches Handeln durch menschliches rationales und irrationales Verhalten zu erklären. Im Mittelpunkt dieser Betrachtung steht dem entsprechend nicht der allein rational handelnde Mensch (Homo oeconomicus), sondern vielmehr der Mensch als Ganzes mit seinem Verstand und seinen Gefühlen.
Aus der Verhaltensökonomie heraus hat sich später die Behavioral Finance entwickelt. Sie konzentriert sich auf die Finanzmärkte und dort schwerpunktmäßig auf die Wertpapierbörsen. Im deutschen Sprachraum wird als Synonym für Behavioral Finance auch die Bezeichnung Börsenpsychologie verwendet.
Was unterscheidet die Behavioral Finance von der Fundamentalanalyse und der Technischen Analyse?
Bei den Methoden der Aktien- bzw. Kursanalysen hat sich die Behavioral Finance neben der Fundamentalanalyse und der Technischen Analyse etabliert. Die Fundamentalanalyse stützt sich bei ihrer Analyse auf volk- und betriebswirtschaftliche Daten. Sie unterstellt den Homo oeconomicus, dessen Anlageentscheidungen allein auf ökonomischen Informationen beruhen.
Die Technische Analyse prognostiziert zukünftige Kursentwicklungen auf der Grundlage vergangener Kursverläufe. Im Gegensatz zur Fundamentalanalyse führt sie aber das Zustandekommen dieser Kurse nicht allein auf rationales sondern sehr wohl auch auf irrationales Verhalten der Marktteilnehmer zurück.
Die Behavioral Finance hingegen sieht einen sehr stark emotional motivierten Menschen im Mittelpunkt des finanzwirtschaftlichen Geschehens. Privat Anleger, Börsenhändler und andere Marktteilnehmer werden hauptsächlich von Gefühlen wie Gier, Glück, Angst, Panik geleitet.
Ist das Verhalten von Anlegen rational oder irrational?
Die konservative Wirtschaftswissenschaft sieht den Menschen sehr gern als Homo oeconomicus. Der Homo oeconomicus ist ein Mensch, der seinen Nutzen oder seinen Gewinn maximiert. Also ein ständig zwischen den Möglichkeiten abwägender Mensch, der den Nutzen dieser Möglichkeiten genau kalkuliert und dann aus allen Möglichkeiten die Beste emotionslos auswählt.
Die Erkenntnisse der Behavioral Finance beruhen unter anderm auf zahlreichen Experimenten, die sehr häufig in Form von Befragungen durchgeführt werden. Ergebnisse dieser Befragungen sind etwa, dass Menschen Sachverhalte vereinfachen, selektiv nach vorgefassten Meinungen wahrnehmen, ein starkes Sicherheitsbedürfnis haben und Sachverhalte nicht nur objektiv sondern auch subjektiv emotional wahrnehmen. Anleger bzw. Trader werden sehr stark durch Überzeugungen, Emotionen, Suchtverhalten, Verlangen nach Selbstbestätigung und Erfolg gelenkt. Wenn man Emotionen Kursbewegungen zu ordnet, dann sind folgende Situationen feststellbar.
- Kurstal bzw. Kurstief: Die vorherrschende Emotion ist Skepsis.
- Kurserholung/Kursanstieg: Die Skepsis weicht der Hoffnung.
- Kurshöhepunkt: Die Hoffnung weicht der Gier.
- Kurseinbruch: Die vorherrschende Emotion ist Angst.
- Kurssturz: Angst verwandelt sich in Panik.
- Kurstief: Die Panik weicht der Depression.
Was versteht man unter Money Management?
Das Geldmanagement ist ein wichtiger Schlüssel zum Börsenerfolg. Es wird von Fondsmanagern angewendet und sollte auch genauso von Privatanlegern genutzt werden. Zwei wichtige Punkte des Money Management sind zum einen, die Bestimmung des einzusetzenden Kapitals und die Festlegung bzw. Einhaltung von Stoppkursen.
Der Anleger sollte sich im Voraus Gedanken dazu machen, welchen Betrag er insgesamt investieren möchte und wie viel davon auf die jeweiligen einzelnen Anlageobjekte entfällt. Ein Anleger entscheidet sich z.B., ein Wertpapierdepot mit 10.000,00 EUR zu betreiben und jeweils nur 20% in jeweils fünf Aktien anzulegen.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Festlegung von Stoppkursen. Das gilt für Gewinne genauso wie für Verluste. Der Anleger überlegt sich, in welchem Kursbereich er die Aktie kaufen will. In welchem Verlustbereich, etwa -5 Prozent vom Kaufpreis, er die Aktie wieder abstößt und in welchem Gewinnbereich er die Aktie wieder verkauft, zum Beispiel +20 Prozent vom Kaufpreis.
Welche Rückschlüsse sollte man aus dem Behavioral Finance ziehen?
Die zentrale Erkenntnis der Behavioral Finance ist, dass unterschiedliche Gefühle uns bei unseren Entscheidungen lenken bzw. beeinflussen. In diesem Sinne gibt es keinen Homo oeconomicus, der allein aus einem emotionslosen Kalkül heraus handelt. Eine wichtige Botschaft dieser Erkenntnis ist, sich dessen bewusst zu sein und sich von diesen Emotionen in Entscheidungssituationen durch das Einhalten von Regel weitgehend zu lösen.
Textquelle: Dr. Raimund Schriek, „Besser mit Behavioral Finance“
Bildquelle: Dieter Schütz/pixelio.de
