Bei Andre Amaro wird auf dem Tisch getanzt

Amaros Nachspeise - M. Conlan
Amaros Nachspeise - M. Conlan
Beim Boulevard of Broken Dreams im Rahmen des Melez-Abschlussfestes in der Jahrhunderthalle Bochum gab es gleich zwei Mal Köstlichkeiten von Andre Amaro.

Geboren wurde dieser Koch der ausgefallenen Ideen in Portugal. Das ist schon 40 Jahre her. Seitdem er 13 Jahre alt ist, lebt er in den Niederlanden.

Boulevard of Broken Dreams in der Bochumer Jahrhunderthalle

Mit 20 Jahren gründete Andre Amaro sein erstes eigenes Restaurant in Dordrecht, doch er liebt Bewegung, Abwechslung und Ausprobieren. Er reist und kocht und lässt seiner Kreativität freien Lauf. So wurde Ende Oktober in der Jahrhunderthalle zwei Mal sein großer Tisch aufgebaut: 120 Meter lang, 2 Meter breit. Platz gab es für 650 Leute, leider kamen nicht so viele, um sich das Spektakel anzuschauen, mit zu feiern und zu genießen.

Laufsteg, Tisch und Bühne in einem

Dieser lange Tisch wirkte mehr wie ein Laufsteg. Er diente auch nicht nur für die Mahlzeit, sondern ebenso als Bühne und Servierplatz. Oben auf dem Tisch standen neben Brot, Geschirr, Besteck sowie Getränken das Bedienungspersonal. Sie liefen in der Mitte des Tisches und bedienten von hier oben die Gäste, die an beiden Seiten verwundert aufschauten, was denn da alles auf sie zukam. Und das waren nicht nur Speisen.

Künstler, Köche, Kellner

Auf dem Tisch wurde gesteppt, getanzt, Silent Disco angeboten, Poetry Slam präsentiert und ein Küchenperformancetheater aufgeführt. Und zwischendurch gab es immer mal wieder einen neuen Gang aus der Küche des Portugiesen. Er lief selbst den langen Tisch entlang, um hier und da noch ein wenig Kräuter oder Käseschnitzel über das Servierte zu streuen oder einfach mit den Gästen zu reden und zu schauen, ob alle zufrieden sind.

Vier-Gänge-Menü

Das Menü hatte vier Gänge: Brot wurde dazu gereicht. Zu Beginn gab es eine Soße mit Gehackten und köstlichen Gewürzen abgeschmeckt, ebenfalls Olivenöl für das Brot. Ein Teller diente immer gruppenweise für ca. acht Personen. Der oder die erste bekam diesen Teller gleich mit dem Auftrag vorgesetzt: anschließend bitte alles weiter zu reichen. Käse mit Cranberries, Rosmarin, Aprikosen, Seetang, Rauchwurstscheiben mit schwarzem Trüffel und flüssigem Honig waren geschmackvoll auf dem Teller angerichtet. Eine interessante Kombination! Dazu viele Trauben, grüne und blaue - auch was fürs Auge.

Vorspeisen

Anschließend gab es kleine Plastiksektkelche mit Brühe. Der große Suppentopf wurde mit Hilfe eines Seils über den Tisch gezogen und dann jeweils vor den Gästen mit großer Kelle die Brühe ausgeschenkt und mit einem Zitronenmelisseblatt verziert. Wem es sehr gut schmeckte, bekam auf Wunsch auch Nachschlag.

Schon gab es den nächsten großen voll angehäuften Teller: kalte Vorspeisen mit Champignons, in Koriander und Apfelsinensud mariniert, Artischocken, gegrillte Paprika mit Fetakäse, Rucolasalat mit Mandeln - ein Genuss.

Pasta und mehr

Doch das Hauptgericht fehlte ja noch. Dies wurde in großen Pfannen serviert: Nudeln mit Kerbel, Wasabiziegenkäse und Balsamico, dazu in separater Schale mit viel Zitrone: gegrillte Gambas. Es war üppig gerechnet. Die Pfannen wurden nicht leer, obwohl viele mehrmals zugriffen und immer wieder die Pfannen an die Nachbar/in weiter reichten. Wer hungerte, war selber schuld!

Schokoladenstücke

Und zu guter Letzt hatte sich Amaro noch eine besondere Nachspeise ausgedacht: Guadaloupe-schokolade - in Form einer Marienfigur gegossen, eine Schokoladen-Maria. Diese große Figur wurde nun langsam wieder mit einem Messer bearbeitet und die kleinen Stücke direkt von der Hand in den Mund den Gästen serviert. Das war nichts für Leute mit Berührungsängsten oder allzu hygienisch penible Zeitgenossen. Doch dieselben mochten wohl schon nicht von dem Laufsteg-Tisch essen, weil hier Laufen, Tanzen, Essen - alles nebeneinander statt fand.

Mittendrin die Küche

Und Einblick in die Küche gab es zusätzlich, denn sie bildete das Zentrum dieses Laufstegaufbaus: ein Bretterverschlag mit Regalen und säuberlich sortierten Zubehör, einem Herd mit den dampfenden Köstlichkeiten und viele eifrige Weißgekleidete die mit Amaro im Akkord zubereiteten und servierten.

Premiere dieser ungewöhnlichen Mahlzeit war nicht in Bochum, sondern schon 2009 in New York. Der Tisch wurde von Piet Heijneek entworfen, in den Brinkhof Studios gebaut und zusammen mit Terts Brinkhof der Boulevard of Broken Dreams konzipiert.

Restaurantidee

Es ist eine gute Idee und schreit nach Wiederholung. Vielleicht gibt es mutige Restaurantchefs, die ähnlich ein Restaurant entwerfen: als Laufsteg mit viel Kultur zwischen Kulinarischem. Es braucht nicht viel Auswahl, irgendwas ist immer dabei, was schmeckt.

Auch die Getränkeauswahl war einfach gehalten: Cola, Bier, Weißwein, Wasser - geht doch. Kein Problem. Es beschwerte sich niemand. Die Anwesenden hatten Spaß und genossen diese neue Art serviert zu werden und in einer großen Gruppe gemeinsam die Mahlzeit zu genießen.

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