
- DDr. Christa Kolodej - privat
Der Hausarzt zählt in der Regel zu den ersten Ansprechpartnern für von Mobbing Betroffene. Die Autorin sprach mit Mag. DDr. Christa Kolodej vom Zentrum für Mobbingberatung und Konfliktlösung am Arbeitsplatz in Wien über Vorsorge, Symptome und Hilfsangebote.
Suite101: Welche Probleme gesundheitlicher Natur können sich aufgrund von Mobbing zeigen?
Kolodey: Die Beschwerden können von Konzentrationsproblemen bis zu schwerwiegenden Angstproblematiken, Depressionen und Selbstmordgedanken reichen. Mobbingerlebnisse haben bei lang anhaltender Dauer eine dermaßen traumatisierende Wirkung, dass sie mit normalen psychischen Kräften nicht mehr bewältigt werden können. Die Folge ist das Auftreten auch schwerwiegender physischer Folgeerscheinungen, die von Kopf- und Magenschmerzen, Übelkeit, Schweißausbrüchen, Ein- und Durchschlafstörungen bis zu Herz- und Kreislaufproblemen gehen können. Einen wertvollen Überblick kann Ärzten mein Buch „Mobbingberatung“ (facultas Verlag) bieten. Es enthält viele interessante Fakten und Fallgeschichten.
Suite101: Wie wichtig sind Ärzte als Ansprechpartner bei Mobbing?
Kolodey: Sehr wichtig! In der Regel wenden sich Betroffene mit ihrem Problem zunächst an Freunde und Familienangehörige. Dann kommen jedoch gleich – das ist auch wissenschaftlich bestätigt – die Hausärzte. Sie sollten hellhörig sein, zeigen, dass sie die Probleme ernst nehmen. Eine verständnisvolle ärztliche Begleitung ist für Betroffene wichtig. Gleichzeitig sollten sie jedoch auch an psychologisch beratende Personen verwiesen werden, die ihnen helfen können, das Arbeitsplatzproblem zu lösen. Das können Supervisoren, Mobbingberater, Psychologen sein.
Suite101: Kommt Mobbing auch in Arztordinationen vor, und wie kann man vorbeugen?
Kolodey: Durchaus, aber mehr noch in Spitälern, aufgrund der hierarchischen Strukturen dort. Konflikte sind ein natürlicher Bestandteil des Arbeitslebens. Die Frage ist, wie man sie bewältigt. Passiert dies konstruktiv, kommt es zu einer Stärkung des Teams und zu einer kooperativen Arbeit. Werden Konflikte nicht bewältigt, so können Mobbingproblematiken die Folge sein. Die beste Vorsorge ist, wenn der Arzt seinem Team Supervision anbietet. In der Supervision können Konflikte, mal mit und mal ohne Chef, behandelt werden, bevor sie eskalieren.
Suite101: Was tun, wenn bereits eine Mobbingproblematik in der Ordination vorliegt?
Kolodey: Ich würde dem Arzt empfehlen, ein Coaching oder eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Ein Arbeitgeber muss aufgrund seiner Fürsorgepflicht den Arbeitnehmern gegenüber bei Mobbing immer einschreiten! Er hat dabei rechtlich verschiedene Möglichkeiten, die von einer Verwarnung oder Versetzung bis hin zur Kündigung und Entlassung reichen. Darüber hinaus sollte der Arzt ein Konfliktmanagement anbieten, um Mobbingprozesse in Zukunft zu verhindern. Da kommt wieder einer angemessenen Supervision eine wichtige Rolle zu.
Tipp: Die Österreichische Vereinigung für Supervision hat eine Broschüre herausgegeben: „Mobbing…was tun? Informationen für ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen“. Tel. +43/1/533 08 22.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – nicht ersetzen kann
