"Schule sollte nicht dominieren"

Interview mit dem Direktor einer "Elite-Schule"

Dr. Siebner - Gabriele Hefele
Dr. Siebner - Gabriele Hefele
Das Jesuiten-Kolleg St. Blasien, feiert demnächst 75-jähriges Bestehen. Direktor Dr. Johannes Siebner stand Rede und Antwort in dieser Zeit der Bildungsdiskussion.

Wie würden Sie Ihr Kolleg St. Blasien im Schwarzwald, das demnächst 75jähriges Bestehen feiern kann, beschreiben ?

Wir sind eine Privatschule, staatlich anerkannt, wir sind Tagesschule und Internat, haben insgesamt 900 Schüler, davon 340 im Internat, wir sind damit unter den katholischen Internatsschulen die größte, sind auch Regelschule für die Region. Als Direktor bin ich zuständig für 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – 80 Lehrer, 30 Erzieher und 70 Mitarbeiter im nicht-pädagogischen Bereich.

Nehmen Sie auch Mädchen auf ?

Seit 1989 nehmen wir auch Mädchen im Internat auf, Tagesschülerinnen gab es schon in den 70er Jahren.

Wie stehen Sie zu der wieder aufkommenden Diskussion der getrennt geschlechtlichen Erziehung, der Mädchenförderung ?

Also im Moment müsste man eigentlich mehr der Jungenförderung das Wort reden! Ich beobachte als Pädagoge, dass die Mädchen in der Entwicklung fast immer etwas voraus sind. Meine Lieblingsschule würde so aussehen: erstens doppelt so groß, Mädchen und Jungen die ersten drei Klassen, also 5. bis 7. Klasse, zusammen unterrichten, dann in der Pubertät trennen, wo die Mädchen auch biologisch einen Riesenschritt nach vorne machen, und in der Oberstufe wieder zusammenführen.

Haben Sie an Ihrer Schule auch Schuluniformen eingeführt ?

Haben wir, aber auf freiwilliger Basis. In einem sehr strengen und regulierten Umfeld soll den Jugendlichen nicht auch diese Weise, sich auszudrücken zwangsläufig genommen werden. Unsere Idee: wir bieten eine günstige Schulkleidung in hoher Qualität an – und, siehe da: die große Mehrheit der Jugendlichen nimmt die Schulkleidung an.

Sind Sie eine so genannte Eliteschule?

Ach, mit dem Etikett „Elite“ muss man aufpassen, einige von uns kokettieren damit. Aber was sind die Kriterien von Elite, wie will man das eigentlich messbar machen? Ich nenne uns nicht so, ich sage: Wir sind eine gute Schule. Wir haben uns mehr zum Ziel gesetzt, dass man bei uns „Kultur lernt“, deshalb hört bei uns der Unterricht mittags auf, wir nehmen dann aber den Samstagvormittag noch dazu. Der Nachmittag soll der Musik, dem Sport, dem Theater gehören, je nach Begabung der Schülerinnen und Schüler. Man muss Schule so gut machen, dass sie nicht das ganze Leben der Jugendlichen dominiert.

Haben Sie auch ausländische Schüler am Kolleg ?

Seit 1994 bieten wir sehr erfolgreich die Euroklasse an. Der einjährige Besuch der Euroklasse soll Schüler mit der deutschen Sprache so vertraut machen, dass sie am Ende des Gastschuljahres an der Prüfung "Zertifikat Deutsch" oder an der "Zentralen Mittelstufenprüfung" des Goethe-Instituts teilnehmen können. Die meisten Schülerinnen und Schüler der Euroklasse kommen aus Frankreich und aus dem großen hispanischen Raum ans Kolleg. Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, diese Schüler sind meist ausgesuchte, „hungrige“ Leute, denen man die Bildung nicht erst hinterher tragen muss. Aber es kam auch schon vor, dass wir einen Austauschschüler zurückgeschickt haben, weil er das immerhin teure Stipendium nicht ernst genug nahm.

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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