"Beim Leben meiner Schwester" – neu im Kino

Mehr Kitsch als Medizin-Moral – lobenswerter Ansatz verschenkt

Wie weit darf man gehen, um ein Leben zu retten? US-Schauspielerin Cameron Diaz spielt eine kämpferisch-verbissene Mutter, die ihr todkrankes Kind nicht loslassen will.

Von einem Kinofilm mit Cameron Diaz erwartet man normalerweise keine schwere Kost. Wer ihre Filme wie "Verrückt nach Mary" oder "An jedem verdammten Sonntag" im Hinterkopf hat, tut sich schwer damit, ein ansprechendes Drama unter ihrer Führung für möglich zu halten. Die Vorbehalte werden bestätigt. Thema: Wie weit darf der Mensch gehen, um ein Leben zu retten? Diaz spielt in "Beim Leben meiner Schwester" eine kämpferisch-verbissene Mutter, die ihr todkrankes Kind nicht loslassen will.

Verfilmung des Bestsellerromans von Jodi Picoult

Regisseur Nick Cassavetes hat für die Verfilmung des Bestsellerromans von Jodi Picoult stimmige Symbole gefunden, schöne Bilder und viele authentische Momente aus dem Alltag einer Familie, die das schmerzvolle Auf und Ab einer Krebserkrankung leben muss. Doch Herz, Schmerz und Mitleid heischende Kliniksituationen drängen das ethische Grundthema unnötig an den Rand: die Selbstbestimmung über den eigenen Körper wird zum Nebenaspekt – obwohl es doch das Leitmotiv sein soll.

Diskussion um "Menschliche Ersatzteillager" wird kaum bereichert

Kates Schwester Anna wurde im Reagenzglas als genetische Entsprechung gezeugt, um Ersatzteile zu liefern. Doch als Anna (stark: Abigail Breslin) nach vielen Stammzellen auch noch eine Niere spenden soll, hat sie die Nase voll und sucht sich einen Anwalt. So wenig glaubwürdig es ist, dass eine Minderjährige diese Weitsicht besitzt, so konstruiert stellen sich die Konsequenzen dar: Mutter (Diaz – völlig fehlbesetzt) und Tochter streiten sich vor Gericht, dass die Fetzen fliegen.

Wirklich schade, dass sich der Fokus der Handlung nach einem spannungsvollen provozierenden Einstieg zum thematisch relevanten Drama verschiebt. Im Kinosaal werden vermutlich Tränen fließen. Doch die vor allem unter unseriösen Wissenschaftlern diskutierte Frage nach Klonkindern als menschliche Ersatzteillager ist wenig bereichert worden.

Misslungenes Kratzen an der Oberfläche

Der Streifen wirft zwar interessante Fragen über körperliche Selbstbestimmung und die Möglichkeiten neuer medizinischer Verfahren, wie der (in Deutschland nicht erlaubten) Präimplantations-Diagnostik auf, kratzt also an Problemen von Ethik und Wissenschaft, von Möglichkeit und Verbot – verfolgt sie aber nicht weiter. Der Film will nicht das Tabu, sondern die Tränen. Was manchmal auch klappt, schließlich ist es eine traurige Geschichte, und Cassavetes weiß ganz genau, welche Knöpfe er drücken muss.

Film wird dem ernsten Thema nicht gerecht

Oft aber wird eine Szene einfach nur so lange ausgedehnt, bis es wirklich zum Weinen ist: Eine Sequenz am Strand mit der noch einmal glücklich vereinten Familie schneidet ein lachendes Gesicht hinter das nächste, einen verständnisvollen Blick neben den anderen, eine Einstellung des Sonnenuntergangs über die folgende. Fazit: Dem ernsten Thema wird dieser verschenkte Versuch ganz und gar nicht gerecht. Völlig vergebene Liebesmühe, bei der man mit einem schlechten Bauchgefühl das Kino verlässt. Dann doch lieber sein Geld für Horst Schlämmer sparen. Da weiß man wenigstens, was man dafür bekommt.