Lichtdesigner agieren oft so, als sei die richtige Beleuchtung das einzig Ausschlaggebende, das den Kunden bei der Kaufentscheidung beeinflusst. Das mag ein wenig übertrieben klingen, richtig ist aber, dass gutes Licht ein wesentlicher Faktor bei Verweildauer, Auswahl und Kauferlebnis ist. Vorerst Grundsätzliches kurz erklärt: Man unterscheidet prinzipiell zwischenNotbeleuchtung, Grundbeleuchtung und Akzentbeleuchtung.
Die Notbeleuchtung erzeugt das Mindestmaß an Licht, das der Mensch braucht, um im Falle eines Ausfalls der sonstigen Beleuchtung zu den Fluchtausgängen zu finden. Die Stromversorgung dieser Leuchten hat entweder über Batterie oder einem eigenen Stromkreis von einem Notstromaggregat aus zu erfolgen. Eine USV Anlage (unterbrechungsfreie Stromversorgung) ist dort notwendig, wo es zu keinerlei Spannungsabfall kommen darf, bevor das Notstromaggregat gestartet hat. Das betrifft vor allem sensible Anlagen in Spitälern u.ä., im Shop werden üblicherweise so die Kassensysteme am Leben erhalten und Datenverlust vermieden. Die Notleuchten selbst können entweder eigene Leuchten sein (mit Batterie oder am Notfallstromkreis) oder einige Leuchten der Grundbeleuchtung werden an den Notfallstromkreis gehängt.
Die Grundbeleuchtung sorgt für gleichmäßiges Licht
Eine gute Grundbeleuchtung sorgt für Wohlbefinden. Einige Zeit war es üblich, die Lux (Einheit der Beleuchtungsstärke, wird in Lux/m² gemessen) Anzahl nach oben zu schrauben, bis Verkaufsflächen in gleißendem Licht erstrahlten. Dies erzeugt zwar den Eindruck von Sauberkeit und Ehrlichkeit, trägt aber nicht unbedingt zum Wohlbefinden bei.
Besonders ältere Menschen empfinden zu starkes Licht als unangenehm
In unseren Breiten hat sich das Grundlicht bei ca. 350 Lux/m² eingependelt. Je weiter südlich man kommt, desto heller werden die Geschäfte, meist auch verbunden mit hellen, harten Materialien. Eine zu dunkle Umgebung würde dort beim Kunden ein unangenehmes Hitzegefühl erzeugen - was eigentlich absurd ist, da so gut wie alle Leuchtmittel extrem Wärme abgeben, aber der Mensch ist kein logisches Tier.
Inwieweit der Lux-Wert der Grundbeleuchtung gegenüber den 350 Lux abgeändert werden sollte, hängt - außer vom Breitengrad – vor allem vom Einsatz der Akzentbeleuchtung ab.
Die Akzentbeleuchtung transportiert Emotionen und verleiht Wertigkeit
Sie setzt – wie der Name schon sagt – eben Akzente. Das Mittel zu diesem Zweck sind üblicherweise Strahler, die je nach Flexibilität der Warenpräsentation entweder verschiebbar auf Stromschienen geklemmt oder fix an der Decke montiert sind. Auch die fix – meist in abgehängten Decken – eingebauten Strahler wurden in den letzten Jahren in schwenkbarer Ausführung erzeugt. Dabei hat sich die kardanische Aufhängung (frei im Raum drehbar) durchgesetzt. Damit können auch von einem fixen Punkt aus verschiedene Warenbilder und Dekorationen hervorgehoben werden. Im wesentlichen gibt es die Varianten eng/breit strahlend – das regelt sich vor allem über den Reflektor des Strahlers - warmes/kaltes Licht – dafür ist die Wahl des Leuchtmittels zuständig, z.B. CDM-T für tageslichtähnliches Licht mit guter Farbwidergabe – und unterschiedliche Beleuchtungsstärke – das ist vor allem eine Frage der eingesetzten Watt, aber auch der Wahl des Leuchtmittels.
Glühbirnen sind out
weil sie fast nur Wärme erzeugen und dafür sehr wenig (aber auch sehr warmes, heimeliges) Licht. Das gängige Leuchtmittel für Strahler sind die verschiedenen Metalldampflampen, die sich in Lichtfarbe und Echtheit der Farbwidergabe unterscheiden. Für die Grundbeleuchtung sind noch immer vor allem Leuchtstofflampen am meisten verbreitet. LED Technologie ist gerade im Kommen, wird aber mangels Leuchtstärke und dank hoher Kosten nach wie vor nur für Spezialeinsätze verwendet.
Emotion über starke Differenzen in der Lichtlandschaft
Die Emotionalisierung, die Anfangs angesprochen wurde, passiert vor allem über starke Unterschiede in der Beleuchtung. Nur darüber lassen sich einzelne Waren oder Warengruppen als Highlights hervorheben. Das geht bis zu Extrema von fast komplett abgedunkelten Räumen und Einsatz von ausschließlich engstrahlenden Spots. Die Gefahr dabei ist offensichtlich: alles, was sich außerhalb des Scheinwerferkegels befindet, verliert an Wertigkeit.
