Beliebte Vornamen

Welche Namen Eltern am häufigsten für ihre Kinder wählen

Regelmäßig veröffentlicht die Gesellschaft für deutsche Sprache eine Liste der beliebtesten Vornamen. Und was bedeutet diese Statistik?

„Anna, komm her!“, ruft eine Mutter beim Kinderturnen. Und gleich drei kleine Mädchen drehen sich um. Eine Szene, die Eltern gerne vermeiden würden. Und doch: Wenn Anna nun mal der Lieblingsname ist...

Jedes Jahr im Februar veröffentlicht die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden eine Liste der beliebtesten Vornamen. Anna und Sophie, Marie und Lena sind seit Jahren vorn dabei, genauso wie Alexander und Maxmilian, Leon und Lukas. Herr dieser Liste ist Dr. Gerhard Müller, Sprachwissenschaftler und Namenberater bei der GfdS und seit vielen Jahren zuständig für die Vornamen.

Beliebte Listen aus Wiesbaden

Den ganzen Januar über rattert sein Fax, füllt sich die Mailbox in seinem Computer: Etwa 180 Standesämter aus ganz Deutschland schicken ihre Namens-Statistiken aus dem vergangenen Jahr nach Wiesbaden, manche nur die Top Ten, andere lange Tabellen mit allen Namen, die überhaupt vergeben wurden. Alle eintreffenden Namen gibt Müller akribisch in seinen Computer ein – und heraus kommt die Namenliste, die fast jede Zeitung druckt, die sogar manchmal über die Fernsehnachrichten verkündet wird – und nach der viele Eltern entscheiden, ihre Kinder so oder eben bewusst nicht so zu nennen. Zweitnamen übrigens gelten genauso wie Erstnamen - eine Laura Marie also taucht sowohl bei Laura als auch bei Marie auf.

Die Lieblings-Namen: Gar nicht so häufig

Aber was bedeuten diese Listen? Heißt es, dass die halbe Schulklasse am Ende „Lena“ heißt? „Nein, so ist es nicht“, beruhigt Müller alle Lena-Fans. „Es ist statistisch ungefähr so, dass etwa drei Prozent der Mädchen und etwa zwei Prozent der Jungen eines Jahrgangs den beliebtesten Vornamen tragen.“ Das heißt: Drei bzw. zwei von hundert – also durchschnittlich längst nicht mal eines pro Schulkasse. Insgesamt tragen ungefähr zwanzig Prozent aller Kinder einen der zehn beliebtesten Vornamen.

Das Namensspektrum wird größer

„Heute ist die Namenverteilung sehr breit“, weiß Müller. „Insgesamt werden in ganz Deutschland mehrere tausend Vornamen vergeben.“ Und es werden immer mehr – durch Reisen lernen Eltern fremde, exotische Namen kennen, Einwanderer bringen Namen aus ihrer Heimat mit, im Internet und überhaupt durch die Medien kommen Eltern auf ganz neue Ideen. Heute ist die absolute Häufigkeit einzelner Vornamen also deutlich geringer als noch vor einigen Jahrzehnten. Hinzu kommt, dass die regionalen Unterschiede beträchtlich sind: Waren im bayerischen Traunstein 2006 die 20 beliebtesten Vornamen fast ausschließlich christliche Klassiker – sogar Josef war vorne dabei -, so schaffte es im multikulturelleren Rüsselsheim „Elif“ neben Sophie auf Platz 1.

Alte Namen - neue Namen

Interessant ist übrigens ein Vergleich zwischen alten und neuen Namensstatistiken: Längst gehören einige Vornamen wieder zu den Favoriten, die es auch vor hundert Jahren gab – Anna und Marie, Charlotte und Emma, Carl und Paul. „Woran das genau liegt, kann ich auch nicht sagen“, gibt Gerhard Müller zu. „Vor allem nicht, warum einige Namen wieder auftauchen und andere nicht: Gertrud und Erna fehlen heute zum Beispiel völlig, obwohl sie vor hundert Jahren zu den beliebtesten gehörten.“

Comeback für Hildegard und Horst?

Und was ist mit den Vornamen heutiger Eltern und Großeltern? Hildegard und Horst, Doris und Holger, Dagmar und Bernd wird heute kaum ein Kind genannt. Stefanie, Daniela und Sandra rangieren zwischen Platz 100 und 200 in der Gesamtstatistik; Christian, Stephan und Andreas immerhin unter den ersten hundert. Werden auch diese Namen irgendwann wieder groß herauskommen? Orakel spielen mag Gerhard Müller nicht, aber: „Man kann davon ausgehen, dass einige von ihnen wieder beliebter werden – aber eben nur einige. Welche das sind? Das muss man abwarten. Das kann niemand vorhersagen.“

Die Statistiken der beliebtesten Vornamen finden sich bei der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Miriam Elmers , Miriam Elmers

Miriam Elmers - ...geboren 1971 im ostwestfälischen Bad Driburg. Schon als Kind war mir eigentlich klar, was ich im Leben am liebsten will: ...

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