Einen grausig-kalten Winter lang stand der Karmann Ghia TÜV-los in seiner Garage. Ist das Streusalz weggespült, alle Reifen auf korrekten Luftdruck geprüft und die Batterie aufgeladen, kann er endlich vorfahren. Mit den netten TÜV-Prüfern entspinnt sich sofort ein Benzin-Gespräch, denn wer einen Oldtimer fährt, wird von vielen Menschen gern freundlich angesprochen. Wie lange fährt die Ghia-Fahrerin schon ihren Oldtimer, existiert noch der Original-Brief, gibt es einen Karmann Ghia-Stammtisch? „Alles Original, zweite Hand und es gibt den Käferstammtisch München.“ Dann berichtet die Fahrerin von der Übergabe des Volkswagens im Jahr 1982, als der Wagen 11 Jahre alt war. Die erste Besitzerin hatte Tränen in den Augen, als sie die Autoschlüssel an der Kraftfahrzeugzulassungsstelle übergab. Sie hatte den Karmann Ghia 11 Jahre gefahren, wollte sich einen Scirocco (Volkswagen) kaufen. Dann wechselten Brief und Schlüssel die Eigentümerin. „Es sollte unbedingt eine Frau sein, die den Karmann Ghia bekommt“, erinnert sich die glückliche Käuferin an einst. „Heute fahren immer mehr Frauen mit ihrem Oldtimer beim TÜV vor“, erzählt der Prüfer und fragt an, „ob beim Oldtimerstammtisch auch Frauen vertreten sind.“ Während die Abgasprüfung vonstatten geht, erzählt der TÜV-Mann, dass zurzeit deutschlandweit 40 Millionen Fahrzeuge zugelassen sind. „Das sind alle KFZ, die über das Kraftfahrtbundesamt registriert sind, auch Anhänger. Von diesen 40 Millionen sind insgesamt 400.000 Oldtimer registriert. Die meisten Oldtimerfahrer besitzen einen Käfer oder einen Benz. Derzeit rollen rund 70.000 Käfer, Benz-Klassiker (W127 und Strich-Acht) und andere Oldtimer über deutsche Straßen. Damit ist Deutschland auch auf dem Terrain der Oldtimer eine, der größten Autofahrernationen.Der Ghia wird auf Herz und Nieren geprüftBeim Thema Abgas bei Oldtimern rümpfen viele die Nase. Was diese Menschen jedoch nicht zu wissen scheinen, ist, dass der CO2-Austoß aus der Massentierhaltung weitaus höher liegt, als der Ausstoß des gesamten Autoverkehrs. Diese Tatsache sollten sich Abgas-Nörgler einmal bei ihrem nächsten Schweinsbratenverzehr auf der Zunge zergehen lassen. Nach einen kleinen Kraftakt beim Öffnen des Motorraums - der Hebel dazu befindet sich neben dem Notsitz, checkt der Prüfer den Vergaser und stellt erfreut fest: „Das passt, laut Verordnung ist alles richtig eingestellt.“ Nach dem Abgastest durchläuft der Oldtimer alle TÜV-Stationen wie ein normales Kraftfahrzeug.Oldtimer sind meist in guten Zustand und erhalten beim Vorführen die PlaketteDie meisten Oldtimerbesitzer pflegen das, ihnen ans Herz gewachsene Gefährt. So schneidet auch der vor Kurzem voll-restaurierte, Garagen-gepflegte Karmann Ghia an allen Prüfstationen mit gut ab. Dass die Kofferraumhaube vorne nicht sofort aufspringt, belustigen Fahrerin und Prüfer. „Nach 41 Jahren Gebrauch kann schon mal etwas klemmen“, witzeln die Umstehenden. Dafür surren die neuen Reifen auf dem Prüfstand sauber dahin, der Prüfer musste sich im kleinen Wagen allerdings den Sitz auf das letzte Loch nach hinten verstellen, damit er Platz nehmen konnte. Beim Durchleuchten von unten stößt der TÜV-Prüfer ein „Wow„ aus. Da schlackert nichts, auch an Achsen und Radläufen nicht. Ein kurzer Leuchten- und Blinkertest beweist: auch für die nächtliche Ausfahrt ist der Oldtimer gut gerüstet. So rollt der technisch geprüfte Wagen mit dem klassischen Design des Italieners Luigi Segre aus der Halle heraus und empfängt für zwei weitere Jahre seine TÜV-Plakette. „Gleich neben unserer TÜV-Prüfstelle befindet sich die BMW-Classic Lagerhalle. Dort drin stehen tolle Oldtimer-Motorräder und Classic-Cars“, verweist der Prüfer, der selbst zwei Youngtimer - einen M5-BMW und einen M3-BMW besitzt, auf das angrenzende Haus.Oldtimerstammtische versammeln GleichgesinnteZur Sommerausfahrt kommen Gefährte vom englischen MG bis zum hochgetunten VW-Käfer, Frauen mit Cabrios oder Mexiko-Käfern oder Herren mit Classic-Motorrädern. Die Gruppe der Stammtischler macht sich von München aus in Richtung Saloniki (griechisches Restaurant) in Amperpettenbach auf den Weg durch die sommerliche Natur. Im griechischen Biergarten berichten die Oldtimerfans von Neuerwerbungen (ein E30 M3 mit S14 Motor und ein Maserati Ghibli), wechseln Oldtimerzeitungen den Besitzer oder es machen ulkige Erzählungen, wie diese, die Runde: „Bei der Vorführung eines Oldtimer-Busses hat ein Prüfer doch glatt in den Prüfbericht reingeschrieben, daß die Heckscheibenwaschdüse nicht korrekt eingestellt war.“ Zum nächsten Benzingespräch am Stammtisch trifft sich die Oldtimerrunde einen Mond später.

Kontakt: www.kaeferstammtisch-muenchen.deQuelle

Blitzinterview mit TÜV-Prüfer.