Berblinger Flugwettbewerb: zwei erste Plätze und ein Sonderpreis

Die Antares 20 E - Lange Aviation GmbH
Die Antares 20 E - Lange Aviation GmbH
Zur Erinnerung an den Schneider von Ulm fand am 15./16. April 2011 der Berblinger Flugwettbewerb statt. Am Sonntag, 17. April wurden die Preisträger geehrt.

Am 31. Mai 2011 jährt sich Albrecht Berblingers missglückter Flugversuch über die Donau zum 200. Mal. Lange wurde der Schneider von Ulm verspottet. Erst viel später erkannte man, wie weitblickend er war. Heute gilt er vielen als Pionier des Gleitflugs. Wie ehrt man einen solchen Mann am besten? Die Stadt Ulm entschied sich dafür, einen Berblinger Preis für innovative und zugleich umweltfreundliche und nachhaltige Entwicklungen in der Allgemeinen Luftfahrt zu vergeben und zum Beweis der Praxistauglichkeit dieser Entwicklungen in Abständen einen Flugwettbewerb zu veranstalten. Im Jubiläumsjahr fand nun am Freitag, 15. und Samstag, 16. April im Rahmen der Luftfahrtmesse AERO in Friedrichshafen wieder ein Flugwettbewerb statt. Die Preisträger wurden am Sonntag, 17. April, im Ulmer Rathaus bekannt gegeben. Mit je 45.000 Euro prämiert wurden die Antares 20 E von Lange Aviation und Sunseeker II von Irena und Eric Raymond. Einen Sonderpreis von 10.000 Euro erhielt Manfred Ruhmers Swift-light Electric.

Gefragt: innovative Technologien

Gesucht wurden per Ausschreibung Teilnehmer, deren ein- oder mehrsitzige Flugzeuge eine für die Zukunft vielversprechende Technik und Bauweise bei Konstruktion und/oder Antrieb aufweisen, wobei Umweltfreundlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit besonders zu berücksichtigen waren. Da man diese Ziele auf mehrerlei Weise erreichen kann, nehmen auch die neuesten technischen Entwicklungen in der Fliegerei unterschiedliche Wege. Wie die Stadt Ulm in einer Pressemitteilung erläuterte, berücksichtigte die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Ing. Otto Künzel dies und so gab es zwei erste Plätze und einen Sonderpreis. Das Hochleistungssegelflugzeug Antares 20 E von Lange Aviation in Zweibrücken hat ein lärmarmes, ökologisches Antriebssystem. An Konstrukteur Axel Lange gefiel der Jury auch, dass er seine Idee, Rückschlägen zum Trotz, „ganz im Sinne Berblingers“ konsequent verfolgte. Geflogen wurde das Flugzeug, es hat 20 Meter Spannweite und wird von einem Elektromotor mit 42 Kilowatt angetrieben, von Stefan Senger.

Bei Sunseeker II handelt es sich um einen solarbetriebenen Motorsegler in Leichtbauweise. Mit diesem Segler wurde, so die Jury, gezeigt, dass auch Langstreckenflüge unter ausschließlicher Nutzung von Solarenergie möglich sind. Konstrukteur Eric Raymond, ein Amerikaner der in Radovljica in Slowenien lebt, gilt als Pionier des Solarflugs. Die Sunseeker II ist einsitzig und hat eine Spannweite von 15 Metern. Mit dem Sonderpreis, den der Österreicher Manfred Ruhmer aus den Händen von Oberbürgermeister Ivo Gönner entgegen nehmen durfte, honoriert die Jury das Bemühen, auch einfache, preisgünstige Flugzeuge mit umweltfreundlichem elektrischem Antrieb auszurüsten. Das mehrsitzige zirka 30.000 Euro teure Ultraleichtflugzeug Swift-light Electric wird von der Firma ICARO aus Italien vertrieben.

Wetterprobleme fordern zwei Wettbewerbstage

An den Start gegangen waren in Friedrichshafen 13 Flugzeuge. Sie waren von insgesamt 36 Bewerbern aus sechs Ländern letztlich übrig geblieben. Während ein paar Flugzeuge nur über dem Flughafen kreisten, flogen acht Flieger, unter ihnen auch die Preisträger, von Friedrichshafen nach Ulm, wo sie am Oberen Kuhberg wendeten und zurück flogen. Eigentlich sollte der Wettbewerb an einem Tag absolviert werden. Vorgesehen war der Freitag, 15. April, der darauf folgende Samstag galt als Ausweichtag, falls das Wetter die Fliegerei am Freitag verhindern sollte. Letztlich war es so gekommen, dass der Wettbewerb wie geplant am Freitag gestartet wurde, dann jedoch wegen Windes abgebrochen werden musste. Die restlichen Teilnehmer flogen am Samstag.

Dritter Berblinger Flugwettbewerb

Der diesjährige Berblinger Flugwettbewerb war der dritte. Der erste fand zum 175. Jahrestag des Flugversuchs Albrecht Ludwig Berblingers im Jahr 1986 statt. Damals gedachte die Stadt Ulm, den lange verlachten Schneider auf besondere Weise zu ehren, nämlich mit einem Flugwettbewerb bei dem es galt, mit einem Fluggerät, das jenem Berblingers nachempfunden war, die Donau zu überqueren. Nachdem dies einem Teilnehmer, Holger Rochelt, auch gelungen war, stand fest, dass des Schneiders Fluggerät prinzipiell tauglich war. In erster Linie waren es die thermischen Verhältnisse über der Donau, die ihn abstürzen ließen. Aus diesem Wettbewerb entstand die Idee des Berblinger Preises. Da man einem so weitsichtigen Mann wie Albrecht Berblinger nicht gerecht geworden wäre, hätte man regelmäßig Teilnehmer mit altertümlichen, dem seinen nachempfundenen Fluggeräten, über die Donau fliegen lassen, honoriert die Stadt mit dem 1988 erstmals ausgeschriebenen Preis innovative und umweltfreundliche Entwicklungen in der Fliegerei.

1996 wurde dann erstmals die Praxistauglichkeit dieser Entwicklungen getestet, damals mit einem Solarflugwettbewerb. Der nächste Berblinger Flugwettbewerb wird wohl in zehn Jahren stattfinden. Das Berblinger Jubiläumsjahr ist noch nicht zu Ende, die Stadt Ulm hat noch einiges vor. Nach dem Auftakt am 20. März mit einer Lesung aus dem Roman„Fallwind“ von Johannes Schweikle und dem Flugwettbewerb stehen als weitere Ereignisse die Ausstellung „ABHEBEN – die Vision vom Fliegen“ ab 6. Mai im Ulmer Stadthaus und das Festwochenende vom 27. bis 29. Mai an. Dazu kommen zahlreiche Begleitveranstaltungen.

Angela Fehr - Geboren und aufgewachsen im "Ländle", zog ich später nach München, wo ich eine schöne Zeit verbrachte und an der LMU ...

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