Bericht Veldensteiner Festival 23.07.2011

Auch das zweite der drei jährlichen fränkischen Burgfestivals ließ die Herzen der Mittelalter- und Metal-Fans höher schlagen.

Zehn Jahre Veldensteiner – sechs Bands und tausende Fans feierten gemeinsam das Jubiläum eines der beliebtesten Mittelalter- und Metal-Festivals Deutschlands. Eine stimmige Mischung an Bands unterschiedlichster Mittelalter-Stilrichtungen lieferte durchweg gute Auftritte und machte den Geburtstag damit zu einem gelungenen Spektakel.

Musikalische Vielfalt - das Nachmittagsprogramm

Da meinte es Petrus doch noch gut mit Neuhaus an der Pegnitz – nach zahlreichen depressiv stimmenden Wettervorhersagen zeigte sich das Wetter dann doch von seiner gnädigen Seite und sorgte nicht nur für den gelegentlichen warmen Sonnenstrahl, sondern ersparte den Festival-Besuchern auch den feuchten Gruß von oben. Der obligatorische kleine Mittelaltermarkt und die Merchandise-Stände verkürzten die Wartezeit zwischen den Bands und füllten die hungrigen Mägen. Als um 14 Uhr The Sandsacks die Bühne betraten und den etwas undankbaren Job als „Aufwärmer“ übernahmen, verbreiteten sie schnell gute Laune. Die Band brachte die bereits überraschend große Menge an Zuhörern nach kurzer Zeit in Bewegung. Wie so oft bewährte sich der fröhliche Irish Folk als gute Einstimmung für einen langen, musikalischen Tag.

Die nächste Band war Nachtgeschrei, wohl eine der vielversprechendsten neuen Sterne am musischen Mittelalter-Rock-Himmel. Die rasende Entwicklung dieser Band ist erstaunlich, das neue, bereits dritte Album „Ardeo“ fast schon eine Offenbarung, und die während des letzten Jahres gesammelte Bühnenerfahrung tat vor allem Sänger Hotti offensichtlich ziemlich gut. Endlich waren die Ansagen größtenteils kurz und knackig und die Lieder mit gewohnt markanter, aber mittlerweile gefestigter Stimme vorgetragen. Lediglich bei diesem Auftritt schien das mit der Publikumsinteraktion nicht so ganz zu funktionieren, doch bei dieser steilen Lernkurve wird spätestens im nächsten Festivalsommer auch die hinterste Reihe begeistert mitfeiern. Nicht nur Fans sollten diese Band im Auge behalten, in nächster Zeit wird man sicherlich einiges von ihnen hören.

Kontrastprogramm boten die Ritter und Miezen von Feuerschwanz, gerne betitelt als „J.B.O. und Ballermann der Mittelalter-Szene“. Künstlernamen wie Ritter Lanzeflott oder Johanna von der Vögelweide lassen feucht-fröhliche Unterhaltung erahnen, und wer das Glück hatte, sich in die vorderen Reihen gedrängelt zu haben, erhielt eventuell sogar einen Schluck aus den Schläuchen der Metmaschine MAMA, die bei Feuerschwanz-Konzerten traditionell auf die Bühne geschoben wird. Texte über Völlerei, Met und Sex und oft ohrwurmverdächtige Melodien luden zum Feiern im Volksfest-Feeling ein. Ganz klar ein Konzert, bei dem man unglaublichen Spaß hat, sollte man in der Mitte der Menge stehen, doch nur den Kopf schütteln kann, sollte man versuchen wollen, sich das Spektakel von weiter hinten aus anzusehen.

Mit Eluveitie betrat dann schließlich die einzige gutturale Metal-Band des Tages die Bühne. Schnell fiel auf, dass dem Folk-Metal das entscheidende Folk-Element fehlte – die Drehleier. Nach den ersten härteren Songs unterbrachen die Schweizer ihr Programm, um auf die fehlende Anna Murphy hinzuweisen, die sich erst kürzlich eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen zu haben schien. Doch glücklicherweise war sie dennoch mitgekommen und betrat unter Applaus die Bühne, um den instrumentalen Teil des Eluveitie-Auftritts gesanglich einzuleiten, wenn sie auch nicht spielen konnte. Die altertümlichen Instrumente und vor allem der Gesang in der toten Sprache Gälisch versetzte das Publikum zurück in die Zeit der Mythen und Magie. Dass einige Fans die Texte sogar mitsingen konnten, schien Anna ganz besonders zu freuen, und versuchte sich gleich daran, dem verblüfften Publikum einige Zeilen Gälisch beizubringen. Was kaum überraschend nicht sonderlich gut glückte. Schließlich kehrten sie musikalisch wieder in härtere Gefilde zurück, natürlich auch mit dem obligatorischen „Iris Mona“. Die Drehleier fehlte dem geübten Ohr merklich, und es bleibt die Frage, warum nicht (wie in der Szene üblich) andere Drehleier-Spieler gebeten wurden, zumindest bei einigen Stücken spontan als Gast zu begleiten. Genügend fähige Musiker wären schließlich vor Ort gewesen.

Zwei Größen des Genres im Abendprogramm

Der Semi-Headliner 2011 war die Letzte Instanz, schon lange eine der Größen der Szene, und das bewiesen sie auch. Dieser Band ist die Bühnenerfahrung anzusehen und anzuhören, und das Live-Erlebnis ist durchaus besser als die auf CD gepressten Studioaufnahmen. Gekonnt animierten sie das Publikum vor der Bühne, und die erste Welle an Crowd-Surfern erreichte die Security, die im Laufe des Abends noch viel zu tun haben sollte. Trotz offensichtlicher Feierlaune der Musiker, stimmiger Location und kuscheliger Sonnenuntergangsatmosphäre schien das Publikum der hinteren Reihen sich jedoch auch weiterhin bitten zu lassen.

Subway to Sally bildeten schließlich den feurigen Abschluss des Festivals. An Pyrotechnik und Lichteffekten wurde bei diesem Auftritt wahrlich nicht gespart, aber auch musikalisch gaben Eric Fish und Co. ihr Bestes, um dem Publikum ordentlich einzuheizen. Stellenweise wirkte der Auftritt, als wolle sich die Band zwanghaft härter darstellen, als sie es eigentlich ist (bzw. sich entwickelt hat), und der Aufruf zum Circle Pit gegen Ende war eher unnötig. Doch trotzdem war die Wahl des Headliners die richtige, Subway to Sally ist und bleibt nicht zu Unrecht eine der Vorzeigebands des Genres. Bis hin zum obligatorischen „Julia und die Räuber“ hatten sie ihr Publikum stets fest im Griff.

Das Fazit – Ein geglücktes Festival auf durchweg gutem Niveau

Wirkliche Höhepunkte waren auf dem Veldensteiner Festival 2011 nicht zu vermerken, dafür war das Durschnittsniveau hoch genug, um dessen Besucher durchgehend bei guter Laune zu halten und vor allem Neulingen die große Bandbreite des Genres gut näher zu bringen. Durchweg solide bis sehr gute Auftritte der einzelnen Bands hinterlassen jedenfalls einen positiven Eindruck, und so bleibt die Hoffnung, dass das Festival trotz auslaufendem Pachtvertrag auch in Zukunft weiterexistieren wird.

Christina, Christina Greiner

Christina Greiner - Mein Name ist Christina Greiner, ich bin 21 Jahre alt und ich studiere Design an der Georg-Simon-Ohm Hochschule. Meine Schwerpunkte liegen ...

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