Berlin-Brandenburg nach der Ostkolonisation bis heute

Die politischen und territorialen Verhältnisse Berlin-Brandenburgs in ihrer Entwicklung seit der Zeit nach der Ostkolonisation bis nach 1990.

Seit seinem Einzug in Berlin um 1415 residierte der Kurfürst Friedrich I. dort. Berlin galt zu diesem Zeitpunkt schon als Hauptort, nicht mehr Brandenburg. Die wachsende Bedeutung Berlins ist untrennbar mit dem Aufstieg Preußens zur deutschen Hegemonialmacht verbunden. Etwa 500 Jahre lang war Berlin eine Ackerbürger- und später eine eher bescheidene Residenzstadt gewesen. Dies war auch nicht weiter verwunderlich, da sie abseits der großen Handelsströme innerhalb des östlichen norddeutschen Tieflands lag. Eine Lagegunst brachte erst die Entwicklung zum Mittelpunkt des sich entwickelnden kontinentalen Eisenbahnnetzes mit sich. Diese spielte sich im selben Zeitraum des preußischen Aufstiegs ab. Das brandenburgische Territorium erfuhr in dieser Zeit keine wesentlichen Gebietsveränderungen, nur verschiedene Änderungen in der Verwaltung. Im 17. Jahrhundert bezeichnete man das gesamte märkische Territorium als „Chur- und Neumark“. Schon 1640 tauchte jedoch die Bezeichnung „Kurmark“ auf, in die man die Neumark (das Gebiet mit dem Land Sternberg, Crossen mit Züllichau und Cottbus mit Peitz) bald nicht mehr mit einbezog. So hieß die gesamte Mark zu Beginn des 18. Jahrhunderts „Chur und Neumark“. Von 1701 bis zum 2. Weltkrieg ging die Geschichte Brandenburgs in der Geschichte Preußens auf.

Nach dem Einmarsch Napoleons zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Mark Brandenburg erfolgte im Frieden von Tilsit ( 9. Juli 1807) die Abtrennung der Altmark von der Kurmark. Die Altmark sollte wenige Jahre später an die preußische Provinz Sachsen fallen. Mit der Neubildung der preußischen Verwaltung vom 30. April 1815 ging die alte Kur- und Neumark in der preußischen Provinz Brandenburg auf. Nach 1821 war diese in zwei Regierungsbezirke, Potsdam und Frankfurt, unterteilt. Berlin wurde 1871 zur Hauptstadt des geeinigten Deutschlands erwählt.

Während des deutschen Reiches 1871 bis 1945

Berlin war Hauptstadt des „von oben“ geeinten Deutschlands geworden und blieb es bis 1945, nach dem zweiten Weltkrieg, über Kaiserreich, Weimarer Republik und den Nationalsozialismus. Brandenburg war zu dieser Zeit eine Provinz innerhalb Preußens, dessen Eigenstaatlichkeit 1933 endgültig beseitigt wurde. Berlin erfuhr durch die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts sprunghaft angestiegene Industrialisierung, vor allem im Elektrobereich, einen großen Zuzug. Gleiches galt für das brandenburgische Umland. 1920 entstand durch die Eingemeindung vieler umliegender Städte, darunter auch Spandau, „Groß- Berlin“ in den heutigen Stadtgrenzen.

Berlin-Brandenburg im Zuge der deutsch-deutschen Teilung

1945 wurde auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone das Land Brandenburg gegründet. 1952 wurde es – wie alle Länder der Deutschen Demokratischen Republik – wieder aufgelöst und in die Bezirke Cottbus, Potsdam und Frankfurt (Oder) aufgeteilt. Die Stadt Berlin war von nun an zweigeteilt. Berlin (West) erhielt den Status eines Landes der Bundesrepublik Deutschland, Berlin (Ost) wurde die Hauptstadt der DDR. Berlin-West war somit eine Exklave der BRD und stand unter dem Schutz der Westalliierten. So erwarb es sich den Ruf als „Frontstadt“ im kalten Krieg. 1961 wurde durch die Ostberliner SED-Regierung der Bau der Mauer veranlasst, so dass sich an den innerstädtischen Grenzen Berlins sowie der innerdeutschen Grenze zwei Systeme gegenüberstanden – bis 1989.

Berlin-Brandenburg seit 1990

Mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland wurde 1990 das Land Brandenburg wieder hergestellt. Nach den Landtagswahlen vom Oktober 1990 einigten sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Freie Demokratische Partei (FDP) und Bündnis 90/Die Grünen auf die Bildung einer Regierungskoalition unter Ministerpräsident Manfred Stolpe. Bei den Landtagswahlen vom September 1994 erreichte die SPD die absolute Mehrheit und stellte seither allein die Regierung. 1996 wurden in Berlin und in Brandenburg Volksabstimmungen zu einer geplanten Länderfusion durchgeführt: Dieses von den Regierungen der beiden Bundesländer befürwortete Projekt scheiterte daran, dass sich die Bevölkerung Brandenburgs mehrheitlich gegen die Vereinigung aussprach. Die Bewohner Berlins stimmten in der Mehrzahl für die Fusion.

Bei den Landtagswahlen vom September 1999 verzeichnete die SPD deutliche Verluste, blieb aber mit einem Stimmenanteil von 39,3 Prozent stärkste Partei vor der CDU (26,6 Prozent). Ministerpräsident Manfred Stolpe bildete nach den Wahlen eine Koalitionsregierung aus SPD und CDU. Berlin war von neuem zur deutschen Hauptstadt geworden, auf Beschluss des deutschen Bundestages vom 21. Juni 1991 erfolgte 1999 der Umzug der deutschen Bundesregierung von Bonn nach Berlin, das seitdem auch wieder Regierungssitz ist.

Hermann Griesel, Hermann Griesel

Hermann Griesel - Studium der Geographie, der Soziologie und des Verkehrswesens Abschluss als Diplom- Geograph 2004. Fachliche Interessen und ...

rss