Berlin Gothic 4 seit 19.12.11 erhältlich: Interview mit J. Winner

Berlin Gothic 4: Der versteckte Wille - Jonas Winner
Berlin Gothic 4: Der versteckte Wille - Jonas Winner
"Berlin Gothic" erobert die Kindle Charts bei Amazon, doch wer ist der Autor hinter dem Thriller über Gefahr und Verlockung, Vertrauen und Täuschung?

"Amazon packt alle ein", das titelte das Focus-Magazin in der Ausgabe vom 12. Dezember 2011 und der Bericht über die Firma aus Seattle enthält auch Informationen zu Jonas Winner und seiner Reihe "Berlin Gothic". Verlage müssen sich umstellen, das ist klar, denn Autoren wie Amanda Hockings, John Locke und nun auch der Deutsche Jonas Winner sind Selbstvermarkter und das mit großem Erfolg. Am 19. Dezember 2011 erschien der 4. Band der Thrillerreihe: Wie geht es weiter, nachdem Xaver Bentheim sein Ende fand? Was passiert mit Max, Till und Lisa und was hat Butz auf seinem Handy gesehen?

Wer ist Jonas Winner?

Der Autor ist kein Unbekannter, er schrieb bereits Drehbücher für ARD, ZDF, Sat1 und RTL und sein Debüt-Roman "Davids letzter Film", der in gedruckter Version erschien, brachte Winner den Durchbruch als Autor. Ganz bewusst hat sich der gebürtige Berliner für seine Thriller-Reihe "Berlin Gothic" für E-Books entschieden und das hat sich bewährt, denn die drei ersten Teile sind die drei meistverkauften Krimis/Thriller bei Amazon überhaupt.

Winner schreibt fesselnd und beklemmend, schnell und bildhaft und schafft teils erschreckende Charaktere, die irgendwie "krank", aber doch faszinierend sind. Für Suite101 beanwortet Jonas Winner interessante Fragen zu E-Books, Verlagen und seine Reihe Berlin Gothic.

Suite101: Warum haben Sie sich für E-Books entschieden und sind nicht den langen Weg über verschiedene Verlage gegangen?

Jonas Winner: Ich habe „Berlin Gothic“ tatsächlich nie einem Verlag angeboten. Der Grund dafür ist sicherlich gewesen, dass ich im Januar 2011 erst einen Thriller bei dtv veröffentlicht hatte („Davids letzter Film“) und dass ich mit dtv bereits einen Vertrag für einen zweiten Thriller unterschrieben hatte. Es war klar, dass sie ein drittes Buch von mir erst relativ spät in der Zukunft würden herausbringen können. Ich wollte aber nicht lange warten, wollte so schnell wie möglich „Berlin Gothic“ veröffentlichen. In dieser Situation, das war im Frühling/Frühsommer 2011, habe ich gehört, dass es möglich ist, bei amazon ein E-Book selbst herauszubringen. Mit einem Mal war mir klar: Das ist es. Das mache ich!

Suite101: Waren Sie überrascht vom großen Erfolg des ersten Teils von "Berlin Gothic?

Jonas Winner: Ein bisschen hatte ich mir natürlich schon gedacht, dass es ganz gut laufen könnte. Dass es ein solcher Renner werden würde, konnte ich jedoch nicht vorhersehen. Ich glaube fast, dass „Berlin Gothic“, was den deutschen E-Book-Markt angeht, aufgrund seiner Absatzzahlen so etwas wie eine kleine Revolution darstellt. Das freut mich natürlich ungemein.

Suite101: Was hat Sie dazu inspiriert den siebenteiligen Roman "Berlin Gothic" zu schreiben?

Jonas Winner: Das ist eine Frage, die ich nicht so leicht beantworten kann. Sie schreiben es selbst: Es ist ein siebenteiliger Roman - und insofern eine relativ lange Geschichte, in die eine ganze Reihe von Ideen und Überlegungen, von Dingen, die ich schon immer einmal erzählen wollte, hineinfließen. Trotzdem gibt es natürlich so etwas wie einen „Kern“, eine Art Grundidee. Würde ich diese Kernidee hier jedoch benennen, würde ich - wie ich finde - zu viel verraten … so viel aber kann ich sagen: Die Hauptinspiration war vielleicht, dass ich mir gesagt habe: Ich will genau das Buch schreiben, das ich selbst schon immer einmal lesen wollte. Nicht das Buch, von dem ich glaube, dass ANDERE es lesen wollen, nicht das Buch, von dem ich glaube, dass ich es gut verkaufen kann - sondern das Buch, das mich selbst am meisten interessieren würde!

Suite101: Sie ziehen die Leser ab der ersten Seite in den Bann und schaffen ganz besondere Charaktere und eine düstere Stimmung. In welchen Situationen fallen Ihnen diese unglaublichen Ideen für Ihre Romane ein und wo schreiben Sie am besten?

Jonas Winner: Wo mir die Ideen einfallen und wo ich am besten schreibe, ist am Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer. Wenn kein Termin lauert, zu dem ich gleich hinmuss, wenn kein Telefon klingelt, wenn die Tür zu ist, wenn es einen Moment gibt, dass man in sich hineinhorchen kann. Dann kommen die Ideen ganz von selbst.

Suite101: Glauben Sie, dass sich E-Books auch in Europa immer mehr durchsetzen werden und Autoren sich den Weg über die Verlage sparen?

Jonas Winner: Ich denke schon, dass E-Books eine große Zukunft vor sich haben. Das heißt ja nicht, dass es „Papierbücher“ bald nicht mehr geben wird. Aber die Vorteile des E-Books sind einfach überwältigend. Es stimmt schon: Das Wichtigste bei einem Buch, ist - wie mir scheint - dass ein Autor einem Leser etwas mitteilt. Und je einfacher das geht, desto besser. Ich denke, dass es beim E-Book einfacher ist als beim „Papierbuch“, vorausgesetzt, der Leser hat einen E-Reader (möglichst mit E-Ink übrigens, sonst macht, mir zumindest, das Lesen keinen Spaß). Noch haben zwar nicht alle einen Reader, wenn es aber erstmal soweit ist, wird das E-Book nicht mehr aufzuhalten sein. Dennoch würde ich auf die Bibliothek in meiner Wohnung z.B. niemals verzichten wollen. Ich gehe ans Bücherregal und zieh mal dies, mal jenes Buch hervor. Unersetzlich!

Ich glaube nicht, dass die Autoren auf die Vorteile verzichten wollen werden, die ihnen die Verlage bieten. Aber der Buchmarkt wird sich weiter wandeln. Wahrscheinlich wird auf der E-Book-Schiene mehr ausprobiert werden - und was sich dort bewährt, wird auch gedruckt werden. Das könnte ich mir zumindest vorstellen.

Suite101: Was können Sie Autoren raten, die selbst ein E-Book veröffentlichen möchten?

Jonas Winner: Ein Buch als E-Book herauszubringen, ist nicht schwer - heutzutage geht das über amazon praktisch im Handumdrehen. Schwer aber ist es, ein Buch zu schreiben, das die Menschen dann auch lesen wollen, ein gutes Buch also. Ich würde jedem, der ein Buch herausbringen will, raten, den Text noch einmal gründlich zu prüfen, möglichst auch mal Freunden zum Lesen zu geben und so weiter. Wenn das Buch, also der Text, dann endgültig fertig ist (das kann bekanntlich Jahre dauern … aber wann er fertig ist, entscheidet natürlich der Autor), gibt es in meinen Augen keinen Grund mehr zu warten: Raus damit, dann wird sich zeigen, ob es auch andere Menschen interessiert!

Suite101 dankt Jonas Winner für das freundliche Interview und wünscht ihm weiterhin viel Erfolg.

Quellenangaben: Interview mit Autor Jonas Winner

Natalie Schauer, Natalie Schauer

Natalie Schauer - Die Autorin veröffentlicht Sachartikel bei Suite101Interviews (unter anderem mit Sarah Engels, Pietro Lombardi & Sebastian ...

rss