Ob es wirklich Spaß macht, in einem Pulk von Touristen und hinter einem versierten Gästeführer durch die Hauptstadt der Bundesrepublik zu laufen oder sich mit einem Bus chauffieren zu lassen, sei dahingestellt. Es ist vermutlich die Form von Sightseeing, die in allen großen Städten angeboten und nur allzu gerne angenommen wird. Spannender und entspannter dürfte es sein, nicht Schritt halten zu müssen, sondern in Ruhe selbst auf Erkundungstour zu gehen. Berlin hat schließlich viel zu bieten, auch abseits ausgetretener Pfade. Das beweisen Dutzende Reiseführer über Berlin.
Die Bundeshauptstadt für Touristen
Zu den Klassikern gehört zweifelsohne der Berlin-Reiseführer von Marco Polo, der in der 17. Auflage von 2009 beim größten deutschen Online-Buchversand auf Platz eins geführt wird. Für 9,95 Euro gibt es 160 Seiten prall gefüllt mit Informationen und Kartenmaterial. Der Vorteil: Man muss nicht ständig Buch und Faltplan in der Tasche haben. Verraten werden zum einen Insider-Tipps und Highlights, zum anderen werden die Bereiche Sehenswürdigkeiten in Berlin, Essen und Trinken, Einkaufen, das Nachleben, Übernachtachtungsmöglichkeiten und Berlin für Kinder abgedeckt. Abgerundet wird der Reiseführer mit Vorschlägen für Stadtspaziergänge und Ausflüge ins Umland, sofern das Wetter in Berlin mitspielt.
Als problematisch erweist sich dabei – wie bei jedem Reiseführer, der nicht täglich aktualisiert wird – der gesamte Bereich der lukullischen Genüsse. Denn anders als der Reichstag oder Checkpoint Charly haben die meisten Restaurants, Cafés und Bars eine vergleichsweise kurze Halbwertzeit. Heißt: Dort, wo gestern ein Inder landestypische Spezialitäten servierte, ist morgen vielleicht schon eine Fast-Food-Kette untergebracht. Aber das soll den Wert des Reiseführers nicht schmälern, denn an guten Lokalen mangelt es in Berlin ganz gewiss nicht.
Berliner Geschichten mit Mehrwert
Wer sich der Hauptstadt auf eine etwas andere Art nähern möchte und sich nicht gleich persönlich angegriffen fühlt, als „fauler Tourist“ angesprochen zu werden, sollte einen Blick in das 260 Seiten starke und 8,95 Euro teure Buch von Wladimir Kaminer werfen: „Ich bin kein Berliner: Ein Reiseführer für faule Touristen.“ Der Autor, der sich sonst eher weniger damit befasst, welche Ziele Urlauber ansteuern sollten, vereint Literarisches mit vielerlei Tipps. Es ist also nicht der klassische Reiseführer mit Berliner Sehenswürdigkeiten von A bis Z. Wladimir Kaminer gibt vielmehr Geschichten zum Besten, 33 an der Zahl. Jedes einzelne Kapital hat einen eigenen thematischen oder lokalen Schwerpunkt, meist heiter, aber nicht ohne praktischen Mehrwert. Ob nun „Shoppen in Berlin“, „Berlin – eine Theaterhauptstadt“ oder „Die Kriminalität“. Zu jedem Thema werden sämtliche Adressen genannt, damit Urlauber sich selbst ein Bild machen können. Urteil: Ein Farbklecks im sonst eher drögen Einerlei der Reiseführer.
Berlin, wie man es sonst nicht sieht
Das verspricht auch der Titel „Nur in Berlin. Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten“ (234 Seiten, 19,90 Euro). Duncan J. D. Smith, der zuvor schon ähnliche Reise-Guides zu anderen Hauptstädten Europas verfasst hat, sieht sich selbst als „passionierten Spaziergänger“. Dementsprechend zieht es ihn nicht nur auf die großen Straßen, wo gemeinhin das Leben tobt. Die kleinen Gassen und Sträßchen sowie die Gegenden und Plätze, die vermeintlich ruhiger und weniger sehenswert sind, haben es ihm angetan. Er begibt sich auf die Suche nach Skurrilem und manchmal auch Vergessenem, präsentiert seinen Lesern eine Vielzahl von Bildern und versorgt sie mit dem nötigen Hintergrundwissen. Aufgeteilt ist das Buch nach Bezirken. In „Mitte“ werden unter anderem „verfallene Kirchen“ gezeigt, in den südwestlichen Außenbezirken „Narben wie sonst nirgendwo“ und im Nordosten der Stadt „Zeugen eines vergangenen Gewerbes“ vorgestellt. Die wichtigsten Adressen, die im Buch genannt werden, finden sich im Anhang. Lediglich die Karten sind ein wenig zu grob, um wirklich hilfreich zu sein. Dafür zeigt Duncan Smith Berlin, wie man es sonst vielleicht nicht sehen würde.
