
- Alice Waters - Smoking Kitchen
Unter dem Titel "Kulinarisches Kino" vereinen sich im Rahmen der Berlinale Filme, schmackhaftes Essen, gute Getränke und eine inspirierende Unterhaltung. Deutsche Spitzenköche kreieren ein Menü, das thematisch zum zuvor gesehenen Film passt; Talkrunden zu kulinarischen Themen runden den jeweiligen Abend dieser Programmreihe im Rahmen der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin (05. bis 15. Februar 2009) ab. So wundert es nicht, dass mit der Amerikanerin Alice Waters nun auch eine Köchin in den Reihen der Jury Einzug hält.
Die heutige 64-jährige Amerikanerin Alice Waters wird in den USA als "First Lady der Biokost" und als "Grüne Göttin" verehrt
Bereits in den frühen Siebzigern kochte Waters in ihrem kalifornischen Edelrestaurant frisch-biologisch nach französischen Rezepten und gilt seitdem als Food-Revolutionärin und Slow-Food-Aktivistin. Ein Stern im Guide Michelin und die Auszeichnung des „Gourmet Magazine“, das ihr Restaurant "Chez Panisse" in Berkeley zum Spitzenreiter in den USA erklärt hat, würdigen Alice Waters‘ Arbeit.
Den Ursprung hatte diese in den sechziger Jahren, als die damalige Collegestudentin Waters Frankreich besuchte. Dort entdeckte sie ihre Liebe für einfache und frische Ernährung. Wieder zurück in Kalifornien bezog sie Stellung gegen Gefrierkost und Fast Food. Saisonal passend, biologisch einwandfrei und in der Umgebung angebaut – so die Anforderungen von Waters an die Zutaten zu ihren Mahlzeiten.
Seit dreißig Jahren bietet sie nur jeweils ein Gericht täglich an. Keine exotischen Produkte, sondern nur Heimisches aus dem Pazifik, dem Napa Valley und Gemüse und Früchte von den Biohöfen in Marin kommt jeden Tag abwechselnd auf den Tisch ihrer Restaurantbesucher. Speisen, mit denen sie in ihrem Altbau in Berkeley Gäste wie den Dalai Lama und die Clintons verwöhnt. Der als Fast-Food-Junkie bekannte Bill Clinton erhielt von Waters 1992 den Ratschlag, nur organisch angebautes Gemüse und ebensolche Früchte zu verzehren. Auch Barack Obama bekam einen Brief von Waters mit dem Hinweis, an seinem Amtssitz doch einen Gemüsegarten anzulegen.
Waters' Interesse gilt nicht nur Prominenten und Präsidenten, sondern auch Schülern und dem Film
Mit dem Programm "Der essbare Schulgarten" wirbt sie in Kreisen Heranwachsender für gesundes Essen. Ihrer Ansicht nach sollte jedes Kind lernen, wie man anpflanzt, gesund kocht und gemeinsam isst. Waters sieht darin ein großartiges Konjunkturprogramm für die Wirtschaft, die Gesundheit und die Umwelt. Doch wie kommt eine Köchin wie Alice Waters zur Berlinale?
Film, so Alice Waters, sei ihre zweite Leidenschaft. Sie studierte in den Sechzigern Kulturwissenschaften und war mit dem französischen Filmemacher Jean-Pierre Gorin verheiratet. Sie hat in Dokumentarfilmen über Kochen und Ernährung mitgewirkt und spielte sich selbst in dem Kurzfilm "Werner Herzog Eats His Shoe" (1980, Regie Les Blank). Herzog hatte mit seinem Kollegen Errol Morris eine Wette laufen, diese verloren und musste den Wetteinsatz – das Verspeisen eines Schuhs – vor laufender Kamera einlösen. Dies tat er, nachdem Alice Waters vergeblich versucht hatte, den Schuh durch stundenlanges Kochen in Fett aufzuweichen, in Waters‘ "Chez Panisse". Ihr Restaurant und ihre 1983 geborene Tochter taufte sie nach Filmcharakteren des französischen Regisseurs Marcel Pagnol.
Im kommenden Jahr soll die Waters für die Dauer der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin ein Restaurant dort betreiben. Sie wolle sich eigenen Angaben zufolge schon jetzt auf den Märkten Berlins umschauen und sich im nächsten Jahr vergewissern, dass Wurst und Sauerkraut frisch hergestellt werden und nicht aus der Dose kommen, wenn sie diese Zutaten in ihrem Festspielrestaurant verarbeitet.
Wer sitzt sonst noch in der Jury zur Berlinale 2009?
Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton ist die Vorsitzende der Jury der 59. Internationalen Filmfestspiele. Ihr zur Seite stehen Bestsellerautor Henning Mankell sowie die Regisseure Christoph Schlingensief, Isabel Coixet, Gaston Kaboré und Wayne Wang. Und nun Alice Waters, die als einziger Nichtprofi die Jury ergänzt und damit als erste Köchin überhaupt über die Vergabe von Goldenen und Silbernen Bären entscheidet: Kulinarisches Kino mal im ganz anderen Sinn.
