Berlinale 2010: 24. Teddy Award - die Gewinner

Das Motto des Queer Film Award nach Rio Reiser: Mein Name ist Mensch

Plakat 24. Teddy Award - Teddy Award Berlin
Plakat 24. Teddy Award - Teddy Award Berlin
Premiere für die kleinen, schwulen Freunde der Goldenen Bären: Der queere Filmpreis der Berlinale zieht in die Nähe Potsdamer Platz. Daten und Fakten. Update 01.02.2010

Die Idee eines Filmpreises aus schwul-lesbischer Sicht stammt aus dem Jahr 1987. In Referenz zum Hauptpreis der Berlinale, dem Goldenen Bären, wurde dieser Preis Teddy genannt. Schon im Jahr 2009 hat Suite101.de eine Zusammenfassung zum Teddy Award veröffentlicht, die zu den meistgelesenen Beiträgen über die Berlinale überhaupt gehört.

Der Teddy Award ist eine gesellschaftlich engagierte politische Auszeichnung, die Filmen und Personen zugute kommt, die queere Themen auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene kommunizieren und somit einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten.

Der 24. Teddy Award in der Station Berlin am Potsdamer Platz mit prominenten Gästen

In diesem Sinne haben auch im Rahmen der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin, der vom 11. bis 21. Februar 2010 andauernden Berlinale, erneut eine Preisverleihung und eine glamouröse Party auf schwul-lesbische Filme aufmerksam gemacht, denn der Teddy Award ist der weltweit bedeutendste Queer Film Award im Rahmen eines A – Filmfestivals. Vergeben wurde er am 19. Februar 2010 in der Station Berlin, Luckenwalderstr. 4 bis 6 in 10963 Berlin.

Einlass wurde ab 19:30 Uhr gewährt; die Award Ceremony begann um 21:00 Uhr. Der Start von Party und Midnight Special waren für 23:00 Uhr geplant. Mit in der ersten Reihe saßen Hella von Sinnen, Ulrike Ottinger, Erika und Moritz de Hadeln, Rosa von Praunheim, Peter Kern, Volker Beck, Claudia Roth und Ronald Dofing.

Die Übertragung des 24. Teddy Awards im Fernsehen

Der Schirmherr der Veranstaltung ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. UNAIDS, das gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zu HIV / AIDS, ist auch 2010 wieder institutioneller Partner des Teddy Award. Der deutsch-französische TV Sender ARTE überträgt die Aufzeichnung der Gala des 24. Teddy Awards bereits zum fünften Mal in Folge europaweit am 20. Februar 2010. Der RBB wiederholt die Sendung am 21. Februar 2010. Doch nach all den Fakten nun zu den Teddy Awards an sich.

Wer erhält den Teddy Award?

Der Teddy Award wird in den Kategorien Bester Spielfilm, Bester Dokumentarfilm und Bester Kurzfilm, sowie als Special Teddy für die künstlerische Lebensleistung an herausragende Persönlichkeiten vergeben. Die Reihe der Preisträger reicht von internationalen Star-Regisseuren wie Pedro Almodóvar, Gus Van Sant und Derek Jarman bis hin zu internationalen Leinwandstars wie Helmut Berger, Joe Dallesandro, John Hurt und Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton.

Nachdem im Vorjahr 39 Filme aus allen Sektionen der Berlinale zur Auswahl standen, kommen in 2010 über 50 Werke für eine Auszeichnung mit dem Teddy Award in Betracht; so viele, wie noch zu keiner Berlinale zuvor.

Die Gewinner des 24. Teddy Awards des Jahres 2010

Die folgenden Filme wurden am 19. Februar 2010 im Rahmen der glamourösen Teddy Award Ceremony vergeben. Die Sieger der Kategorien sind:

Bester Spielfilm: "The Kids Are All Right" von Lisa Cholodenko

Bester Dokumentarfilm / Essayfilm: "La bocca del lupo" / "The Mouth of the Wolf" von Pietro Marcello

Bester Kurzfilm: "The Feast of Stephen" von James Franco

Der Teddy Jury Award ging an "Open" von Jake Yuzna

Den Siegessäule Readers Award gewann "Postcard to Daddy" von Michael Stock

Der Special Teddy 2010 ging an Werner Schroeter

Werner Schroeter gilt als radikaler Experimentierer und großer Außenseiter des Neuen Deutschen Films. Seit Mitte der Sechzigerjahre arbeitet Schroeter an seinem Werk und verteidigt seitdem eine singuläre Position in der internationalen Filmlandschaft. Er wurde neben Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog oder Wim Wenders zu einem der wichtigsten Exponenten des aufstrebenden jungen deutschen Kinos.

Als Kosmopolit ohne festen Wohnsitz dreht Schroeter in jenen Jahren in Mexiko, Frankreich, Libanon, Tschechien, Österreich, USA und Italien. Gleichzeitig beginnt er verstärkt und mit großem internationalem Erfolg, für das Theater und die Oper zu inszenieren. Sein Werk umfasst bislang an die 20 Langfilme und ebenso viele kurze bis mittellange Kinoarbeiten sowie mehr als 70 Opern- und Theaterinszenierungen.

Die französische Zeitung Libération schrieb über ihn: "Schroeter ist der Cocteau unserer Zeit. Das Kino von Werner Schroeter ist reinste Magie, es erfindet eine neue Welt, eine neue Zeit, voller Künstlichkeit und Schönheit. Bilder aus einem Reich des Imaginären, in dem alles erlaubt ist. Magic Werner, Magic Cinema." Wolf Wondratschek, Autor aus Wien, sprach die Laudatio.

Eine Hommage widmet der 24. Teddy Award dem Sänger Rio Reiser

Dem 1996 verstorbenen Sänger, Komponisten, Texter und Schauspieler Rio Reiser widmete der Teddy Award zu dessen 60. Geburtstag eine besondere Hommage. Rio Reiser war der erste deutsche Sänger, der sich öffentlich als schwul geoutet hat. Zusammen mit seiner Band "Ton Steine Scherben“ schuf er nicht nur den Soundtrack der 68er- Generation, sondern auch den Soundtrack der beginnenden deutschen Schwulenbewegung, als er gemeinsam mit den Theatergruppen "Brühwarm“ und "Transplantis“ und den "Ton Steine Scherben“ in den 1970er Jahren die ersten schwulen Musicals produzierte und auf die deutschen Bühnen brachte. Im Jahr 1977 bekam Rio Reiser für seine erste Filmrolle in dem Film "Johnny West“ den Bundesfilmpreis in Gold.

Rio Reiser aus der Sicht Herbert Groenemeyers

Herbert Groenemeyer sagt über Rio Reiser: „Er ist der einzige deutsche Sänger, den ich je bewundert habe, seinen leidenschaftlichen Hang zum Aufruhr, zum Diventum, zum Kitsch und zum anarchischen Patriotismus. Er hat die schönsten deutschen Kampf- und Liebeslieder geschrieben, er war ein wahrer Romantiker und er hat aus der deutschen Sprache gesungen, was rauszuholen ist “.

Anlässlich der Hommage an Rio Reiser war die Band "Ton Steine Scherben“ bei der Teddy Award Gala erstmals seit dem Tod ihres Frontmanns wieder in Originalbesetzung auf der Bühne zu sehen. Zudem griff das Motto des 24. Teddy Award einen Song von Rio Reiser / "Ton Steine Scherben" auf: Mein Name ist Mensch.

Midnight Special mit Joey Arias & Friends

Von der New York Times als "The drag superstar" gefeiert, hat Joey Arias im Rahmen der Gala zum Teddy Award einen Titel aus seinem neuen Off-Broadway Smash-Hit "Arias with a Twist" zum Besten gegeben. Als besonderes Highlight haben Joey Arias & Friends im anschließenden Midnight Special der Teddy Party zum ersten mal Ausschnitte ihrer New Yorker Show präsentiert. Im Panorama-Programm der 60. Berlinale war Arias mit dem Portraitfilm "Arias with a Twist: The Docufantasy" vertreten, der auch ins Rennen des 24. Teddy Award geht.

Cosma Shiva Hagen als DJane bei der Teddy Party 2010

Das Line-Up der Party wurde um die schönste Frau Deutschlands bereichert, wie die Zeitschrift Bunte Cosma Shiva Hagen einordnet. Das Multitalent verbirgt sich hinter dem Namen DJane Cosmic Sista und ist dem geübten Partyvolk als virtuose, einheizende DJane, Partyveranstalterin und Clubbesitzerin bereits bestens bekannt.

Eine Aktualisierung des Artikels erfolgt bei Verfügbarkeit weiterer Informationen.

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