
- Meryl Streep in Couchgeflüster, 09. Januar 2012, Das Erste - ARD / Degeto
Berlinale-Direktor Dieter Kosslick brachte es in der Pressemeldung des 02. Januar 2012 auf den Punkt: „Wir freuen uns, einen Weltstar und eine so außergewöhnliche Künstlerin wie Meryl Streep mit dem Goldenen Ehrenbären auszeichnen zu dürfen. Ihr Talent hat vielfältige Facetten, das mit Leichtigkeit zwischen dramatischen und komödiantischen Rollen wechselt.“ Mit dieser Einschätzung lag der hochverdiente Chef der Festspielleitung und langjährige Geschäftsführer der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen völlig richtig, denn die amerikanische Schauspielerin wirkte in rund 70 Filmen mit und gilt als weltweit eine der talentiertesten und vielseitigsten Vertreterinnen ihres Fachs. Nur den Gesetzen der Logik folgend also ihre Auszeichnung mit dem Goldenen Ehrenbär der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin, die für den Zeitraum vom 09. bis 19. Februar angesetzt worden sind. In deren Rahmen taucht Streep aber auch ein zweites Mal auf: Ihr wurde die Hommage mit sechs ihrer Filme gewidmet.
Meryl Streep mit dem Goldenen Ehrenbär ausgezeichnet
Mary Louise Streep – so ihr bürgerlicher Name – wurde am 22. Juni 1949 im us-amerikanischen Summit, New Jersey, geboren. Ihre Filmographie startet mit "The Deadliest Season“, einem 1977 von Regisseur Robert Markowitz inszenierten Sportlerdrama, das in Deutschland unter dem Titel "Blutiges Eis“ zu sehen war. Michael Moriarty und Kevin Conway spielten die männlichen Hauptrollen. International bekannter wurde Meryl Streep jedoch durch die Dramaserie "Holocaust“ aus dem Folgejahr. Vier Projekte später machte sie durch "Kramer gegen Kramer“ auf sich aufmerksam; in dem Scheidungsdrama spielte sie 1979 neben Dustin Hoffmann nach der Regie von Robert Benton. Für dieses Engagement erhielt Streep ihren ersten Oscar.
Auszeichnungen für Meryl Streep
Einen weiteren Academy Award brachte ihr die intensive Darstellung im Spielfilm "Sophies Entscheidung“ ein, der 1982 debütierte und nach der Regie von Alan J. Pakula entstand. 14 weitere Male wurde Meryl Streep für den Oscar nominiert; zuletzt 2010 für ihre Interpretation der Rolle Julia im Drama "Julie & Julia“. Der Star hält damit den Rekord als meistnominierte Schauspielerin aller Zeiten, noch vor den Kollegen Katharine Hepburn und Jack Nicholson mit je zwölf Nominierungen. Streep gewann insgesamt sieben Mal den Golden Globe. Hinzuzurechnen sind 18 weitere Nominierungen dafür. Mit dem Bafta-Award wurde Streep 1982 ausgezeichnet und für zwölf weitere nominiert. Den Emmy nahm Streep 1978 und 2004 mit nach Hause.
Meryl Streep trug sich aber auch in die Siegerlisten des Irish Film- and Television Award (2009, 2010), des National Board of Review (1979, 1982, 2008, 2009), des New York Film Critics Circle Awards (1979, 1982, 1988, 2009, 2011) sowie des People’s Choice Award (1984, 1985, 1986 zweifach, 1987, 1989, 1990 wiederum zweifach, 2009) ein. Seit 2003 belegt Meryl Streep für die Darstellung von Karen Silkwood im American Film Institute den 47. Platz in der Liste der 50 größten Helden der Filmgeschichte. In dem von Mike Nichols inszenierten Drama beeindruckte Streep die Kritiker als engagierte Gewerkschaftlerin. Mit Susan Seidelmans "Die Teufelin“ wechselte Streep 1989 erstmals ins komödiantische Fach.
Meryl Streep in "Der Teufel trägt Prada"
Dort brillierte sie auch 1992 mit "Der Tod steht ihr gut“ von Regisseur Robert Zemeckis. Es folgten unter anderem "Das Geisterhaus“ (1993), "Die Brücken am Fluss“ (1995), "Engel in Amerika“ (2003) und 2006 die Rolle der Miranda Priestly: Mit der Titelrolle in der satirischen Komödie "Der Teufel trägt Prada“ verschaffte ihr Regisseur David Frankel eine Paraderolle, die ihr gänzlich neue Fanschichten erschloss, die sich zuvor weniger für die renommierte Schauspielerin interessiert hatten. RTL strahlte den Kinoerfolg erstmals im deutschen Free TV aus. Ihr neuestes Projekt – "Great Hope Springs“ – soll am 13. Dezember 2012 in den Niederlanden Weltpremiere feiern und entstand ebenfalls mit David Frankel auf dem Regiestuhl.
Besonders beeindruckt hat Streep ihre Fans auch im Musical "Mamma Mia“, das zu musikalischen Darbietungen aus der Vita der Gruppe Abba entstanden ist. Insgesamt sind es 68 Produktionen, die die Filmdatenbank imdb.de in Bezug auf Meryl Streep ausweist. Am 14. Februar 2012 wird Meryl Streep anlässlich der Vorstellung ihres jüngsten Kinofilms "Die Eiserne Lady“ im Berlinale-Palast mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In diesem Drama portraitiert Regisseurin Phyllida Lloyds das Leben von Großbritanniens ehemaliger Premierministerin Margaret Thatcher. Der Film, so die Berlinale-Intendanz in ihrer Pressemitteilung, drehe sich weniger um Politik als um Macht und den Verlust von Macht.
Hier: Goldener Ehrenbär Berlinale 2011 für Armin Müller-Stahl
Meryl Streep auf der Berlinale
Meryl Streep war mehrfach zu Gast bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin: 1999 erhielt sie eine Berlinale Kamera und 2003 gewann sie zusammen mit Julianne Moore und Nicole Kidman den Silbernen Bären als Beste Darstellerin für "The Hours". 2006 war sie mit der Ensemble-Komödie "Last Radio Show“ von Robert Altman erneut im Berlinale Wettbewerb. Für die Hommage an Meryl Streep 2012 stellte die Festspielleitung folgende Filme zusammen: "Kramer gegen Kramer“ (1979), "Sophies Entscheidung“ (1982), "Jenseits von Afrika“ (1985), "Die Brücken am Fluss“ (1995), "Last Radio Show“ (2006) sowie in Weltpremiere "Die Eiserne Lady“ (2011) nach dem Drehbuch von Abi Morgan.
Programmhinweis zu Meryl Streep
Das Titelbild zu diesem Artikel stammt von der ARD / Degeto, die für den 09. Januar 2012 die Komödie "Couchgeflüster – Die erste therapeutische Liebeskomödie“ ins Programm genommen hat; verfilmt 2005 unter der Regie von Ben Younger unter dem Originaltitel "Prime“: Montag, den 09. Januar 2012 um 01:05 Uhr im Ersten. Meryl Streep hadert darin als Lisa Metzger zwischen ihren Rollen als Mutter und als Therapeutin.
Berlinale 2009: Goldener Ehrenbär für Maurice Jarre
Goldener Ehrenbär 2010 für Hanna Schygulla und Wolfgang Kohlhaase
