
- Eingang Dominikanerkloster St. Paulus - Bettina Eichhorst
Das Zeitalter der Klöster in Deutschland endete Anfang des 19. Jahrhunderts. Damit war auch das Schicksal des Dominikanerordens in Deutschland besiegelt. Aber die Erinnerung an die Dominikaner lebte in den Köpfen der Deutschen weiter. Das jedenfalls stellte der Dominikus Lentz 1864 auf einer Reise durch Deutschland fest. Der Ordensgeneral erfuhr davon und entsandte Pater Robiano nach Deutschland, um dort eine Klosterniederlassung zu errichten.
Die Gründung des Dominikanerklosters St. Paulus in Moabit
Graf Ceslaus von Robiano wurde am 30. Mai 1829 in Brüssel als Sohn des belgischen Grafen Ludwig von Robiano Borsbeck und der deutschen Gräfin Amalie zu Stolberg geboren. Der junge Graf studierte in Löwen und empfing dort am 22. Dezember 1860 die Priesterweihe. Robiano wurde vom Ordensgeneral nach Deutschland entsandt, um dort wieder ein Dominikanerkloster zu errichten. So kam Pater Robiano 1860 nach Düsseldorf. Aber den Dominikanern fehlte das Geld für den Bau des Klosters. Kurz entschlossen ging Pater Robiano im März 1866 auf eine Bettelreise durch Deutschland und Österreich. Pater Robiano schrieb am 21. März 1866 an den Ordensgeneral und an den Missionsvikar Eduard Müller. Müller drängte Pater Robiano, in der preußischen Hauptstadt ein Kloster zu errichten. Dem Ordensgeneral gefiel dieser Plan und er entsandte Pater Robiano nach Berlin. Das war der Beginn zur Errichtung eines Dominikanerklosters in der preußischen Hauptstadt. Nun musste nur noch der Standort in der preußischen Hauptstadt festgelegt werden. Ein Kloster im Zentrum der Hauptstadt zu errichten war schwierig, da dort bereits zu viele Kirchen existierten und die Bevölkerung zum größten Teil protestantisch war und Pater Robiano Konflikte befürchtete. Aus diesem Grund unterbreitete Pater Robiano im Februar 1867 dem Ordensgeneral den Vorschlag ein Kloster in Moabit zu errichten, da in den Borsigschen Fabriken viele Katholiken arbeiteten, die für einen Gottesdienstbesuch viel zu weit gehen mussten. Der Ordensgeneral stimmte den Vorschlag in Moabit ein Dominikanerkloster zu errichten schließlich zu.
1867: Der Frauenverein von St. Hedwig kaufte das Grundstück in der Turmstraße 58 (heute 44). Auf dem Grundstück befand sich eine Villa in der richtete der Frauenverein ein Waisenhaus für Jungen ein. Die Leitung des Waisenhauses übernahm der Dominikaner Pater Robiano und ebnete damit den Weg zum Bau eines Dominikanerklosters.
Protest gegen das Dominikanerkloster St. Paulus in Moabit
1869: Das östliche Nachbargrundstück mit Schmiede wurde dazu gekauft und die Schmiede zu einer Kirche umgebaut. Der Ort für die Klostergründe war von den Dominikanern gut gewählt, der Zeitpunkt allerdings nicht. In diesem Jahr ging das Gerücht um, das in einem Krakauer Kloster eine Karmeliterin lebendig eingemauert wurde. Durch dieses Gerücht wuchs misstrauen gegen die Dominikaner. Geschürt wurde das Misstrauen noch durch die Einweihungsrede am 4. August 1869 vom späteren Zentrumsabgeordneten im Reichstag Eduard Müller Zitat: „Hier am Ende von Moabit, dessen Name symbolisch geworden für den herrschenden Geist der Selbstsucht und Sinnlichkeit ….... gefällt es Gott, sein Bethlehem der Neuzeit zu gründen.“ (Zitat aus: E. Thrasolt, Eduard Müller..., Seite 191.) Die Protestanten in Moabit empfanden das „neue“ Bethlehem als reine Provokation und so kam es am 16. August 1869 zum „Moabiter Klostersturm“. Die Unruhen mit zwei Toten und dreißig Verletzten im Dominikanerkloster St. Paulus und um das Klostergelände endete erst Tage später. Der Polizeipräsident von Wurmb forderte den Dominikaner Pater Robiano auf, Berlin zu verlassen. Pater Robiano aber weigerte sich der Aufforderung nachzukommen. Daraufhin ließ der Polizeipräsident das Klostergebäude hermetisch abriegeln. Wer ins Kloster wollte, musste bei einem Wachmann seine Personalien angeben. Allmählich kehrte wieder Ruhe ins Klosterleben ein.
Ausbau des Dominikanerkloster St. Paulus in Moabit
1892: Das Kirchengebäude ist zu klein geworden. Und so wurde am 24. Juni der Grundstein für ein größeres Kirchengebäude gelegt. Ferner entsteht auf dem Grundstück ein Wohngebäude für die fünf Klosterbrüder und für fünf Männer, die für die Bedienung sowie für die Instandhaltung des Gartens zuständig sind.
1893: Vom Architekten Engelbert Seibertz entworfen wird die neue Kirche am 24. Oktober eingeweiht. Die neue Kirche des Dominikanerklosters St. Paulus ist im Stil der Backsteingotik gebaut. Das Hauptportal flankieren zwei 51 Meter hohe Türme. Die hohen Glasfenster zeigen Szenen aus dem Leben der Heiligen Franziskus und Dominikus.
1905: In diesem Jahr wird das Gemeindehaus des Dominikanerklosters St. Paulus erbaut und 1906 eingeweiht. Es hat Gästezimmer, Läden, eine Bibliothek und einen großen Vereinssaal. Das Gemeindehaus hat einen direkten Zugang zur Kirche.
1935: Die Kirche im Dominikanerkloster St. Paulus wird renoviert. Dabei wird der Altarraum vergrößert, die Chorfenster restauriert, und der Kircheninnenraum erhält eine Bemalung. Des Weiteren erhält die Kirche eine neue Orgel, die am 17. November eingeweiht wird.
Das Dominikanerkloster St. Paulus in Moabit nach dem 2. Weltkrieg
1943 bis 1946: Durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss wurden die Kirchenfenster zerstört und das Gemeindehaus schwer beschädigt. Die Glocken bis auf eine wurden eingeschmolzen. 1946 wurden das Gebäude und die Räume schnell instand gesetzt und als behelfsmäßiges Krankenhaus genutzt.
1948: Im Erdgeschoss des Gemeindehauses werden Schulräume eingerichtet, aber erst 1964 eröffnet und freigegeben. Im 1. und 2. Stock werden die Fenster vertikal zusammengefasst.
1958: Fünf neue Glocken wurden am 20. August eingeweiht und der alte Bibliothekssaal erneuert.
1960: Die Kirche erhält eine neue Gestalt. Unter anderem ein neuer Fußboden, eine moderne Kanzel, Beichtstühle und ein neues Portal. Die Seitenkapelle am Hauptportal wurde wegen starker Verschmutzung am Außenmauerwerk geschlossen. Die linke Seitenkapelle wird abgetrennt und als Andachtsraum genutzt.
1965 bis 1966: In der Waldenserstraße 27 wird am 6. Juli im Dominikanerkloster St. Paulus der Grundstein für den Neubau der katholischen Schule gelegt. Ostern 1966 ziehen die ersten Schüler in die neue Schule ein. Das alte Waisenhaus wird nach und nach abgerissen.
1977: Der Gemeindesaal im Dominikanerkloster St. Paulus wird umgestaltet.
Das geschichtsträchtige Dominikanerkloster St. Paulus befindet sich in der Oldenburger Str. 45-46 in Berlin-Moabit und ist heute mit 5000 Gemeindemitgliedern immer noch sehr aktiv und bietet eine geistige Zufluchtstätte für Jung und Alt.
Quelle: Geschichtslandschaft Berlin Tiergarten, Teil 2 Moabit, ISBN 3-87584-221-9
