Berliner Mauerweg an der East Side Gallery

Vom Ostbahnhof über die Oberbaumbrücke zum Schlesischen Tor

Die Oberbaumbrücke über die Spree in Berlin - Harald Rossa
Die Oberbaumbrücke über die Spree in Berlin - Harald Rossa
Eine kurze, aber abwechslungsreiche Etappe führt an der berühmten East-Side-Gallery entlang und über die Oberbaumbrücke zum Schlesischen Tor.

Vergleichsweise idyllisch ist die Etappe des Berliner Mauerwegs von Checkpoint Charlie bis zum Ostbahnhof. Das nächste hier am Stralauer Platz beginnende Stück des Weges führt zunächst über die stark befahrene Mühlenstraße und an Berlins neuer und riesiger Veranstaltungshalle, der O2-World, vorbei.

Entlang der East Side Gallery

Für den Lärm gibt es als Entschädigung hier Kunst und das längste Stück Hinterlandmauer, das in Berlin die Wende und die Arbeit der Mauerspechte überlebt hat. Ursprünglich war die hintere Sperrmauer an dieser Stelle in den neutral weißen Betonelementen der „Vorderlandmauer“ aufgebaut worden. Denn hier kamen die Kolonnen mit Staatsgästen, die vom Flughafen in Schönefeld in das Berliner Zentrum fuhren, an der von der DDR als antifaschistischer Schutzwall bezeichneten Grenzbefestigung vorbei. Und die sollte doch einen guten Eindruck auf die hohen Gäste machen.

Nach der Wende haben dann 1990 insgesamt 118 Künstler aus 21 Ländern den noch stehenden 1,3 Kilometer langen Rest der Grenzmauer mit Bildern bemalt. Diese Werke haben im Laufe der Jahre sehr gelitten. Im Oktober 2008 begann daher eine Sanierung der Kunstwerke der East Side Gallery. Am 10. November 2009 sollen alle Bilder wieder strahlen.

Die Oberbaumbrücke

Etwas unwirklich erscheint dem Betrachter die näher kommende Oberbaumbrücke. Ein Rest einer Burganlage oder Festung scheint da über die Spree zu führen. Aber dieser Eindruck ist falsch und doch richtig. Zwischen 1894 bis 1896 wurde dieses neogotische Bauwerk errichtet. Die obere Ebene der Brücke wird seit 1902 von der Berliner U-Bahn genutzt. Unter den auf einem Viadukt geführten Gleisen gibt es einen Fußweg, der ein wenig an klösterliche Kreuzgänge erinnert. Der mittlere Brückenbogen trägt zwei jeweils 34 Meter hohe Türme. Der Mitteltorturm in der Stadtmauer in Prenzlau und ein Torturm in Kyritz lieferten die Vorbilder. Die Brücke ist auch sonst mit viel Schmuck versehen.

Die Treptowers und Molecule Man

Bei der Passage der Brücke ist die Plastik mit dem Namen „Molecule Man“ nicht zu übersehen. Dieses Monumentale Werk steht seit 1999 in der Dreibezirksecke Friedrichshain, Kreuzberg, Treptow und wurde von dem amerikanischen Bildhauer Jonathan Borofsky geschaffen. Drei 30 Meter hohe Profile von Männern aus Aluminium treffen hier zusammen. Heute treffen an der Stelle drei Ortsteile und zwei Bezirke zusammen. Das 45 Tonnen schwere Kunstwerk wurde von der Allianz finanziert, die in den ebenfalls unübersehbaren Treptowers ansässig ist. Im Berliner Volksmund sind abweichende Bezeichnungen für dieses Monument im Umlauf. Die Löcher in den Profilen der drei Männer animierten zu Namen wie „Dreikäsehoch“ oder „Calgon-Männer“.

In SO 36

Über diese ungewöhnliche und stark befahrene Brücke geht es über die Spree hinüber in das östliche Kreuzberg mit der alten postalischen Bezeichnung SO 36. Denn die Grenze zwischen Ost und West war hier das Spreeufer auf der Westseite. Das hiesige Ufer der Spree war die Grenzlinie zwischen Ost und West.

Direkt am Brückenkopf der Westseite geht es rechts hinab zum Gröbenufer. Hier erinnert ein Gedenkstein an die Opfer der Mauer, die hier verunglückten oder von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurden. Die idyllische Ruhe, die hier seit langem herrscht, wird derzeit ein wenig gestört. Denn die alte Dampferanlegestelle wird wieder hergerichtet. So wird das Gröbenufer bald wieder belebt sein.

Der U-Bahnhof Schlesisches Tor

Vom Gröbenufer sind es nur wenige Schritte zum U-Bahnhof Schlesisches Tor. Er war an der 1902 eröffneten U-Bahn-Strecke ein ganz besonderer Bahnhof. Denn der Platz am Schlesischen Tor war damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Am Gröbenufer gab es eine wichtige Anlegestelle für die Weiße Flotte, die viele Fahrgäste anlockte. So wurde hier kein Standardbahnhof, sondern ein Neorenaissancebau von den Architekten Hans Grisebach und August Dinklage entworfen. Im Erdgeschoss des Bahnhofes gab es eine Aufenthaltshalle und das beliebte Ausflugsrestaurant Torkrug, eine Konditorei und weitere Geschäfte.

Seit dem 13. August 1961 war hier Endstation für die U-Bahnlinie 1. Durch den Mauerbau wurde die Weiterfahrt über die Oberbaumbrücke gesperrt. Inzwischen verkehrt die Linie 1 wieder durchgehend zwischen U+S-Bahnhof Warschauer Straße und dem U-Bahnhof Uhlandstraße auf dem Kurfürstendamm.

Die nächste Etappe des Berliner Mauerwegs führt über die Schlesische Straße in SO 36 in den Schlesischen Busch und weiter durch Treptow.