Berlins größte und prächtigste Moschee

Die Sehitlik-Moschee ist ein Meisterwerk der Architektur und Kunst

Die Sehitlik-Moschee  - Wilhelm Ruprecht Frieling
Die Sehitlik-Moschee - Wilhelm Ruprecht Frieling
43 Moscheen sind in Berlin gemeldet. Einige befinden sich in Hinterhöfen und Vereinslokalen. Doch die mit Abstand prächtigste ist die Sehitlik-Moschee.

Wer eine Moschee als religiösen und sozialen Mittelpunkt einer Glaubensgemeinschaft kennen lernen möchte, der muss nicht die Türkei oder ein islamisches Land bereisen. In Berlin lädt ein prächtiges Bauwerk zum Besuch und zur Besichtigung ein. Das ist die auf dem Gelände des Türkischen Friedhofs errichtete Sehitlik-Moschee am Berliner Columbiadamm 128.

Sehitlik-Moschee in Berlin auf islamischer Begräbnisstätte

Der 1863 angelegte Türkische Friedhof Berlin ist die älteste Begräbnisstätte für Anhänger des Islams in Deutschland. Preußenkönig Wilhelm I. schenkte der türkischen Regierung das Gelände als Diplomatenfriedhof. 1867 ließ Wilhelm I. gemeinsam mit dem türkischen Sultan Abd ul Aziz einen Obelisken aufstellen, auf dessen Spitze eine goldene Mondsichel angebracht wurde und dessen Seiten arabisch beschriftete Grabsteine zieren.

Auf dem insgesamt 2.300 Quadratmeter großen Gelände entstand die heutige Sehitlik-Moschee. Architekt Hilmi Senalp erbaute sie nach orientalischem Vorbild im klassisch osmanischen Stil. Der weithin sichtbare Sakralbau besteht aus zwei Minaretten mit einer Höhe von 37,10 Metern sowie der eigentlichen Moschee mit einer Kuppel mit 21,30 Metern. Das Hauptgebäude wurde in Achteck-kuppeltragender Pfeiler- und Stützbogen-Form aus einer Stahlbaukonstruktion gebaut und verfügt über vier Stockwerke.

Berliner Moschee verfügt über vier Stockwerke

Das über dem Kellergeschoss liegende Erdgeschoss wird als Gebetsraum benutzt, die eigentliche Moschee befindet sich im 1. Obergeschoss. Sie kann über die Freitreppe oder über das Treppenhaus der Minarette betreten werden. Auf dem Galeriegeschoss der Moschee beten in der Regel die Frauen.

Fünf Mal am Tag ruft ein Muezzin in Arabisch, der Sprache des Korans, die Muslime zum Gebet. Der islamische Gebetsruf, Adhan geheißen, wird über Lautsprecher übertragen und hat eine ähnliche Funktion wie die Glocken christlicher Kirchen.

Die Gläubigen versammeln sich darauf in der Moschee zum Gebet. Sie ziehen dazu vor dem Gebetshaus ihre Schuhe aus, um den Teppichboden im Inneren nicht zu verunreinigen. Auch Besucher der Moschee ziehen ihre Schuhe aus und deponieren sie auf Regalen, die im Inneren neben der Eingangstür stehen. Gebetet wird Richtung Südosten, das ist der Standort des islamischen Heiligtums Kaaba im saudi-arabischen Mekka, dem größten Heiligtum der Muslime.

Prächtiger Innenraum beeindruckt den Besucher

In der Berliner Sehitlik-Moschee zeigt eine prächtige Gebetsnische, die Mihrab, die Richtung an, in der Mekka liegt. In dieser steht der Imam als Geistlicher und spricht laut die Gebete. Die Architektur bricht den Schall derart, dass seine Stimme in jedem Winkel des Kuppelbaus gut verstanden werden kann, auch wenn er mit dem Rücken zur Gemeinde steht.

Rechts von der Mihrab steht eine kunstvoll verzierte Kanzel, die Mimbar. Zum Gottesdienst nimmt hier ein Prediger Platz und spricht zu den Gläubigen. Für Muslime ist Freitag der Tag in der Woche, an dem sie sich zum Gebet versammeln und die Predigt hören. Der Freitag entspricht somit dem Sonntag der Christen. Eine Moschee mit Kanzel und Minaretten wird deshalb auch Freitagsmoschee genannt.

Kunstvolle Schriftzeichen zieren Decken und Wände

Die Berliner Moschee ist als filigranes Kunstwerk gestaltet. Aufgrund des im Islam herrschenden Bilderverbots finden sich an Decken und Wänden arabische Schriftzeichen, die in höchster Vollendung als Kalligraphie angebracht sind. Bei dieser meisterlichen Schönschrift handelt es sich um Suren aus dem Koran. Selbst der gewaltige von der 15,42 Meter hohen Kuppeldecke herab hängende Leuchter ist mit Kalligraphie verziert. »Gott ist das Licht über Himmel und Erde« steht auf diesem Leuchter.

Die Innengestaltung der Sehitlik-Moschee symbolisiert das Universum. Säulen, die den Kuppelbau tragen, sind als Palmen gestaltet. Die Decke, bei der weiß und blau dominieren, symbolisiert den Himmel. Der grüne Teppich mit floralen Mustern, der den gesamten Boden der Moschee bedeckt, steht für die Erde.

Muslime sind gastfreundlich

Eine Moschee ist ein ruhiger Raum, in dem der Betende durch nichts in seiner Andacht abgelenkt werden soll. Entsprechend friedvoll ist die Atmosphäre, die den Besucher umfängt, leitet der Begriff Islam sich doch von Salam = Frieden ab.

Die Berliner Sehitlik-Moschee kann jederzeit bei freiem Eintritt besichtigt werden. Tiefer Interessierten werden ausgezeichnete Führungen angeboten, die auch in die Welt des islamischen Denkens führen. Diese können über die Internet-Seite der Moschee gratis gebucht werden. Ein Besuch dieses großartigen Bauwerks ist jedem Berlin-Besucher zu empfehlen, der sich für Sakralbauten interessiert und den Zauber des Orients empfangen möchte.

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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