Innerhalb einer Stunde fand ein einheimischer Fischer am Strand von Prerow vor einigen Jahren rund zweieinhalb Kilo Bernstein, darunter faustgroße Exemplare. Der außergewöhnliche Fund ruht heute in dem kleinen Prerower Bernsteinmuseum auf der Halbinsel Darß. Von solchen Zahlen können die meisten Besucher der Ostsee nur träumen. Sie sind bereits über krümelgroße Stücke glücklich, die an den abgesuchten Stränden liegen geblieben sind. Zumal nicht immer einfach zu entscheiden ist, ob es sich bei den rötlich-gelben Exemplaren wirklich um Bernstein handelt oder einfach nur um Steine.

Wie erkenne ich Bernstein? - Vier sichere Methoden

  1. Bernstein ist weder ein Mineral noch ein Edelstein. Es ist gehärteter, versteinerter Harz, Jahrmillionen alt. Darum ist Bernstein deutlich leichter als die Kiesel, die man am Strand findet. Wer Zweifel über seinen Fund hat, kann eine einfache Schwimmprobe vornehmen. Dazu werden etwa zwei Esslöffel Salz in einem Glas Wasser aufgelöst, um eine 10-prozentige Kochsalzlösung herzustellen. Bernstein schwimmt in dieser Flüssigkeit, während Steine untergehen.
  2. Um gleich am Strand sicher zu gehen, kann das Fundstück vorsichtig gegen die Zähne geklopft werden. Steine erzeugen ein klares "Klack"-Geräusch, die Berührung fühlt sich unangenehm an. Der weichere Bernstein jedoch klingt wie ein Fingernagel, der gegen den Zahn tippt.
  3. Im Gegensatz zu Steinen lädt sich das fossile Harz durch Reibung elektrostatisch auf. Als Probe kann das Fundstück kräftig an der Kleidung oder an einem Tuch gerieben und dann über kleine Flusen oder Fussel zum Beispiel auf einer Tischplatte gehalten werden. Ist es Bernstein, zieht es die Teile an.
  4. Typisch ist auch der harzige Geruch, den Bernstein beim Erwärmen über einer Flamme entfaltet. Ihm verdankt er seinen Namen: Das mittelniederdeutsche Börnstein, also Brennstein, entwickelte sich zu dem heutige Bernstein weiter. Nicht selten wurde das versteinerte Harz in früheren Zeiten als Lichtquelle an dunklen Winterabenden verwendet.

Wo finde ich Bernstein am Strand?

Aufgrund seines leichten Gewichts wird Bernstein nicht wie Kiesel einzeln am Strand angespült, sondern mit Tang und Treibgut angeschwemmt. Es lohnt sich also dort zu schauen, wo sich Streifen aus Seegras, Muscheln und Hölzchen gebildet haben. Die größte Chance auf einen Fund besteht nach einem Sturm. Passionierte Bernsteinsucher zieht es dann bereits in den frühen Morgenstunden ans Meer. Die Einheimischen kennen die besten Fundplätze und hüten diese wohl. Bernstein-Fischer stehen mit Keschern direkt im Wasser und schöpfen die Beute ab.

Warum gibt es an der Ostsee so viel Bernstein?

Der so genannte Baltische Bernstein entstand vor zirka 40 bis 50 Millionen Jahren in den Wäldern Nordeuropas, in der Gegend des heutigen Skandinaviens. Er fand seinen Weg ins Meer und wurde durch die letzte Eiszeit bis ans europäische Festland gebracht. Der gesamte Ostseeraum bildet die bekannteste Fundregion für Bernstein, die Vorkommen der Nordsee gelten als verirrte Bestände der Ostsee.

Bernstein findet sich auch in anderen Regionen der Welt. Bekannt und ebenso wie der Baltische Bernstein gut für die Schmuckherstellung geeignet, ist der Bernstein der Dominikanischen Republik. Auch auf Neuseeland, Borneo und in anderen Teilen Asiens gibt es Bernsteinvorkommen. Aus Kolumbien und Madagaskar stammt der jüngere Bruder des Bernsteins, der Kopal. Er ist lediglich 1.000 bis 100.000 Jahre alt.

Wer sich näher mit Bernstein und seiner Geschichte befassen will, dem sei ein Besuch im Deutschen Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten empfohlen.