
- Im Kloster gibt es für Beten und Kunst immer Platz - Stihl024
Den Namen Hummel verbinden die meisten Menschen in der Regel sofort mit den weltweit bekannten Hummelfiguren. Den Namen Berta fügen schon die wenigsten hinzu. Dabei war Berta Hummel eine begnadete Künstlerin. Sie malte nicht nur Kinderzeichnungen, sondern auch Porträts, Karrikaturen, Landschaften und Stadtansichten, Stillleben und Blumenstücke sowie Aktzeichnungen. In Massing steht heute ein Museum zu ihrem Gedenken, mit aktuellen Ausstellungen. Gleichzeitig ist das Haus des Museums ihr Geburtshaus, das 1875 in den Besitz der Familie Hummel kam. Ein authentischer Schauplatz für eine authentische Persönlichkeit.
Kurzer Lebenslauf der Berta Hummel
Geboren wurde Berta Hummel als eines von sieben Kindern. Ihre Mutter Victoria schrieb über ihr drittes Kind: „Sie war ein liebes, blondlockiges, schönes Kind, äußerst lebhaft. Am liebsten malte sie... Ein paar hübsche Blumen, ein nettes Kindergesicht, eine schöne Abendstimmung, ein herbstlicher Wald, das alles konnte sie in helle Entzückung bringen, und sie stand lange und schaute, schaute ...“[1]. Auch laut Neffen Alfred Hummel, genoss Berta Hummel eine schöne Kindheit[2]. Früh begann Sie sich auch für Kunst zu interessieren und wurde von ihren Eltern darin auch unterstützt. Sicherlich ein Glücksfall für das Jungtalent, denn als Mädchen hätte sie zu ihrer Zeit auch einen anderen Tätigkeitsbereich von den Eltern aufgezwungen bekommen können. Stattdessen durfte sie in München die Akademie für angewandte Kunst besuchen, die sie 1931 als Primus abgeschlossen hatte. Daher hat man ihren Entschluss, kurz darauf ins Kloster einzutreten, bis heute nicht verstehen können. Laut Alfred Hummel, der die These von seinem Vater übernommen hat, sei es die Infrastruktur, die das Kloster ihr bieten sollte. Der Gedanke sich nicht um Hausarbeit, das Einkaufen, Kochen und andere Tätigkeiten sorgen machen zu müssen und einfach nur malen zu dürfen, ist der wohl noch wahrscheinlichste. So genau weiß es heute aber niemand. Und später kam ehe alles anders, als sie es wohl gedacht hätte.
Das Klosterleben der Schwester Maria Innocentia
Im Kloster eingetreten, wurde aus Berta Hummel Schwester Maria Innocentia. Im Kloster entdeckte sie dann, neben ihren Kindermotiven, für die sie berühmt ist, auch neue religiöse Themen, malte Andachts- und Altarbilder, zeichnete Entwürfe für liturgische Texte und gab Zeichenunterricht. Doch blieb es nicht aus, dass ihr vieles ab dann auch verborgen blieb. Alles war bestimmt und geordnet. Zu sehr sogar, wie sie manchmal feststellen musste. Die Goebel Fabrikation ihrer Hummelfiguren in Coburg von 1934, bei denen sie zu Beginn noch teils bei der Farbgestaltung mitbestimmen durfte, erlebte Schwester Maria Innocentia nur in den Anfängen. Auch war sie nicht wirklich begeistert, ihre Zeichnungen in Figuren plastisieren zu lassen. Doch der Druck von außen und auch der des Klosters, das dringend Einnahmen brauchte, waren größer. Leider war der Druck auch nicht ohne Grund vorhanden, denn zu diesem Zeitpunkt hatte das Nazi-Regime dem Kloster sämtliche Schulämter entzogen, dadurch fehlten wichtige Einnahmen zum Überleben. Ihre wohl individuellste Arbeit im Kloster war der Kreuzwegzyklus. Drei Jahre nach Produktionsbeginn ihrer Figuren wurde Schwester Innocentia Ordensschwester auf Lebenszeit. 1940 wurde das Kloster endgültig vom Nazi-Regime unter dessen Fittiche genommen, nicht zuletzt wegen der profitablen Einnahmen aus den Hummelfiguren und der künstlerischen Arbeit Schwester Maria Innocentias. Nach fünf harten Jahren, auf dem Klostergelände zusammengepfercht, erkrankte die Ordensschwester an Tuberkulose. Auch zwei Sanatorienaufenthalte brachten keine Besserung. Nach Aussagen Alfred Hummel, hätte noch zuletzt Berta Hummels Schwester Senta Hummel versucht, sie aus der französischen Zone in die amerikanische Zone zu befördern, um sie nach hause zu bringen und um das Leben der Schwerkranken zu retten. Doch vergeblich. Berta Hummel alias Schwester Maria Innocentia verstarb 1946 an den Folgen der Tuberkulose. Aus Sicht ihres Neffen Alfred Hummel, sicherlich ein „vermeidbarer Tod“. Sie wurde nur 37 Jahre alt.
Der Hummel-Figuren Kult – die wertvollste Figur ist der „Heilige Georg“
Heute gibt es über 400 Figuren. Manche kann man nur noch privat erwerben, weil sie nicht mehr hergestellt werden oder limitiert sind. Eine besonders wertvolle Hummelfigur ist der „Heilige Georg“. Den gibt es aber in zwei Varianten. Die Figur mit dem roten Sattel hat dabei einen deutlich höheren wert, als die mit dem brauen Sattel. Alfred Hummel setzte in der Sendung „Große Namen“ die Figur im Vergleich zum „Bayerischem Kreuzer“. Den eigentlichen Wert der Figur verriet er aber nicht.
Hummel-Community weltweit – in Japan und den USA enorm groß
Heute gibt es weltweit Clubs, Vereinigungen, Sammelvereine und weitere Gruppierungen, die sich nur mit dem Hummelkult beschäftigen. Manche treffen sich auch zu öffentlichen Veranstaltungen zusammen und fachsimpeln zu den aktuellsten Geschehnissen oder tauschen sich einfach aus. Nicht zu verachtende Hummel-Communitys gibt es beispielsweise in den USA oder Japan. Gerade die USA pflegen schon seit Jahrzehnten ein großes Hummel-Interesse. Als nach dem zweiten Weltkrieg viele GIs die Hummelfiguren als Andenken oder Geschenk für ihre Familien und Freunde mit in die USA gebracht hatten, hat sich kurz darauf ein Hype um die Figuren entwickelt. Es dauerte nicht lang und die ersten Importe gingen quer durch das Land. Weltweit sind Menschen von den Figuren und der heilen Welt, die sie umgibt, begeistert. In Japan schätzt man vor allen auch das deutsche Handwerk, das die Figuren mit sich bringen.
[1] Hummel.de, J. Hummel KG, Alfred Hummel, Hummelmuseum Massing, Berta Hummel Seite 2011
[2] Alfred Hummel in „Große Namen“, SWR Sendung vom 06.03.2011
BIldquelle: Stihl024, Pixelio.de
