Berti Vogts - Aserbaidschans Trainer tätlich angegriffen

Berti weltläufig - Büchergilde
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Der "Terrier" und frühere deutsche Nationalcoach ist jetzt für das türkische Nationalteam im Gespräch.

Der “Terrier“ ist tätlich angegriffen worden. Drei Tage vor dem Qualifikationsspiel zur nächsten Europameisterschaft zwischen Aserbaidschan und Deutschland haben drei Raudies während einer Pressekonferenz in Baku ihren deutschen Nationaltrainer Berti Vogts tätlich angegriffen. Es war, hieß es anschließend, eine Reaktion auf die vorausgegangene 1:2-Niederlage der Elf von Aserbaidschan gegen Kasachstan; möglicherweise auch ein „vorauseilender“ Denkzettel mit Blick auf das Spiel gegen Deutschland, das, ebenfalls in Baku, für den 7. Juni 2011 anberaumt ist. Der Vorfall indessen lenkte den Blick unversehens wieder auf „Berti“, den weit Gereisten. Trainer von Aserbaidschan also derzeit – wenn auch wohl nicht mehr lange.

Ein Ziehsohn von Hennes Weisweiler

Berti Vogts also, der „Terrier“ in der Fohlenelf von Borussia Mönchengladbach, für die er in seiner aktiven Karriere 419 Mal auflief. Ein Abwehrstratege, von „verlässlicher Ernsthaftigkeit“, und zugleich „Terrier“: Kaum einer war so bissig im Kampf um den Ball, im Zweikampf mit dem Gegner – und mit sich selbst. Der am 30. Dezember 1946 im niederrheinischen Büttgen geborene Berti, schon mit zwölf Jahren Vollwaise, lernte das Handwerk eines Werkzeugmachers. Und in den Beruf des Fußballers ackerte er sich – Ziehsohn von Hennes Weisweiler – dann zielbewusst, zäh und ehrgeizig hinein. In seiner vom Deutschen Fußballbund veröffentlichten Kurzbiographie wird er entsprechend zitiert: „Es gab Tausende von Fußballern, die viel begabter gewesen sind als ich, doch ich war ehrgeiziger. Aber ich musste immer den harten Weg gehen.“

Nach Beckenbauer der spröde Realist

Für Berti Vogts zahlte sich die Härte gegen sich selbst aus: Mit Mönchengladbach räumte er Meisterschaften und Pokale ab; mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wurde er 1974 Weltmeister. Hans-Hubert Vogts, so hieß er in der Tat, wurde im Jahr 1990 als Nachfolger von Franz Beckerbauer Teamchef der Nationalmannschaft. Das war ein Wechsel, den nicht wenige seinerzeit als Stilbruch empfanden. Denn im Gegensatz zu Beckenbauer, der die Freiheiten des Liberos auch als erfolgverwöhnter Nationaltrainer unbekümmert für sich reklamierte, kam nun der spröde Realist, dem unbekümmerte Spontaneität aus dem hohlen Bauch heraus völlig wesensfremd war. Die Erfolge waren mäßig: Ein zweiter Platz bei der Europameisterschaft 1992; 1994, bei der WM in den USA, kam das Aus im Viertelfinale gegen Bulgarien, 1998 ebenfalls im Viertelfinale der WM, diesmal in Frankreich, wurde die deutsche Elf von Kroatien gestoppt. Nur einmal, 1996, hatte es Glanz gegeben. Die Europameisterschaft in Wembley mit dem „Golden Goal“ von Oliver Bierhoff. Dafür gab es das Bundesverdienstkreuz. Als er dann aber Ende 1998 entnervt das Handtuch warf und den Trainerposten abgab, da kam es ihm vor, „als wäre ich von heute auf morgen aus einer Familie entfernt worden“. Er meinte den DFB.

Demnächst Nachfolger von Guus Hiddink?

Im Jahr 2011 ist und war er in Aserbaidschan tätig. In den vorausgegangenen 13 Jahren war er auf offenbar unruhiger Wanderschaft. Er wurde Nationaltrainer von Kuwait, Schottland und Nigeria. Und in Baku, wo er jetzt attackiert wurde, dürfte er auch die längste Zeit gewesen sein. Es heißt, der türkische Fußballverband zeige Interesse, falls man sich von Trainer Guus Hiddink trenne. Dann könnte Berti Vogts mit einigen Nationalspielern auch deutsch reden.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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