Berti Vogts als Bundestrainer

Der Gladbacher wurde von Fußball-Deutschland nie richtig verehrt

Berti Vogts ist einer der besten deutschen Fußball-Trainer. Fehlendes Charisma verhinderte aber die ganz große Karriere als Coach.

Am Anfang stand ein Zitat. Eines, das einen bösen Schatten auf die Amtszeit von Berti Vogts als Bundestrainer warf. Es stammte von Franz Beckenbauer. Der hatte gerade als Teamchef die Weltmeisterschaft 1990 gewonnen. Er verfügte über ein Team junger und schon erfahrener Spieler wie Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler oder Andy Möller. Zudem stand die Wiedervereinigung an, die Fußballer wie Matthias Sammer, Ulf Kirsten oder Andy Thom zu Bundesdeutschen machte. Daraus folgerte Franz Beckenbauer: „Die Deutsche Nationalmannschaft ist auf Jahre hinaus unschlagbar.“

Der Fehler von Berti Vogts: Er nahm diese von Beckenbauer leicht dahin geplauderten Worte ernst. Jedes Unentschieden wertete er als Niederlage, jede Niederlage als persönliche Schande. Und sogar für knapp ausgefallene Siege rechtfertigte Vogts sich. Zudem wusste und sagte der gebürtige Westfale, er würde nie das Charisma seines Vorgängers haben, der damals schon als „Lichtgestalt“ gefeiert wurde.

Erfolgreicher Jugendtrainer

Bevor Vogts 1990 Trainer der Deutschen Nationalmannschaft wurde, war er elf Jahre lang für den Deutschen Fußball-Bund als Jugendtrainer tätig. Eine Arbeit, die ihm lag, in der er seine Stärken ausspielen konnte: Akribie und Fachwissen. Fast alle Spieler, die 1990 den Titel holten, liefen durch die Schule von Vogts. Er war der ideale Jugendtrainer.

Vogts wurde am 30. Dezember 1946 geboren. Seine Eltern starben früh. Der Fußballer Vogts suchte immer nach Ersatzfamilien und Eltern. Die fand er bei seinem Club Borussia Mönchengladbach, für den er 419-mal in der Bundesliga spielte und von 1965 bis 1979 antrat. Seinen Trainer Hennes Weisweiler bezeichnete Vogts als „väterlichen Freund“. Den gleichen Titel verlieh er dem späteren DFB-Präsidenten Egidius Braun. Auch der DFB war eine Ersatzheimat für den Waisen.

Peinliche Auftritte und Zitate

Der klein gewachsene Vogts wirkte in seinem öffentlichen Auftreten stets unglücklich. Kult ist sein Tatort-Gastspiel, das mit dem Satz endete: „Gebt dem Kaninchen eine Mohrrübe extra, es hat sie sich verdient.“ Andere Zitate von Vogts sind legendär, etwa: „Gewalt gehört nicht auf den Fußballplatz, sondern nach Hause zur Ehefrau.“ Auch Versuche zur Selbstironie, wie ein Auftritt in Frauenkleider in der Musiksendung Disco, gingen schief.

Die Mischung aus übertriebenem Siegeswillen, zu hoher emotionaler Bindung an seine Arbeit und Unsicherheit im Auftritt ließen Vogts als Bundestrainer nie souverän wirken. Dabei fing es gut an. Bis zur Europameisterschaft 1992 in Schweden erreichte er die bis heute erfolgreichste Startbilanz aller Nationaltrainer. Das Turnier verlief schlecht. Nach dem Ausfall von Lothar Matthäus fehlte ein Boss, Stefan Effenberg und Sammer konkurrierten um diesen Posten. Im Finale verlor Deutschland gegen Dänemark.

Stefan Raab verspottet Berti Vogts

Bei der Weltmeisterschaft 1994 schied Deutschland im Viertelfinale gegen Bulgarien aus. Bezeichnend für Vogts war sein Umgang mit Effenberg. Der hatte Fans nach einem schwachen Spiel den Mittelfinger gezeigt. Effenberg musste nach Hause, das war auch richtig. Es war aber die Art, wie Vogts das verkaufte. Beckenbauer hatte 1986 bei der Weltmeisterschaft in Mexiko Uli Stein sang- und klanglos suspendiert. Vogts ließ sich in larmoyanten Ton über Moral und die Rolle des Fußballers als Vorbild aus. Moderator Stefan Raab sang unterdessen Spottreime über den Trainer, statt Vorbild war Vogts zur Witzfigur verkommen.

Der Sieg der Europameisterschaft 1996 war der Höhepunkt in der Karriere von Vogts als Bundestrainer. Mit Klinsmann und Sammer hatte er jetzt zwei Chefs gefunden. Raab schrieb im Playboy eine Lobeshymne auf Vogts. Sie war überschrieben: „Die Stunde des Siegers.“

Scheitern bei Bayer Leverkusen

Es blieb nur eine Stunde. Nach einer schwachen Qualifikation und dem Ausscheiden gegen Kroatien war kurz nach der Weltmeisterschaft 1998 Schluss als Bundestrainer. Mit seiner Karriere wurde es nicht besser. Als Trainer von Bayer Leverkusen wollte Vogts nichts weniger, als den deutschen Fußball revolutionieren. Vogts heuerte prominente Co-Trainer wie Pierre Littbarski oder Toni Schuhmacher an. Wie in England üblich sah er sich einen Teil der Spiele von oben an. Die Bild taufte ihn „Tribünenadler“. Ein Foto, wie Vogts Spieler nach links und Littbarski diese nach rechts dirigiert, sagte alles über deren Verhältnis zueinander aus.

Als Nationaltrainer machte Vogts Station in Schottland, Nigeria und Kuwait. Jetzt hat er dieses Amt in Aserbaidschan angetreten. In der Presse klagt er: „Deutschland hat keinen Respekt vor dem, was ich geleistet habe.“