
- Faule Äpfel - Schillers Inspirationsquelle - m. gade/pixelio.de
Jeder Mensch ist etwas Besonderes, Individuelles. Während die Mehrheit nach außen angepasst erscheint und versucht, nicht aufzufallen, zelebrieren einige ihre kleinen Schrullen gerne vor den Augen der Öffentlichkeit.
Was ist ein Exzentriker?
Früher galt ein Exzentriker – aus dem Lateinischen von ex centro, was außerhalb der Mitte bedeutet – einfach als ein Sonderling, als einer der auffällt, weil er sich nicht der Norm entsprechend verhält. Medizinisch wurde das mit einer Überfunktion der Milz erklärt. Nach der Theorie der vier Körpersäfte war die Milz der Sitz der Melancholie. Wenn dort ein zu viel an schwarzer Galle produziert wurde – so die antike Theorie – dann führe das zu Depressionen. Der Exzentriker also als unangepasster, kreativer Mensch, der von den Normen der Gesellschaft so in die Schranken gewiesen wird, dass er der Melancholie verfällt?
Die heutige Medizin tut sich häufig schwer, den freiwilligen Nonkonformisten von der schizoiden Persönlichkeit und pathogenen Störungen abzugrenzen. Während man hierzulande seine kleinen Eigenheiten lieber im Verborgenen lebt, kultiviert man in England gerne seinen kleinen Spleen – das englische Wort leitet sich übrigens vom griechischen Wort splen für Milz ab. Forschungen haben ergeben, dass Exzentriker gemeinhin kreative, intelligente und neugierige Persönlichkeiten sind, weswegen ihr Anteil in der Welt der Kunstschaffenden besonders hoch ist.
Individuelle Kleiderordnung: exzentrisches Auftreten
Manch eine Künstlerpersönlichkeit machte durch unkonventionelle Kleidung und ein skurriles Erscheinungsbild von sich reden: So war der französische Schriftsteller Theóphile Gautier (1811 bis 1872) im Pariser Quartier Bréda bekannt wie ein bunter Hund. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf seinen Streifzügen durch die Rues und Avenues trug er gerne ein rosafarbenes Hemd und grüne Pantoffeln. Auch Ernest Hemingway (1899 bis 1961) wurde eine Abneigung gegen allzu förmliche Kleidung nachgesagt: "Hoffentlich werde ich nie etwas Festlicheres anziehen müssen als Unterwäsche", sollen seine Worte gewesen sein. Den Nobelpreis für Literatur nahm er 1954 nicht persönlich entgegen. Er entschuldigte seine Abwesenheit bei der Preisverleihung mit Verletzungen, die er sich bei einem Flugzeugunglück in Afrika zugezogen hatte. Wollte er möglicherweise nicht doch eher der Kleiderordnung – Hemingway hätte im Frack erscheinen müssen – entgehen? Indes erfüllten nicht wenige Künstler das Klischee des „Armen Poeten“, wie ihn Carl Spitzweg dargestellt hat, und bevorzugten es, in Schlafrock und Zipfelmütze zu arbeiten. So wird es zum Beispiel von Christoph Martin Wieland, Matthias Claudius und Balzac berichtet.
Von seltsamen Arbeitsmethoden
Georges Simenon (1903 bis 1989), Vater des legendären Kommissar Maigret, konnte bei der Arbeit an einem Buch nur immer ein und dasselbe Hemd tragen. Geriet er bei der Arbeit ins Schwitzen, musste das Hemd umgehend gewaschen werden, sodass er es am nächsten Tag wieder anziehen konnte. Der Komponist Richard Wagner (1813 bis 1883) konnte sich am besten konzentrieren, wenn Wohlgerüche durch die Räume zogen. Rosenöl war sein erklärter Lieblingsduft und erfüllte seine verschiedenen Niederlassungen in Bayreuth und Italien. Dabei mochte er es sehr warm in seinen Räumen und arbeitete gerne im seidenen Morgenmantel.
Friedrich Schiller hingegen bevorzugte Gerüche der etwas anderen Art. Von ihm wird berichtet, dass er stets faule Äpfel in seiner Schreibtischschublade lagerte. Das Ethylen, das reife Äpfel produzieren, hatte nicht nur eine muskelentspannende Wirkung, sondern soll den Dichter auch stimuliert und inspiriert haben. Bei Goethe, der dem Geheimnis von Schillers Schublade durch Zufall auf den Grund gekommen war, und der dies der Nachwelt überlieferte, löste der üble Geruch allerdings Übelkeit aus.
Extravagante Tierliebe
In punkto Liebe zum Haustier gibt es ja bekanntlich wenig, was es nicht gibt: So soll der italienische Schriftsteller Gabriele D’Annunzio (1863 bis 1938) eine innige Herzensbeziehung zu seinem Goldfisch gepflegt haben. Er redete mit ihm und bezeichnete den Fisch als Inbegriff seines Glücks. Als er einmal auf Reisen ging und den geliebten Fisch zurücklassen musste, telegrafierte er an den Fisch-Sitter zu Hause: "Ich spüre, dass Adolphus nicht wohl ist". Tatsächlich war der Fisch verstorben und D’Annunzio ordnete an, ihn im Garten zu begraben, wo er bei seiner Rückkehr das Fischgrab weinend mit Blumen überhäufte.
König Friedrich II. (1712 bis 1786) ist längst als Hundenarr in die Geschichte eingegangen. Seine 15 Windspiele waren ihm ständige Begleiter und genossen Narrenfreiheit. Die Menüs, die eigens für sie zubereitet wurden, sind bis heute überliefert und wurden unter den gestrengen königlichen Augen immer wieder einer Prüfung unterzogen. Darüber hinaus labten sich die Hunde an Kuchen, kaltem Braten und Butterbrötchen, hatten ihre Plätze bei Tisch und schliefen mit im königlichen Bett. Wer sich die Sympathie des Königs sichern wollte, freundete sich am besten zunächst mit seinen Hunden an. Es ist überliefert, dass die Lakaien mit den Hunden französisch zu sprechen hatten und sie mit "Sie" anreden mussten.
Quelle:
Schmitz, Rainer: Was geschah mit Schillers Schädel? Alles, was Sie über Literatur nicht wissen, Frankfurt 2006.
Foto: m. gade/pixelio.de
