Berühmte indische Gurus der Gegenwart

Sathya Sai Baba und Mata Amritanandamayi Ma

Sri Sathya Sai Baba - Public domain
Sri Sathya Sai Baba - Public domain
Sathya Sai Baba und Mata Amritanandamayi Ma (auch Ammachi genannt) gehören zu den bekanntesten und populärsten indischen Gurus des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts.

Sathya Sai Baba und Mata Amritanandamayi Ma sind wahrscheinlich die beiden berühmtesten und international bekanntesten indischen Gurus der Gegenwart. Sie stammen beide aus Südindien und haben ihren Haupt-Ashram (spirituelle Pilgerstätte) in Puttaparthi beziehungsweise in Amritapuri, nahe ihrer jeweiligen Geburtsstätte.

Sathya Sai Baba (* 1926): Leben und Lehre

Sathya Sai Babas Geburtsort Puttaparthi war ursprünglich ein abgelegenes, winziges Dorf im ländlichen Teil von Andhra Pradesh in Südindien. Sein ursprünglicher Name lautete Sathyanarayana Raju. Im Alter von 14 Jahren erklärte sich der junge Sathya als Wiedergeburt von Sai Baba, einem Hindu-muslimischen Heiligen aus Shirdi im Bundesstaat Maharashtra, der zu der Zeit in Puttaparthi völlig unbekannt war. So wurde aus Sathyanarayana Raju der Wunder-Guru Sathya Sai Baba, der weltweit Berühmtheit erlangte für Wunder wie Materialisierungen heiliger Asche und anderer Gegenstände als auch für wundersame Heilungen, Bilokationen und andere übernatürliche Fähigkeiten.

Sathya Sai Baba lehrt die klassischen Yogawege, wobei der Hauptaugenmerk auf dem Weg der Hingabe (Bhakti Yoga) und dem Wiederholen der göttlichen Namen (Nama Smarana oder Japa) liegt. In seinen Ashrams in Puttaparthi (in Andhra Pradesh) und Whitefield (bei Bangalore) werden täglich Lieder der Hingabe, so genannte Bhajans, gesungen, in denen verschiedene Namen und Aspekte des Göttlichen wie Krishna, Rama, Shiva, Allah, Christus, Buddha und Guru Nanak verehrt werden, wobei alle größeren Religionen vertreten sind.

Sathya Sai Babas Darshan und soziale Projekte

Sathya Sai Baba gibt seit über 50 Jahren täglich Darshan (traditionelle Bezeichnung für den Anblick eines Heiligen). Dabei läuft er zwischen den sitzenden Besuchern und Anhängern, wobei er mit manchen redet, viele Briefe entgegen nimmt und gelegentlich Menschen zu einem persönlichen Gespräch aufruft. Sathya Sai Baba hat sich selbst als Avatar (göttliche Inkarnation) bezeichnet. Er sieht seine Aufgabe darin, das jedem Menschen innewohnende göttliche Bewusstsein zu erwecken.

Neben seinen spirituellen Lehren hat Sathya Sai Baba viele soziale Projekte inspiriert und initiiert. Der Sathya Sai Trust baute mehrere Schulen, Universitäten und Krankenhäuser, die alle erfolgreich betrieben werden und dabei alle ihre Leistungen völlig umsonst anbieten. Der Trust hat außerdem zwei massive Trinkwasserprojekte in wasserarmen Gegenden Südindiens unternommen. Viele Ärzte, Ärztinnen und Krankenpfleger, die gleichzeitig Verehrer von Sai Baba sind, veranstalten regelmäßig so genannte Medical Camps in verschiedenen Ländern, in denen Bedürftigen breit gefächerte medizinische Dienste völlig umsonst angeboten werden.

Ammachi (* 1953): Die Transformation Sudhamanis in Mata Amritanandamayi Ma

Mata Amritanandamayi Ma hieß ursprünglich Sudhamani und wurde 1953 in einem Dorf nahe Kollam in Kerala, Südindien geboren. Sie war von sehr einfacher Herkunft. Schon als kleines Mädchen spürte sie eine große Anziehung zu Krishna und der göttlichen Mutter Devi. Sie musste als Kind sehr hart arbeiten, da ihre Familie arm war und ihre Eltern streng auf das unkonventionelle und scheinbar exzentrische Verhalten von Sudhamani reagierten. Jede freie Minute nutzte sie zu Gebet, Meditation und dem Singen hingebungsvoller Lieder. Nach eigener Aussage hatte sie in dieser Zeit Visionen der Gottheiten Krishna und Devi, wobei ihr die göttliche Mutter den Auftrag gab, die Leiden der Menschen zu lindern.

Mit der Zeit schien die Person Sudhamanis vollkommen in der Verkörperung der göttlichen Mutter aufzugehen. Sie wurde jetzt Mata Amritanandaymayi Ma, Mutter unsterblicher Seligkeit genannt und von ihren Anhänger/innen auch liebevoll „Ammachi“ (liebe Mutter) oder einfach „Amma“ (Mutter) gerufen. Sie wird von vielen als selbstverwirklichte spirituelle Meisterin betrachtet und von manchen Anhänger/innen sogar als göttliche Inkarnation (Avatar) verehrt.

Ammachis humanitäre Projekte und Darshan

Ammachi hat sich weltweit große Anerkennung für ihre humanitären und Umwelt-Projekte in Indien und der ganzen Welt erworben. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen wie zum Beispiel den Gandhi-King-Award für Gewaltlosigkeit (2002) und den James Park Morton-Award (2005) für ihre spirituellen und humanitären Leistungen. Ihr Hauptanliegen bleibt jedoch das spirituelle Erwachen der Menschheit. Ammachi ist berühmt für ihre unorthodoxe und einzigartige Weise, Darshan (Anblick einer Heiligen) zu gewähren: Sie umarmt dabei die Tausenden von Menschen, die von ihr gesegnet werden wollen.

Oft gibt Ammachi zehn Stunden am Stück oder länger Umarmungen, ohne die kleinste Pause für Essen, Trinken oder Toilette. Auf diese Weise hat Mata Amritanandamayi Ma schon Millionen Menschen umarmt, wobei sie ihnen Mantren oder Kosenamen ins Ohr flüstert. Ammachi leitet einen Ashram in Amritapuri, Kerala, in Südindien, wohin Tausende Menschen aus der ganzen Welt kommen, um am gemeinschaftlichen Singen, Meditieren und gemeinnützigen Arbeiten teilzunehmen.

Parallelen zwischen Sathya Sai Baba und Ammachi

Sathya Sai Baba und Mata Amritanandamayi Ma sind beides zeitgenössische indische Gurus. Beide sind in Indien weit bekannt, haben aber auch eine große Menge ausländischer Anhänger. Beide lehren den klassischen indischen „Sanatana Dharma” („die ewige kosmische Ordnung“) und die klassischen Yogawege Bhakti, Karma und Jnana Yoga, jedoch in einer undogmatischen und universellen Form. Beide haben viele Sozialprojekte in Indien und anderen Ländern initiiert und inspiriert.

Verwandte Artikel

Lesen Sie in verwandten Artikeln über berühmte indische Gurus des 20. Jahrhunderts sowie über indische spirituelle Meister im 19. Jahrhundert und indische spirituelle Meister im 20. Jahrhundert.

Quellen

Murphet, Howard. Sai Baba: Man of Miracles. Red Wheel / Weiser, 1977.

Cornell, Judith. Amma: Healing the Heart of the World. William Morrow & Company, 2001.

Martin Bohn, Martin Bohn

Martin Bohn - Als ausgebildeter Yogalehrer schreibe ich nebenher Artikel für verschiedene Yogazeitschriften in Deutsch und Englisch. Hauptberuflich ...

rss