Berühmte vollendete Attentate

Mordanschläge gehören zum Standardrepertoire von Machtkämpfen.

Durch Attentat ermordet: Emiliano Zapata - Public Domain
Durch Attentat ermordet: Emiliano Zapata - Public Domain
Ob per Gift oder Messer, Schusswaffe oder Bombe - Attentate gehören seit Jahrtausenden zum Standardrepertoire menschlicher Machtkämpfe.

Das Attentat vom 27. Dezember 2007, bei dem Bhenazir Bhutto getötet und ihr Heimatland Pakistan noch tiefer ins politische Chaos gestürzt wurde, ist nur das aktuellste Beispiel. Gezielte Mordanschläge sind fester Bestandteil der Politikgeschichte.

Schon um 700 vor unserer Zeit soll der assyrische König Sennacherib von seinen Söhnen ermordet worden sein – der älteste bekannt gewordene Mordanschlag auf einen politischen Rivalen. Seitdem zieht sich das gezielte Töten mächtiger Gegner wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte. Hier eine Übersicht bedeutsamer vollendeter Attentate der menschlichen Geschichte.

An den Iden des März

Der, dem dieses Attentat galt, fühlte sich morgens nicht wohl. Er erwog gar, nicht an der angesetzten Sitzung teilzunehmen. Seine Frau äußerte düstere Vorahnungen, berichtete von dunklen Träumen. Ein enger Freund versuchte noch, ihn vom Wege ins Versammlungshaus abzubringen. Ein anderer übergab dem Todgeweihten gar ein warnendes Schriftstück, doch dieser reichte es ungelesen weiter.

Am 15. März des Jahres 44 vor unserer Zeit starb Gaius Iulius Caesar, mit 23 Dolchstichen ermordet von römischen Senatoren. Wirren, Aufstände, Bürgerkriege folgten. Die Römische Republik versank im Chaos – bis Caesars Adoptivsohn Octavian endlich die Oberhand gewann und als Augustus erster Kaiser Roms wurde. Augustus’ Nachfolger starben übrigens auch recht oft per Mordanschlag: so Caligula (41 unserer Zeit), Claudius (54), Domitian (96), Commodus (192) und Caracalla (217). Auch der große römische Rhetor Cicero wurde ermordet – nur ein Jahr nach Caesar.

13. Juli 1793

Dass eine Frau ein Attentat verübt, ist eher selten. Natürlich kam es durchaus vor, dass antike oder mittelalterliche Herrscherinnen Rivalen beseitigen ließen – doch das frau selbst zur Waffe greift, ist ungewöhnlich. Charlotte Corday tat es. Am Vorabend des vierten Jahrestages des Sturms auf die Bastille verschaffte sie sich unter einem Vorwand Zutritt zum Pariser Haus des großartigen Revolutionshelden und erstach ihn in seiner Badewanne: Jean-Paul Marat, Führer der gefürchteten Jakobiner und mächtigster Mann Frankreichs, verblutete.

28. Juni 1914

Es war keine gute Idee, als Thronfolger Österreich-Ungarns ausgerechnet an einem 28. Juni die bosnische Hauptstadt Sarajevo zu besuchen. Bosnien war erst kurz zuvor von Habsburgern annektiert worden, die politische Stimmung – gerade unter den sich unterdrückt fühlenden Serben – daher hoch explosiv. Zudem gilt eben dieser 28. Juni den Serben als nationaler Trauertag, seit jenem Tage des Jahres 1389, als die serbischen Heere auf dem Amselfeld den Türken unterlagen. War es nun dumm oder wagemutig, dass Erzherzog Franz-Ferdinand von Österreich-Este jenen 28. Juni 1914 wählte, um Sarajewo einen Besuch abzustatten? In jedem Fall war es tödlich. Erst schlug ein Bombenattentat fehl, doch der 19-Jährige Schüler Gavrilo Princip erschoss schließlich den Thronfolger und dessen Frau Sophie. Das Attentat war der Auslöser (keineswegs die Ursache) des Ersten Weltkrieges.

10. April 1919

Emiliano Zapata hatte keine Chance, er ahnte nichts. Jesús Guajardo, Oberst der mexikanischen Armee, hatte ihn auf seine Hacienda bei Chinameca eingeladen – er wolle zu den Revolutionären unter Zapatas Führung überlaufen, die seit Jahren für die Rechte der Landbevölkerung kämpften. Natürlich war diese eine Falle. Zapata, der bewunderte Führer der Aufständischen Mexikos, starb in einem regelrechten Kugelhagel.

1. Dezember 1934

Er war populär, er hatte unbestreitbare Verdienste, er gewann immer mehr Freunde, Verbündete und Einfluss. War er deshalb eine Gefahr, ein potentieller Rivale für den wahren Herrscher? So ganz einig sind sich die Historiker darüber nicht. Sicher ist: Die Ermordung von des Leningrader Parteichefs Sergej Kirow am 1. Dezember 1934 – durch den angeblichen Oppositionellen Leonid Nikolajew – nützte Stalin ungemein. Bald darauf begannen die berüchtigten Stalinschen Säuberungen und Schauprozesse. Stalins alter Rivale Leo Trotzki starb übrigens wenige Jahre später im mexikanischen Exil - ermordet mit einem Eispickel.

27. Mai 1942

Es war ein verwegener Plan, und er wäre um Haaresbreite schief gegangen. Bereits vor Monaten waren Jan Kubiš und Jozef Gabcík von einem britischen Flugzeug per Fallschirm abgesetzt worden. Sie hatten Kontakt zum geheimen Untergrund in Prag aufgenommen. Sie hatten ihr Ziel ausspioniert. Dann ging fast alles schief. Der Wagen kam verspätet, die Waffe hatte eine Ladehemmung, ihr Opfer zückte die eigene Waffe, die Handgranate erzielte nicht die gewünschte Wirkung, ihre Zielperson wurde lebend in ein Krankenhaus gebracht. Doch eine Woche später starb der hochrangige Nazi Reinhard Heydrich, „Stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren“ und mit der Organisation der Judenvernichtung beauftragt, doch an den Folgen des Anschlags. Die Nazis rächten sich grausam: Sie machten das Dorf Lidice dem Erdboden gleich. Hunderte starben.

22. November 1963

Sonne, freudestrahlende Menschen, eine fröhliche Parade, ein großartiges Cabrio, ein ungemein beliebtes und ansehnliches Präsidentenpaar. Live im TV. Schüsse. Schreie. Blut. Chaos. Live im TV. John Fitzgerald Kennedy, 35. Präsident der USA, wird in Dallas erschossen, und Millionen sehen zu. Als angeblicher Täter wird kurz darauf der vermeintliche Kommunist Lee Harvey Oswald gefasst, der wiederum kurz darauf – in Polizeigewahrsam – vom Nachtclubbetreiber Jack Ruby erschossen wird. Viele Fragen bleiben. Der 22. November 1963 ist ein Geschenk für alle, die Verschwörungstheorien lieben.

4. April 1968

Martin Luther King war das Gesicht, die Stimme und das Herz der US-Amerikaner afrikanischer Abstammung. Das leuchtende Idol der Bürgerrechtsbewegung. Geliebt, verehrt, bewundert und gehasst – vom noch immer rassistischen Establishment der Vereinigten Staaten, ganz besonders aber vom Ku-Klux-Clan. Bereits 1963 war er einem Bombenattentat nur knapp entkommen. Die Anerkennung, die ihm weltweit entgegenschlug – 1964 erhielt er den Friedensnobelpreis – machte ihn nur noch mehr zur Zielscheibe von Rassenfanatikern. An einem Frühlingstag des Jahres 1968 wurde Martin Luther King erschossen – um 18:01 Uhr, auf einem Hotelbalkon in Memphis, Tennessee. Kein Clan-Mitglied wurde als Täter ermittelt, sondern ein Gelegenheitsverbrecher namens James Earl Ray. Auch hier bleiben, analog zum Kennedy-Mord, Fragen und Zweifel.

Auch 1968 starb Robert Kennedy, JFKs jüngerer Bruder und aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat, durch ein Attentat. Ebenfalls ermordet wurden beispielsweise die US-Präsidenten Lincoln (1865) und McKinley (1901), Sisi, die Kaiserin von Österreich (1898), der bedeutende deutsche Außenminister Rathenau (1922), Mahatma Gandhi (1948) und der kongolesische Premierminister Patrice Lumumba (1961), Ägyptens Präsident Sadat (1981), Indira und Rajiv Gandhi (1984 bzw. 1988), der schwedische Ministerpräsident Olof Palme (1986) - und Bhenazir Bhuttos Landsmann, der pakistanische Diktator Zia ul-Haq (1988).