Kein Regiment der britischen Armee ist ununterbrochen so lange im aktiven Dienst wie die Coldstream Guards. Weltberühmt ist die Einheit wegen ihrer zumeist zeremoniellen Aufgaben bei der Bewachung königlicher Residenzen, des Towers und der Bank von England. Die nicht zuletzt wegen ihrer roten Uniformjacken und schwarzen Bärenfellmützen zu den beliebtesten Fotomotiven bei London-Touristen zählenden Gardisten sind aber alles andere als bloße Paradesoldaten, sondern bilden eine der regulären Eliteeinheiten des Vereinigten Königreiches.
Monck´s Regiment of Foot
Der Ursprung des heute fest mit dem Königshaus verbundenen Regiments war ausgesprochen unroyal. 1650 stellte Oliver Cromwell, der Lordprotektor der kurzlebigen englischen Republik, an deren Anfang die Enthauptung eines Monarchen (1649) gestanden hatte, eine nach seinem Inhaber „Monck´s Regiment of Foot“ benannte Einheit auf. George Monck war ein zwischen Republik und royalistischer Restauration taktierender, seinen Vorteil suchender adliger Truppenführer, der sich unter anderem durch die Niederschlagung königstreuer Schotten einen Namen gemacht hatte. Ab 1655 war Monck Gouverneur in Edinburgh. Das Hauptquartier von Moncks Regiment war in dieser Zeit der kleine englisch-schottische Grenzort Coldstream. 1660 marschierte Monck auf London und trug wesentlich dazu bei, dass König Karl II. die nach dem Tode Oliver Cromwells (1658) abgewirtschaftete Republik beseitigen und die Monarchie restaurieren konnte. Anders als die anderen Verbände der republikanischen New Model Army wurde Monck´s Regiment of Foot wegen der Verdienste ihres Regimentschefs nicht aufgelöst.
Der Name „Coldstream Guards“
Als König Karl II. bei der feierlichen Aufnahme der Einheit in seine Armee verlangte, dass die Soldaten symbolisch ihre Waffen als republikanische Truppen niederlegen sollten und dann als zweites Garderegiment ( nach dem später in „ Grenadier Guards“ umbenannten „First Regiment of the Foot Guards“) wieder aufnehmen sollten, weigerte sich Monck. Er verkündete selbstbewusst, dass seine Soldaten „an zweiter Stelle zu keinen“ stehen würden. Der milde gestimmte König gab daraufhin seiner neuen Gardetruppe den improvisierten Namen „Coldstream Guards“.
Einsätze für König und Königin
Die wegen des weißen Mützenbandes an ihrer normalen Dienstmütze den Spitznamen „Lilywhites“ tragenden Coldstream Guards haben seitdem an fast allen Kriegen, die Großbritannien geführt hat, aktiv teilgenommen. Ihre Truppenfahne weist zahlreiche ihrer 117 Battle Honours als ehrenvolle Erwähnungen von Schlachten auf, in denen sich das Regiment, in der Regel verlustreich, ausgezeichnet hatte.
Aktuell ist „Her Majesty's Coldstream Regiment of Foot Guards“ in das regulären Militärdienst als leichte Infanterie leistende, in Aldershot stationierte 1st Battalion (600 Mann) und in die No.7 Company (100 Mann) als Einheit für Wach- und Zermonialaufgaben in London sowie in die „Regimental Band of the Coldstream Guards“ gegliedert.
Besonderheiten
Die roten Sommeruniformen der Kompanie Nr. 7 und der Regimentskapelle der Coldstream Guards sind von den fast identisch uniformierten Parade-Abteilungen der anderen Garderegimenter zu Fuß durch die Anordnung ihrer Knopfleiste an der Uniformjacke zu unterscheiden: Die neun Knöpfe sind von oben nach unten in vier Zweiergruppen aufgenäht, denen ein Einzelstück folgt. An der Bärenfellmütze tragen die Coldstreams einen roten Puschel und am Kragen das sternenförmige Symbol des Hosenbandordens. Wie die vier anderen Gardefußregimenter, stammen die Rekruten der Coldstreams aus allen Teilen des Vereinigten Königreiches, der Hauptrekrutierungsbezirk ist aber auf die Grafschaften beschränkt, die Monck 1660 bei seinem Marsch von Coldstream nach London durchquerte.
Literatur:
Julian Paget, Second to None: The History of the Coldstream Guards 1650-2000; Barnsley 2000
