
- Industriekaufleute arbeiten hauptsächlich im Büro - victoriapeckahm
Als Allround-Kräfte im Büro können Industriekaufleute in allen Wirtschaftsbereichen arbeiten. Dort werden sie in den unterschiedlichsten Abteilungen eingesetzt. Besonders kleinere Betriebe schätzen ihre breite Fachkenntnis in den Bereichen Materialbeschaffung, Produktion, Personal, Vertrieb und Rechnungswesen, wodurch sie flexibel einsetzbar sind. Dies ermöglicht Industriekaufleuten, auch außerhalb der Industrie eine Anstellung zu finden.
Aufgaben: von der Beschaffung bis zum Vertrieb
- Materialbeschaffung: Industriekaufleute sind in der Beschaffung für reibungslose Betriebsabläufe verantwortlich. Sie vergleichen Angebote von Lieferanten, um den günstigsten Preis für Rohstoffe auszuhandeln und prüfen die Ware auf Qualität und Mängel. Auch die Lagerung gehört in diesem Bereich zu ihren Aufgaben.
- Produktion: In der Produktion sorgen Industriekaufleute dafür, dass vorhandene Kapazitäten optimal genutzt werden und erstellen die entsprechenden Arbeitspläne und Maschinenbelegungspläne. Außerdem erstellen sie Stücklisten und die zugehörigen Auftragsbegleitpapiere.
- Personalabteilung: Arbeiten Industriekaufleute in der Personalabteilung, sind sie das Bindeglied zwischen Geschäftsführung oder Abteilungsleitung und Produktion. Sie planen den Personaleinsatz, besprechen Urlaubspläne und erstellen Lohn- und Gehaltsabrechnungen.
- Buchhaltung und Rechnungswesen: In der Buchhaltung und im Rechnungswesen spielen Industriekaufleute ihr Organisationstalent aus, indem sie Belege archivieren und die Finanzen überblicken. Außerdem buchen sie Rechnungen, schreiben Mahnungen, ermitteln Betriebskosten sowie Umsatzergebnis und erstellen Formulare für Finanzbehörden.
- Vertrieb: Als Allround-Kräfte kennen sich Industriekaufleute nicht nur in der Materialbeschaffung aus, sondern wissen ebenso, wie man die produzierten Güter am besten unters Volk bringt. Dazu führen sie Verkaufsverhandlungen, entwickeln und betreuen Marketingmaßnahmen und sind im Kundenservice tätig. Auch das Erstellen und Kalkulieren von Angeboten gehört im Vertrieb zur Aufgabe von Industriekaufleuten. Liegen Bestellungen vor, sorgen sie für die termingerechte Fertigstellung und Auslieferung und bearbeiten Reklamationen. Auch die Bereitschaft Messen zu besuchen und Fremdsprachenkenntnisse zu erwerben, sind für Industriekaufleute im Vertrieb wichtig.
Das Aufgabengebiet von Industriekaufleuten ist also sehr vielschichtig. Besonders in kleineren Betrieben nehmen sie auch all diese Aufgaben wahr, was eine gewisse Stressresistenz erfordert. In Großunternehmen hingegen arbeiten Industriekaufleute meist nur in einer einzigen Abteilung und erledigen dort bestimmte Teilaufgaben (etwa nur Rechnungsstellung und -bearbeitung). Häufig arbeiten sie eigenverantwortlich und können ihre Zeit frei einteilen.
Weiterbildung von Industriekaufleuten
Industriekaufleute sind darauf angewiesen, ihre Kenntnisse stets zu vertiefen und sich den Änderungen durch neue Entwicklungen anzupassen. Zu diesem Zweck wird ein breites Spektrum von Anpassungsweiterbildungen, die auf bestimmte Unternehmensbereiche abzielen, angeboten. Durch Teilnahme an solchen Kursen werden sie Spezialisten für das Finanz- und Rechnungswesen, für das Controlling oder die Teamführung.
Auch eine Vielzahl Aufstiegsweiterbildungen, etwa zum Industriefachwirt, Ausbilder oder Betriebswirt, werden angeboten. Industriekaufleute mit Hochschulreife können zudem studieren und ihre Ausbildung eventuell auf die reguläre Studienzeit anrechnen lassen. Auch finanzielle Unterstützungen wie die Begabtenförderung können hier möglicherweise geltend gemacht werden. Über Weiterbildungsmöglichkeiten informieren Abendakademien, Werke für Erwachsenenbildung und die Arbeitsagenturen.
Industriekaufmann: Ausbildung und Prüfung
Im zweiten Ausbildungsjahr legen Industriekaufleute eine Zwischenprüfung ab, die sie und ihren Betrieb über ihren Kenntnisstand informieren soll.
Die Ausbildung endet in der Regel nach drei Jahren mit bestandener Abschlussprüfung. Hier werden die prüfungsrelevanten Fächer Geschäftsprozesse (Betriebswirtschaftslehre), Steuerung und Kontrolle (Rechnungswesen) und Gesamtwirtschaft (Wirtschafts- und Sozialkunde) abgefragt, die zum Gesamtergebnis 40, 20 oder 10 Prozent beitragen. Die restlichen 30 Prozent werden in einer mündlichen Prüfung errechnet. Hierbei müssen die Auszubildenden sowohl einen höchstens fünfseitigen Report über ein selbstgewähltes Fachgebiet sowie eine dazugehörige Präsentation vorbereiten und vor der zuständigen IHK präsentieren. Der schriftliche Teil der Fachaufgabe ist etwa vier bis fünf Wochen vor der Präsentation einzureichen. Zum Bestehen müssen alle Prüfungen mit mindestens ausreichend abgelegt werden. Besteht der Auszubildende mit gutem Ergebnis, erhält er die Mittlere Reife zuerkannt. Die Regelungen und Notendurchschnitte variieren hierbei aber von Bundesland zu Bundesland.
Arbeitsmarktlage von Industriekaufleuten
Zwischen 1999 und 2009 nahm die Anzahl der beschäftigten Bürofachkräfte, zu denen auch die Industriekaufleute gehören, leicht zu. Im gleichen Zeitraum nahm der Anteil an weiblichen Arbeitnehmern leicht ab. Trotzdem machten sie 2009 über zwei Drittel der Beschäftigten aus. Etwa ein Fünftel übte den Beruf in Teilzeit aus. Fast alle Beschäftigten waren im produzierenden Gewerbe (24,5 Prozent) oder dem Dienstleistungssektor (75 Prozent) tätig.
Ebenfalls zwischen 1999 und 2009 sank die Anzahl der Arbeitslosen bei den Bürofachkräften stark. Mit 4,5 Prozent Arbeitslosigkeit lag der Wert weit unter dem Bundesdurchschnitt (8,2 Prozent).
