
- Esskastanie - Sigrid Rossmann/pixelio.de
Spricht man von der herbstlichen Ernte, meint man die Ernte auf den Feldern oder im häuslichen Gemüse- und Obstgarten. Doch auch in unseren Parks und nahen Wäldern, an Flussläufen und Kanälen, auf wilden Obstwiesen und anderen Freiflächen, kann man leckere Früchte finden.
Wilde Brombeeren kennt fast jeder, aber wie steht es mit Schlehe, Marone und Quitte? Selbst im Handel werden diese Früchte, außer der Marone, nur als bereits verarbeitete Produkte, wie Schlehenwein oder Quittenmarmelade angeboten. Dabei ist es gar nicht so aufwändig, diese besonderen Früchte zu sammeln und zu verarbeiten. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Früchte und ihre Standorte kennt.
Marone oder Esskastanie
Der Baum ähnelt der allseits bekannten Rosskastanie, die Früchte aber unterscheiden sich. Während die Rosskastanie eher rund ist, fällt bei der Marone die etwas abgeflachte Herzform auf. Maronen haben einen hohen Gehalt an Stärke und Zucker, aber einen geringen Fettanteil. Sie werden zur Weihnachtszeit frisch geröstet auf vielen Märkten angeboten.
Wer selber Maronen rösten möchte, schneidet die Früchte auf der gewölbten Seite mit dem Messer ein und legt sie auf eine heiße Herdplatte. Je nach Hitze, sind die Maronen nach 15 bis 20 Minuten gar, das heißt, der essbare Kern ist weich. Heiße Maronen schmecken süß und sind seitens ihrer Konsistenz eher mehlig. Wegen des geringen Fettgehaltes eignet sich die Marone als leckerer Snack zwischendurch.
In Lebensmittelläden, insbesondene den Feinkostabteilungen, werden verschiedene Halbfertig- und Fertigprodukte aus Maronen angeboten. Gefrorene Maronen können gekocht zu Gans- und Wildgerichten gereicht werden. Kandierte Maronen, das heißt in Zucker gekochte Früchte, eignen sich für Nachspeisen. Außerdem gibt es Maronen, eingelegt in Alkohol, Maronencreme, Mehl und Flocken. Mehl wird zu Gnocchi, Pasta, Brot und Gebäck verarbeitet, die Flocken finden Verwendung im Frühstücksmüsli.
In Frankreich und Italien wird aus Esskastanien Likör hergestellt, auf Korsika und in der Schweiz sogar Bier.
Der Schlehdorn
Den Schlehdorn oder auch Schwarzdorn genannt, findet man gern an Uferböschungen. Er gehört zur Familie der Rosengewächse. Es handelt sich um einen bis etwa drei Meter hohen, sehr dornigen Strauch mit relativ kleinen, weichen Blättern. Im März/April, bevor das Laub austreibt, trägt der Schlehdorn ein Meer von weißen Blüten, aus denen sich im Laufe des Jahres dunkelblaue, etwas haselnussgroße Beeren mit Stein entwickeln. Die Früchte haben einen weißlichen Schleier und sind sehr sauer. Erst nach dem ersten Frost im Oktober oder November werden die Früchte schmackhafter und sollten auch erst dann geerntet werden.
Heilwirkung der Schlehe
Der Schlehdorn mit seiner Rinde, den Blüten und Früchten gehört zu Omas medizinischen Hausmitteln. Tees und Aufgüsse sollen harntreibend, fiebersenkend und entzündungshemmend wirken. Ein Blütenaufguss hilft bei Durchfall, das Schlehenelixier gilt als Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten.
Die alten Hausmittel haben sicherlich eine wohltuende Wirkung und helfen bei leichten Beschwerden, dennoch sollte man von einer Selbstmedikation mit Schlehenmedizin absehen und bei einer Erkrankung ärztlichen Rat suchen.
Verwendung von Schlehen in der Küche
Reife Schlehen, das heißt, wenn sie nach dem ersten Frost geerntet wurden, eignen sich zur Herstellung von Marmeladen, Fruchtsäften und Fruchtweinen. Das Abwarten des ersten Frostes ist unbedingt empfehlenswert, da die Kälte den Gerbstoffgehalt in den Früchten senkt. Dieser Vorgang kann nicht durch Einfrieren der Früchte ausgelöst werden.
Wer in der kalten Jahreszeit einen wärmenden Likör bevorzugt, sollte folgendes ausprobieren:
Schlehenlikör
1 bis 2 Hände voll reifer Schlehen waschen und mit braunem Kandis (etwa eine Hand voll), sowie einer Flasche Weinbrand (mindestens 38 %) in einem ausreichend großen Gefäß ansetzen und sechs Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen. Dann den Likör abseihen und in dekorative Flaschen füllen. Wer mag, kann zum Ansatz auch ein Stück Vanilleschote zufügen.
Die Quitte (lat. Cydonia oblonga)
Die Quitte gehört zu den Kernobstgewächsen und ihre ursprüngliche Heimat liegt im Kaukasus. In Mitteleuropa kommt sie etwa seit dem 9. Jahrhundert vor. Man untersscheidet nach der Fruchtform zwischen Apfel- und Birnenquitten.
Heute sucht man vergeblich nach großen Quittenbeständen. Der erwerbsmäßige Anbau ist in Deutschland selten. Wenn man Glück hat, kann man hin und wieder vereinzelte Quittenbäume auf alten Streuobstwiesen oder in privaten Obstgärten entdecken. Besonders im Herbst fallen sie durch die leuchtend gelben Früchte auf, die einem Apfel oder einer Birne auf den ersten Blick sehr ähnlich sind. Doch Vorsicht, in die Quitte kann man nicht hineinbeißen, wie in einen Apfel, denn sie ist steinhart. Erst durch längeres Kochen (mit Schale, denn abschälen ist beinahe unmöglich) wird die Quitte weich. Dann püriert man die Früchte zu Mus und kann sie weiter verarbeiten.
Wer das Mus wie Apfelkompott zu Reibekuchen essen möchte, muss ordentlich Zucker zugeben, denn die Quitte ist sauer und durch die enthaltenen Gerbstoffe stumpf im Geschmack. Besser eignet sie sich zur Zubereitung von Marmelade. Dazu verwendet man das pürierte Mus und den entsprechenden Anteil Gelierzucker oder man entsaftet die gekochten Quitten und bereitet aus dem Saft und Gelierzucker leckeres Quittengelee.
In Spanien und Portugal gibt es eine besondere Weihnachtsspezialität aus Quittenmus: das Quittenbrot, das Dulce de membrillo. Dazu wird gezuckertes Quittenmus etwa 1 cm dick auf ein Backblech gestrichen und im Backofen gedörrt. Anschließend schneidet man kleine Rauten aus und wendet sie in Zucker.
Quellen
heimat-pfalz.de
heilkräuter.de
Reader's Digest Gartenbuch
